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Neue Techniker braucht das Land

Saarlouis. Mit leidenschaftlichen Appellen an junge Leute, technische Berufe ins Auge zu fassen, ist am Donnerstag das Schülerforschungszentrum Saarlouis an der Gemeinschaftsschule in den Fliesen eröffnet worden. Die Wirtschaft spendete bislang 60 000 Euro für die Ausstattung. Johannes Werres

Das neue Schülerforschungszentrum ist zentral an der Gemeinschaftsschule in den Fliesen Saarlouis eingerichtet worden. Es dient dem Experimentieren und Lernen im technischen und naturwissenschaftlichen Bereich jenseits von Unterricht und Noten. Ausgerichtet ist es auf Kreisebene, es steht Schülern aller Schulen im Kreis offen, beginnend mit den Grundschulen. Das Schülerforschungszentrum Saarlouis besteht aus mehreren Laboren. Sie sind unterschiedlichen technischen Aspekten zugeordnet, etwa Materialwissenschaft oder Energie. Sie heißen SinnTec, EnerTec, RoboTec, sam und Gofex.

Benjamin Brück und Olaf Mußler (Max-Planck-Gymnasium), Uwe Burg (GS In den Fliesen) und Dominik Tince (Robert-Schuman-Gymnasium) haben Stundendeputate als Betreuer. Sie unterrichten aber nicht, sondern beantworten individuelle Fragen. In einem Workshop zum Beispiel lernen die jungen Leute, Platinen mit Lötkolben zu bearbeiten. Jeder bekommt ein Säckchen mit Einzelteilen. Ein kleiner, eigens für das Labor vorbereiteter Videofilm zeigt, wie es geht. Dem folgen die Teilnehmer, jeder in seiner eigenen Geschwindigkeit. Heraus kommt ein Zufallsgenerator, der auf Knopfdruck eine Zahl zwischen eins und sechs anzeigt. Geeignet zum Beispiel als Ersatz für den Würfel beim Mensch-ärgere-dich-nicht.

Es gibt außerdem freie Projekte, die Einzelne, Gruppen, Klassen oder Lehrer vorschlagen und umsetzen können. Anmelden kann man sich über die Internetseite.

"Das gibt es in Deutschland noch nicht sehr oft", sagte Landrat Patrik Lauer . Junge Leute sollen sich hier in ihren Begabungen ausprobieren, "denn nicht jeder geht darin auf, Schillers Glocke zu interpretieren." Das Land brauche junge Naturwissenschaftler und Techniker , "damit es weiter geht und der Wohlstand weiter erwirtschaftet wird."

Carsten Meier, IHK des Saarlandes und stellvertretender Vorsitzender des Fördervereins, unterstrich: Das Saarland braucht junge Menschen, die "nicht gleich die Augen verdrehen, wenn es um Mathe und Physik geht. Das ist echtes Expertenwissen, und das wird händeringend gesucht." Wer zum Beispiel Maschinenbau an der HTW studiere, müsse sich um seine Zukunft keine Sorgen machen. Oder um ihre: Denn jungen Frauen "bieten technische Berufe sehr gute Karriereperspektiven. Vor allem aber eine sehr gute Bezahlung", die Berufe wie Bürokauffrau oder Verkäuferin nicht bieten könnten. "Jeder von euch", sagte Meier den Schülern, "könnte die nächste technische Revolution auslösen."

Angeregt wurde das Saarlouiser Labor von Physiklehrer Benjamin Brück. Der hatte das Schülerlabor "SinnTec" an der Saar-Uni kennengelernt, dort geleitet von Professor Andreas Schütze. Brück störte bloß, dass es für Schüler außerhalb von Saarbrücken ziemlich aufwendig ist, das Labor zu besuchen. Also warb er für ein Zentrum in Saarlouis .

sfz-sls.de



Meinung:

Nachhaltige Investition

Von SZ-RedakteurJohannes Werres

Schülerforschungszentrum ist ein großes Wort. Was dahinter steht indes - da fragt man sich, warum es das nicht längst schon gibt. Sportlich veranlagte Jugendliche machen halt Sport im Verein. Und naturwissenschaftlich und technisch Interessierte, was machen die? Wer fördert die? Wer gibt denen die Chance zur Entdeckung, die noch gar nicht wissen, dass Lust an Zahlen und Konstruktion, an Technik und Physik in ihnen schlummert? Das kann so ein - im übrigen ziemlich schickes - kleines Zentrum leisten. Wer diese Labore fördert, ob Landkreis, IHK oder Wirtschaft, hat eines begriffen: Hier liegen Pflicht und Chance, der persönlichen Entwicklung junger Leute und zugleich einer immer noch industriell geprägten Region Wege in eine gemeinsame Zukunft zu bahnen. Das ist wirklich vorausschauend - oder anders gesagt: nachhaltig.

Zum Thema:

HintergrundDas Schülerlabor in Saarlouis ist schul- und trägerübergreifend, deswegen nicht leicht zu organisieren, und es ist nicht billig. Der Kreis hätte es nicht stemmen können, sagte Landrat Patrik Lauer . Dafür gibt es einen Förderverein, den Professor Andreas Schütze und Dr. Christian Meier als Vorsitzender und Stellvertreter leiten. Der Verein ist der Treibriemen und die Verbindung zur regionalen Wirtschaft. Wichtige regionale Unternehmen und deren Stiftungen haben bislang 60 000 Euro für das Labor gespendet. Lauer nannte als größten Spender die Peter-und-Louise-Hager-Stiftung, die VSE-Stiftung, die IHK, die ME Saar, Möbel Martin und Möbel Müller. Weitere Unterstützer und Bildungspaten werden gesucht. Kooperationspartner sind weiter der Landkreis, die Universität des Saarlandes , das Bildungsministerium sowie der Saarländische Schülerlaborverband. we