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Frauen in der Kommunalpolitik
Nicht mal ein Viertel der Räte ist weiblich

Heute ist es in Deutschland selbstverständlich, dass Frauen wie Männer bei den Wahlen ein Kreuz machen können. Vor 100 Jahren war das noch nicht so: Erst im November 1918 kam das Frauenwahlrecht.
Heute ist es in Deutschland selbstverständlich, dass Frauen wie Männer bei den Wahlen ein Kreuz machen können. Vor 100 Jahren war das noch nicht so: Erst im November 1918 kam das Frauenwahlrecht. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Kreis Saarlouis. In der Kommunalpolitik sind deutlich weniger Frauen als Männer aktiv. Der Saarwellinger Rat bildet das Schlusslicht beim Frauenanteil. Von Barbara Scherer

Nirgendwo im Kreis sitzen mehr Frauen in einem Stadt- oder Gemeinderat als in Dillingen. Von den 39 Mitgliedern sind 14 weiblich  – 35,9 Prozent. Der Kreis-Durchschnitt liegt bei 24,17 Prozent, bei den Schlusslichtern Wadgassen und Saarwellingen sind es gerade einmal 15,15 Prozent (siehe Info). Noch weit dahinter liegt aber der Kreistag Saarlouis: Dort sind lediglich vier der 33 Mitglieder weiblich.


Im Vergleich zu Zahlen von vor sieben Jahren ist der Durchschnitt gestiegen: Während 2011 rund 20 Prozent der Gemeinderäte mit Frauen besetzt waren, ist es aktuell knapp ein Viertel. „Der Landkreis Saarlouis hat sich in der Zeit von 2008 bis 2009 an einer Bundeskampagne zur Erhöhung des Frauenanteils in Kommunalparlamenten beteiligt“, erklärt Astrid Brettnacher, Frauenbeauftragte des Landkreises Saarlouis.

Doch warum ist es so, dass sich immer noch deutlich weniger Frauen als Männer in einem politischen Amt engagieren? „Hinderungsgründe für die Übernahme eines politischen Ehrenamtes können vielfältig sein“, sagt Brettnacher, „häufig sicherlich die Schwierigkeit, Beruf, Familie sowie Ehrenamt miteinander zu vereinbaren.“ Denkbar sei auch, ergänzt sie, „dass Informationen fehlen, was in der Kommunalpolitik an Aufgaben anfällt und wie interessant diese sind“.



Dass Frauen überhaupt politisch tätig werden können, verdanken sie einer Änderung vor rund 100 Jahren. Denn im November 1918 wurde für sie das Wahlrecht eingeführt. „Das Frauenwahlrecht einzufordern war damals das zentrale Thema des Internationalen Frauentages, den es seit 1911 gibt“, erläutert Brettnacher. Vor dem Hintergrund rückläufiger Wahlbeteiligung insgesamt findet sie es wichtig, „dass Frauen sich bewusst machen, welche Schwierigkeiten und Hindernisse die Frauenrechtlerinnen damals auf sich nahmen, um für uns das Wahlrecht zu erkämpfen“.

Wahlrecht ist nicht nur das aktive Wahlrecht, also ein Kreuzchen machen zu dürfen – sondern auch das passive, also gewählt werden zu können. „Das aktive und das passive Wahlrecht heute auszuüben bedeutet, bei wichtigen Entscheidungen, die auch bereits in der Kommunalpolitik getroffen werden, mitzuwirken und diese Entscheidungen nicht mehrheitsmäßig dem anderen Geschlecht zu überlassen“, betont Brettnacher und ergänzt: „Außerdem ist eine Tätigkeit in der Kommunalpolitik oft auch Sprungbrett für die Landes- und Bundespolitik oder ein Bürgermeisterinnenamt.“

Im Zuge der Kampagne zur Erhöhung des Frauenanteils habe es Untersuchungen gegeben, wie Frauen überhaupt zur Kommunalpolitik kommen, sagt sie. Diese „Untersuchungen ergaben, dass Frauen, die in der Kommunalpolitik tätig sind, vorher oft in einem Verband oder Verein bereits ehrenamtlich aktiv waren und aus dieser Tätigkeit heraus die Wichtigkeit kommunalpolitischen Handelns erkannt haben“. Also könne es eine gute Grundlage und „Vorstufe“ zur Erhöhung des Frauenanteils in Kommunalparlamenten sein, den Frauenanteil in Vereinen zu erhöhen, findet sie.

Die heute startende SZ-Serie, in der anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Frauenwahlrecht“ Frauen in der Kommunalpolitik aus dem Kreis vorgestellt werden, begrüßt Brettnacher. Die Serie sei „eine gute Möglichkeit, zu informieren“. Gleichzeitig werde „in der Bevölkerung ein Bewusstsein dafür geschaffen, dass eine ausgeglichene Präsenz von Frauen in der Kommunalpolitik wichtig ist“.