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Netzwerker für Gott und die Autos

Netzwerker für Gott und die Autos

Bis nach Belgien reicht der Bezirk, für den der neuapostolische Bischof Pascal Strobel zuständig ist. Beruflich knüpft der 42-jährige Saarlouiser Netzwerke für die saarländische Autoindustrie. Mit Strobel beginnt eine SZ-Reihe mit Portraits bekannter und kaum bekannter, aber immer ungewöhnlich interessanter Menschen.

Als in der ersten Jahreshälfte der Stadtrat überraschend der Neuapostolischen Kirche das seit Jahren auf Grün gestellte Signal zum Neubau eines Kirchleins am Saarlouiser Ludwigskreisel auf Rot stellte, da vertrat einer die Position dieser Kirche, der durch Ruhe und Eloquenz auffiel: Pascal Strobel. "Das ist der Bischof von denen", so raunte es im Rat. Gekannt hatte ihn kaum einer.

Der Bischof? Denselben Dr. Pascal Strobel, 42, trifft man auch alle zwei Jahre bei der Internationalen Automobilausstellung IAA in Frankfurt. Er organisiert dort den Auftritt von Autoindustrie und Zulieferern aus dem Saarland, 13 Firmen, und inzwischen auch den von Luxemburg mit vier Firmen. Denn Strobel ist Chef der Netzwerker der automotive.saarland, präzise: der Cluster-Manager. Seine Aufgabe: Weltweit zusammenführen, was aus der Perspektive der saarländischen Auto-Industrie mit ihren rund 46 000 Beschäftigten zusammenpasst. Ein Motor der Autoindustrie an der Saar.

Pascal Strobel sitzt im neuapostolischen Kirchlein in Wallerfangen, einer früheren Synagoge, und klimpert herum. Auf der Orgel, auf dem Klavier gegenüber, spielen kann er beides, und erzählt von seinem Weg: vom Mittleren Bildungsabschluss der Realschule in den Fliesen in Saarlouis zu Promotion, Bischof und Chef-Netzwerker. Der Schule folgten Fachoberschule, eine Lehre als Elektromaschinenbauer, das Fachabi, ein Studium an der HTW in Saarbrücken und Metz. Ein deutsch-französisches Studium, es folgte eine weitere Etappe in Mulhouse und Straßburg. "Das war genial, das würde ich wieder so machen." Er arbeitete im Saarland als Ingenieur und baute Anlagen.

2001 nahm er das Angebot einer Professorin in Metz zur Promotion an. Die Doktorarbeit auf Französisch beschreibt ein lernfähiges Gerät, das den menschlichen Geruchssinn imitiert. Das dauerte lang, Strobel würde das heute nicht noch mal machen, sagt er. Dann kam automotive.saarland.

Ein rasanter Weg mit zwei Spuren, denn sein kirchlicher Weg hielt Schritt. Großeltern und Eltern gehörten schon der Neuapostolischen Kirche an. Sohn Pascal blieb dabei, seine Ehefrau und seine drei Kinder sind ebenfalls Mitglieder. Schon mit 19 wurde er gefragt, ob er Diakon werden wolle. Wenig später wurde er als Priester ordiniert, 2004 gefragt, ob er Gemeindevorsteher in Wallerfangen werden, 2007, ob er "Bezirksevangelist" werden wolle. "Man bewirbt sich nicht. Man wird gefragt."

2009, mit 35, wurde er wieder gefragt, diesmal, ob er Bischof werden wolle. "Gefragt", sagt er, "wird auch die Ehefrau. Aus meiner Sicht hätte es Erfahrenere gegeben. Aber ich hatte Vertrauen in die, die diese Frage gestellt haben, und ich habe die Überzeugung, dass es nicht allein ihre Stimme ist, sondern dass Gott die Dinge lenkt."

Bischofsinsignien wie das Brustkreuz oder eine Mitra gibt es bei dieser Kirche nicht. Wie andere neuapostolische Amtsträger ist Strobel kein studierter Theologe. "Jesus hat auch Menschen aus dem Volk berufen." Und seine Kirche zahlt ihm nur einen Tag in der Woche. "Ich sehe im Laufe eines Jahres jede Gemeinde wenigstens einmal. Das sind 40 Gemeinden mit rund 7200 Mitgliedern in den Regionen Saar-Pfalz, Luxemburg und dem belgischen Wallonien."

So viele Talente erfolgreich zu nutzen, geht nur, sagt der Bischof, "wenn ich immer wieder Prioritäten setze". Und: "Ich habe eine dankbare Grundeinstellung. Es zählt nicht, was ich nicht habe, sondern was ich haben darf."

Pascal Strobel berichtet davon in der Sakristei in seiner Wallerfanger Kirche. Liturgisches Gerät, Priestergewänder gibt es hier nicht. Bloß ein Tischchen mit einer Flasche Wasser drauf, ein Waschbecken, Stühle.

Es ist der Ort, an dem sich ein neuapostolischer Priester sammelt, sich auf den Heiligen Geist besinnt, denn der spielt eine große Rolle im Glauben und in der Predigt, die immer frei gehalten wird. Die Predigt rückt oft die Wiederkehr Christi in den Blickpunkt, an die zwar alle christlichen Konfessionen glauben, ohne sie, heute jedenfalls, allzu stark als Glaubenssatz zu betonen.

"Der Gedanke macht mich unabhängiger im Alltag", sagt Strobel, "Meine Aufgabenstellung ist eine andere vor dem Hintergrund der freudigen Erwartung, dass sich dieses wunderbare Ereignis einmal erfüllen wird."Ganz oben in der Neuapostolischen Kirche steht der Stammapostel, der neuapostolische "Papst". Ihm arbeiten die Bezirksapostel (Kirchenpräsidenten) zu, ihnen wiederum Apostel . Dem Apostel Clément Haeck aus Luxemburg sind zwei Bischöfe zugeordnet: einer für die Rhein-Pfalz und Trier und eben Pascal Strobel für Saar-Pfalz, Luxemburg und Wallonien in Belgien.

Die Neuapostolische Kirche ist eine anerkannte Religionsgemeinschaft, die in Deutschland Steuern erheben darf - worauf sie aber verzichtet. Nach eigenen Angaben hat die Kirche weltweit zehn Millionen Mitglieder, in Deutschland 350 000.