„Niemand wird helfen“

Lebensmittel einlagern für eine Krise oder nicht? Was heißt das neue Zivilschutz-Konzept des Bundes für die Bürger? Vertreter des Katastrophenschutzes im Kreis Saarlouis ordnen es in einem Redaktionsgespräch ein.

Was, wenn mal der Strom länger ganz ausfällt? Dann gehen keine elektrischen Eingangstüren mehr an den Geschäften, keine Kassen, keine Kreditkarten. Man kann nichts mehr kaufen. Moderne Telefone gehen dann auch nicht mehr. 110, 112 anrufen? Ist nicht. Radio mit Netzstecker für aktuelle Notfall-Infos? Geht auch nicht mehr. "Unsere schöne neue Welt ist sehr anfällig für Störungen geworden", sagt der oberste Katastrophenschützer des Kreises, Landrat Patrik Lauer . Das gerade vorgestellte Zivilschutz-Konzept der Bundesregierung "rückt das ein bisschen mehr als bisher in den Vordergrund", ergänzt Kreisbrandinspekteur Bernd Paul. Mehr sei nicht dahinter, die große Aufregung in der Bevölkerung überflüssig.

Nicht jedoch die Sache selbst. Da geht es um mehr - ganz konkret, aber auch um gesellschaftliche Gemütslagen. "Vollkaskomentalität" nennt es Paul. Und Lauer: "Es ist die Einstellung: alles und sofort vom Staat. Irgendwer regelt das im Katastrophenfall für mich. Aber das wird in der ersten Zeit niemand tun. " So lange, bis im Katastrophenfall staatliche Hilfe eintreffe, müsse sich jeder selbst "und seinen Nachbarn" helfen, unterstreicht Michael Rech vom Amt für öffentliche Ordnung und Sicherheit. Wenn es soweit ist, ist es zu spät - dann kann man erstmal nichts kaufen. Daraus ergibt sich der Rat, einen kleinen Vorrat anzulegen. Für 14 Tage war bisher die Empfehlung, zehn Tage sind es jetzt.

Nach Überzeugung der Fachleute heißt das vor allem: Trinkwasser. 14 Liter pro Person und Woche sind empfohlen, zwei Wochen soll der Vorrat reichen. Aber auch lang haltbares Essen (Paul: Die Kühltruhe nützt einem dann ja wenig), Dosen, Nudeln, Hülsenfrüchte gehören dazu.

Zur dezenten Krisenvorsorge gehört laut Rech aber auch: Dokumente und Papiere nicht an fünf verschiedenen Orten, sondern an einem aufbewahren. Ein kleiner Vorrat an Medikamenten. Pflaster, Kerzen, Streichhölzer, Taschenlampe. Etwas warme Kleidung.

Bislang sei es "pures Glück" gewesen, dass schwierige Lagen lokal nur sehr begrenzt eingetreten seien, sagt Rech.

Dazu gehören der Bruch der Trinkwasserleitung in Überherrn im März 2014. Oder die Trafo-Häuschen in Rehlingen-Siersburg, die während heißer Tage vor genau einem Jahr in Brand gerieten, was die Stromversorgung unterbrach. Solche lokalen Störungen können jederzeit größere Regionen lahmlegen.

Checklisten und Tipps hält das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe im Internet bereit.

Bbk.bund.de

Im Fall einer Katastrophe oder anderer schwieriger Lagen tritt im Kreis Saarlouis ein Krisenstab zusammen. Dieser Krisenstab ist der so genannte Verwaltungsstab, dessen Leitstelle sich im Landratsamt befindet. Im Prinzip ist dies eine erweiterte Dezernentenkonferenz.

Die Dezernenten des Kreises können auf schnellem Weg auf die Fachleute der eigenen Verwaltung zurückgreifen. Außer den Dezernenten und dem Landrat gehören auch andere Mitglieder dem Stab an. Das richtet sich nach der Art der Krise. Immer dabei ist der Kreisbrandinspekteur. Er ist zugleich Verbindungsmann zu einem weiteren Stab, dem operativ-taktischen Stab. Ihm gehören die Vertreter der Hilfsorganisationen an, die vor Ort arbeiten. Dem Verwaltungsstab gehört weiter die Polizei an. Ebenso die Bundeswehr (zivil-militärische Zusammenarbeit), deren Vertreter ist Verbindungsoffizier zu einem Krisenstab im Landeskommando Saar der Bundeswehr. Auch das Gesundheitsamt ist vertreten.

Zum Thema:

Auf einen Blick Schnelle Information ist im Krisenfall wichtig. Da ist zurzeit vieles im Fluss: Radio: Die Katastrophen-Helfer empfehlen, sich ein kleines, batteriebetriebenes Radio zu kaufen. Zurzeit noch UKW, in einigen Jahren auch DAB+. Auch das Autoradio eignet sich. Sirenen: Die Sirenen können nur noch bei Feueralarm warnen. Laut Michael Rech vom Amt für öffentliche Sicherheit wird aber landesweit vorbereitet, die Sirenen wieder für Katastrophenfälle in Gang zu setzen. Die Signale werden dann bekanntgegeben. Bis dahin: Bei unbekanntem Signal Radio einschalten. Moderne Sirenen sind eigentlich Lautsprecher, die den Sirenenton verbreiten. Sie könnten auch für Sprechdurchsagen genutzt werden. Telefon: An einer landesweiten Telefon-Info, die sehr viele Anrufer zugleich bedienen kann, wird derzeit gearbeitet. Apps: Zwei Handy-Anwendungen, Apps, informieren im Katastrophenfall: "Nina" (Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe ) und "Katwarn" (Projekt öffentlicher Versicherer in Deutschland). "Nina" wird künftig auch in einer regionalen Krisenlage im Saarland informieren. Bei "Katwarn" ist das bisher noch nicht entschieden. we