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Nach der Corona-Pause sind viele kleine Läden in Saarlouis wieder offen

Kostenpflichtiger Inhalt: Pandemie : Hereinspaziert – Kleine Läden in Saarlouis wieder offen

Nach langer Zwangspause wegen der Corona-Pandemie durften an diesem Montag viele kleine Geschäfte in Saarlouis wieder öffnen. Die SZ hat sich umgehört.

„Die letzten Wochen waren sehr langweilig. Ich habe viel auf dem Handy gespielt. Jetzt kann ich endlich wieder lesen“, sagt ein 13-jähriger Schüler und zeigt voller Stolz sein Fantasy-Buch. Ausgesucht hat er es gemeinsam mit seiner Mutter und zwar direkt im Buchladen. Denn trotz anhaltender Corona-Krise macht die Politik vorsichtige Zugeständnisse an die Einzelhändler. Seit Montag dürfen Geschäfte mit einer Ladenfläche von weniger als 800 Quadratmeter wieder für Kunden öffnen.

Der Buchladen Bock & Seip in Saarlouis ist eines der Geschäfte, die nach mehr als einmonatiger Zwangspause nun wieder offen sind. Gleich im Eingangsbereich grüßt ein lächelndes Gesicht auf einem Hinweisschild mit Hygieneregeln die Kunden: „Nehmen Sie eine Klammer. Halten Sie die Laufrichtung ein.“ Ausstaffiert mit Einkaufskorb, lila Wäscheklammer – damit die Maximalzahl an Kunden im Laden nicht überschritten wird, dürfen nur so viele Kunden den Laden betreten, wie noch Klammern im Körbchen sind – und orientiert an den aufgeklebten roten Richtungspfeilen steht dem Bucheinkauf nichts mehr entgegen.

Dörte Heinrich, Geschäftsführerin der Bock und Seip Filialen, im Geschäft in Saarlouis. Richtungspfeile auf dem Boden zeigen Kunden die Laufrichtung, um sie möglichst kontaktlos durch die Filiale zu leiten. Foto: Markus Renz

„Ich bin erleichtert, euphorisch und auch ein bisschen aufgeregt“, fasst Dörte Heinrich ihre Gefühle am ersten Verkaufstag nach der über einmonatigen Pause zusammen. „Die Normalität und das persönliche Gespräch mit den Kunden haben mir gefehlt“, meint die Geschäftsführerin der Bock & Seip Filialen. „Heute waren schon einige Kunden da“, sagt Heinrich.

Hinweisschild mit Hygieneregeln in der Bock und Seip Filiale Saarlouis. Foto: Markus Renz

Marelise Stürmer ist nach eigener Einschätzung Stammkundin und besucht seit mehr als zehn Jahren die Saarlouiser Filiale. „Ich habe es vermisst, einkaufen zu gehen“, gesteht sie und wirft einen prüfenden Blick auf die Zeitschriftenauslage. Die ist an diesem Montag noch sehr übersichtlich mit Platz für neue Ausgaben. Die Buchverkaufsregale sind hingegen angefüllt und locken Leserinnen wie Louisa Speicher: „Ich habe die Chance genutzt, um zu sehen, was es Neues gibt. An Büchern hatte ich wochenlang nämlich nur das, was schon zu Hause war.“

Oliver Rhein von Rhein-Design in Saarlouis hat einen mobilen Plastikschutz gebaut, um bei Kunden Maßnehmen zu können. Foto: Markus Renz

Während manchem Kunden nur der Lesestoff ausging, bedeutet die Corona-Zwangspause für viele Geschäftsinhaber vor allem den wochenlangen Ausfall von Einnahmen. „Der Großteil des Umsatzes ist weggebrochen“, sagt Oliver Rhein von Rhein-Design in Saarlouis. Das Geschäft für Luxus Mode hat laut Rhein in der Zwangspause Masken produziert, rund 200 in der Woche. Jetzt empfängt Rhein wieder Kundschaft im Laden.

