Nachfahre ist Scharfrichtern auf der Spur

Nachfahre ist Scharfrichtern auf der Spur

Könige, Feldherren und Bischöfe prägen die Geschichte. Die Namen des gewöhnlichen Volkes fanden erst spät Beachtung. Deren Geschichte aber stand am Sonntag beim Genealogentag im Landratsamt Saarlouis im Vordergrund.

"Zuerst war ich ein bisschen schockiert", gestand Tun Jacoby aus Luxemburg. Denn seine Ahnenreihe ist voll mit Scharfrichtern. Am Sonntag bereicherte er als einer von 25 Vereinen und Familienforschern den Genealogentag der Vereinigung für die Heimatkunde im Landkreis Saarlouis .

"Der Älteste geht zurück bis 1540", berichtete Jacoby aus seiner Ahnenreihe. "So eine Hinrichtung war früher wie ein Dorffest. Die Menschen hatten eine ganz andere Beziehung zum Tod, wenn beispielsweise von zehn Kindern acht starben." Scharfrichter handelten auf Anweisung, waren aber verachtet und konnten keinen ehrenwerten Beruf ausüben. Nebenverdienst waren unter anderen Hundefänger und das Beseitigen toter Tiere.

"Sie finden Scharfrichterfamilien wie Back, Dillenburg und Schwindt weit verbreitet", wusste Jacoby. Denn während in Dörfern oft innerhalb der engeren Verwandtschaft geheiratet wurde, suchten sich Schafrichter die Ehepartner über große Distanzen hinweg. Alleine die Familie Back sei über einen Zeitraum von 400 Jahren mit etwa 13 000 Nachkommen in Mitteleuropa verbreitet. Einmal im Jahr gebe es auch ein Treffen von Nachfahren aus Scharfrichterfamilien. Nach der Hexenverfolgung hätten Scharfrichter nicht mehr so viel Geld verdient. Als lukratives Tätigkeitsfeld entdeckten sie die Kanalisation. "Der Inhalt wurde mit Stroh vermischt und als Dünger teuer verkauft."

Ein Flohmarkt mit heimat- und familienkundlichen Büchern fand im Foyer vor dem Großen Sitzungssaal statt. Dort bot auch die Vereinigung für Heimatkunde ihre Publikationen an. Darunter Einwohnerbücher von allen Orten im Landkreis. "Eine Million sind das mit Sicherheit", sagte der zweite Vorsitzende der Vereinigung, Hans Peter Klauck, zum Umfang der dokumentierten Personen. Neu vorgestellt wurden Einwohnerbücher zu Schwarzenholz, Hülzweiler sowie in einem Buch zu Weiskirchen, Weierweiler und Thailen. Von Köln kam Gabi Drop, Vorstandsmitglied der Arbeitsgemeinschaft Ostdeutscher Familienforscher. Rund 78 000 Namen seien bisher erfasst. Beispiele zum Raum Saarlouis lägen noch nicht vor, "aber mit der preußischen Herrschaft kamen sicher auch Verwaltungsleute aus dem Osten hierher".

Auf Scharfrichter geht die Ahnenlinie von Tun Jacoby aus Luxemburg zurück, der dieses Thema zu einem interessanten Hobby gemacht hat.
Tische voller Einwohnerbücher und Datenbanken mit tausenden von Namen im Computer, damit boten rund 25 Familienforscher-Vereine im Landratsamt neue Hinweise für die Ahnenforschung.

Auf einen wenig bekannten Nutzen der Ahnenforschung wies Bernhard Uwer aus St. Ingbert hin. "Ich habe sechseinhalb Millionen Saarländer in meiner Datenbank", sagte der Herausgeber der Saar-Pfalz-Bücher. Auf dieser Grundlage fand er im Falle einer Leukämieerkrankung den passenden Spender im Geflecht der Verwandtschaftsbeziehungen.

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