„Nicht aufgeben“

Er hat seine politische Karriere nicht geplant, er kennt Rückschläge, er bezeichnet das Stehen zu Überzeugungen als sein wichtigstes Prinzip: Heiko Maas, sozialdemokratischer Bundesjustizminister aus Saarlouis. Am Montag wird er 50.

Parteikonvent der SPD an diesem Montag, Thema Freihandelsabkommen mit Kanada, CETA, und zwar in Wolfsburg: Das wird der 50. Geburtstag von Heiko Maas , Bundesjustizminister , kein großer Empfang, bloß diese große Kulisse. Der große Bahnhof ist sein Ding nicht. Abends dann, sagte Maas im SZ-Redaktionsgespräch am Freitag, mit den Söhnen ein bisschen feiern, am Wochenende mit den Eltern. Maas hat eine Wohnung im elterlichen Haus in Elm, seit er das Haus in Saarlouis vermietet hat und Minister in Berlin ist.

Mit 50 darf man sich auch mal zur Zwischenbilanz drängen lassen. Im Gespräch tauchen immer wieder zwei Eckpunkte auf, die sich nur auf den ersten Blick zu widersprechen scheinen. Der eine: "Nicht aufgeben", sein wichtigstes Prinzip, das sich in seinem Leben bewährt habe. "Hinfallen und wieder aufstehen." Und: "Innere Überzeugungen haben und stehen bleiben."

Da war zum Beispiel ein langer persönlicher Klärungsprozess, der von der Erfahrung ausging, man erwarte von ihm, so zu sein wie Oskar Lafontaine , sein politischer Ziehvater. Und der endete mit der Einsicht, es nicht zu sein, "und auch nicht sein zu wollen, gleich, was Leute erwarten". 2005, nachdem der frühere Ministerpräsident des Saarlandes aus der SPD ausgetreten war, "war ich mit mir darüber im Klaren und gefestigt. Ich stand dazu - und blieb stehen." Geradlinigkeit, sagt Maas, und nennt als Beispiel den verstorbenen Saarlouiser SPD-Bundestagsabgeordneten Ottmar Schreiner .

Der andere Eckpunkt: "Es ist Unsinn zu sagen, eine politische Karriere sei planbar." Seine politischen Stationen seien ungeplant gewesen, von der ersten bis zur jetzigen. Jura hat Maas studiert."Ich dachte: Es sind die Richter, die bestimmen, wie es bei uns zugeht. Dann wurde mir klar: Man muss einen Schritt zurückgehen, dahin, wo die Gesetze gemacht werden. Das ist in der Politik." 1989 trat er in die SPD ein.

1992 wurde er Juso-Landeschef und kam "ungeplant" 1994 in den Landtag. 96 habe ihm Oskar Lafontaine (den er nie Oskar, immer Lafontaine nennt) eröffnet, ihn zum Staatssekretär im Umweltministerium zu machen. "Da war ich 30, das war ungeplant. Ich hatte keine Ahnung und habe gelernt, sofort Verantwortung zu übernehmen." Wieder zwei Jahre später, 1998, rückte er als Umweltminister nach. Der Grund lag im Unplanbaren: In der neuen Klimmt-Regierung "waren sonst alle Kabinettsmitglieder evangelisch", sie brauchten dringend einen Katholiken.

Nach dem Regierungswechsel 1999: Oppositionsführer. "Das war viel zu früh für mich. Das war etwas ganz anderes als Verwaltung." Vielleicht auch nicht das Richtige, weil man da auch mal ein "Schreihals" sein müsse, nicht seine Sache. In dieser Zeit fuhr Maas als Spitzenkandidat der SPD im Saarland nur 30,8 Prozent (2003) und 24,5 Prozent (2009) ein, 2012 waren es wieder 30,6 Prozent. Maas wurde nun Wirtschaftsminister und stellvertretender Ministerpräsident in der Großen Koalition.

Anfang 2013 habe ihm SPD-Parteichef Sigmar Gabriel signalisiert, dass er ihn in eine künftige (damals nicht absehbare) Regierung mit SPD-Beteiligung holen wolle, erinnert sich Maas: "Das war ein Hinweis. Aber ich habe ihn nicht ernst genommen." Ende 2013 aber kam der Anruf von Gabriel: "Du machst das jetzt." In weniger als einer Woche war entschieden: Maas geht als Justizminister nach Berlin. "Das war auch ungeplant."

Und nun steht der Wahlkampf bevor, die beiden Polit-Promis Heiko Maas (SPD ) und Kanzleramtschef Peter Altmaier (CDU ) kämpfen um das Direktmandat im Wahlkreis Saarlouis /Merzig-Wadern.

Aber was heißt kämpfen? Ein "harter Wahlkampf " soll das nicht werden zwischen den beiden, "eher einer mit Finesse" und Unterhaltungswert. Keine Schaukämpfe, darüber haben sie schon geredet. Die beiden Juristen kennen sich seit der Uni. Maas schätzt Altmaier. "Es wird klar werden, wofür wir stehen", und Maas lässt keinen Zweifel an Altmaiers politischen Qualitäten.

Worin liegt für Maas die Hauptaufgabe der Bundesregierung in der kommenden Legislaturperiode? "Darin, die zunehmenden Spaltungstendenzen in der Gesellschaft in den Griff zu kriegen. Das Klima ist derzeit auf Spaltung ausgelegt."

Und wo sieht sich Maas mit 60? Man ahnt es schon. "Habe ich nicht drüber nachgedacht." Es komme ja schließlich alles ungeplant.