"Wir sind da" steht in schwarzen Lettern im Schaufenster von Haushaltswaren Paul Leinen in Saarlouis. Nach langem Stillstand wegen Corona sind seit Montag die Türen vieler Läden in Saarlouis wieder für Kunden offen. Foto: Markus Renz

Auch im Saarlouiser Haushaltswarengeschäft Paul Leinen haben die vergangenen Wochen Spuren hinterlassen. „Es war schwer und es ist schwer. Wir haben Kurzarbeit angemeldet“, sagt die Angestellte Nadine Kollmann und meint: „Ich bin froh, dass ich jetzt wieder schaffen kann.“ Kollmann kann sich jetzt wieder vor Ort um Kundinnen wie Tanja Mischler kümmern. Die 52-Jährige ist glücklich darüber, dass das Haushaltswarengeschäft wieder geöffnet ist: „Ich kaufe wenig online und lieber vor Ort.“

In Schutzhandschuhen desinfiziert Beatrix Daub-Marlavicino, Geschäftsmanagerin bei bonita in Saarlouis, den Kassentresen. Foto: Markus Renz

Beatrix Daub-Marlavicino ist Geschäftsmanagerin bei Bonita in Saarlouis und trägt an ihrem ersten Arbeitstag nach der Zwangspause eine Schutzmaske. „Ich gehöre zur Risikogruppe und möchte mich schützen“, erklärt sie. Den Kundenkontakt möchte sie dennoch nicht missen. „Ich bin froh wieder hier zu sein. Wir hatten über vier Wochen zu. Jetzt geht es weiter, nur die Kunden wollen noch nicht so recht“, meint die 53-Jährige und ergänzt: „Ich denke, das wird sich mit der Zeit wieder einspielen.“ Daub-Marlavicino ist bereits seit 31 Jahren bei der Boutique. Etwas ähnlich Einschneidendes wie die Pandemie hat sie während ihrer gesamten Karriere nicht erlebt.

Petra Gindorf-Portz vom Schmuckladen Gecko in Saarlouis desinfiziert die Sicherheitsvorrichtung aus Plastik. Kunden bietet Ginsdorf-Portz gebastelte Einwegmasken für den Ladenaufenthalt an. Foto: Markus Renz

Petra Gindorf-Portz vom Saarlouiser Schmuckladen Gecko empfindet ebenso: „Eine so schwere Zeit habe ich in den 30 Jahren, die ich den Laden hier habe, noch nicht erlebt.“ Gindorf-Portz hat einen kleinen Karton mit selbst gebastelten Einmalmasken, die sie an Kunden während ihres Ladenaufenthalts verteilen kann. Spukschutz und Desinfektionsmittel sind bei ihr unverzichtbar: „Ich wünschte in allen Läden würden hohe Sicherheitsstandards eingehalten. Manche Geschäfte haben aber nicht einmal einen Schutz an der Kasse“, sagt Gindorf-Portz.

"Ab Montag, 20.04. dürfen wir wieder öffnen" steht auf einem Aushang im Schaufenster vom Schmuckladen Gecko in Saarlouis. Für viele Saarlouiser Einzelhändler hat die lange Zeit mit wenig oder keinem Umsatz nun vorerst ein Ende. Foto: Markus Renz

Finanziell ist sie froh, dass ihr Schmuckladen wieder geöffnet ist. Trotzdem: „Es ist zu früh, die Geschäfte bereits jetzt zu öffnen. Das Virus könnte wieder die Oberhand gewinnen“, meint Gindorf-Portz nachdenklich und fügt an: „Ich bin gespannt wie die Zukunft aussieht. Werden die kleinen Geschäfte überleben können?“

Bernd Philippi ist, was die Zukunft angeht, optimistisch: „Wir hatten schon acht Kunden heute Morgen im Laden. Sneaker-Fetischisten wollen eben anprobieren. Das geht online nun mal nicht“, meint Philippi, Geschäftsführer von Chamäleon Schuhe in Saarlouis. Doch eine Wiederholung der Durststrecke ohne Einnahmen würde das Geschäft nicht verkraften. „Dann ginge es trotz staatlicher Hilfe ans Eingemachte. Hoffen wir, dass das nicht passiert“, wünscht der 61-Jährige allen Pandemie-Betroffenen und sich.