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Nach 40 Jahren „ist es mal gut“

Nach 40 Jahren „ist es mal gut“

Die Gemeinde Rehlingen-Siersburg gibt es seit 1974. Genauso lange sitzt der Politiker, Unternehmer und Macher Leo Petry für die SPD im Gemeinderat. Zur Kommunalwahl am 25. Mai tritt der Gerlfanger nicht mehr an. Aber von Ruhestand keine Spur.

Leo Petry ist Langstreckenläufer. Er selbst drückt es so aus: "Ich bin ein Vertreter der Nachhaltigkeit." So liest sich auch seine Vita. Er war 20 Jahre VSE-Chef, fast 30 Jahre Ortsvorsteher von Gerlfangen, ist 45 Jahre verheiratet ("mit derselben Frau") und seit 40 Jahren im Gemeinderat Rehlingen-Siersburg.

Diese Ära geht mit der Kommunalwahl am 25. Mai zu Ende. Der namhafte Sozialdemokrat tritt nach vier Jahrzehnten im Siersburger Rathaussaal nicht mehr an. "Ich habe viel Spaß und Glück gehabt. Der Anfang war schwer, dann hat es gefluppt. Jetzt ist es auch mal gut." Er wolle Platz machen für die Jungen. Doch Ruhestand ist seine Sache nicht. Engagiert und heimatverbunden war der 65-Jährige stets.

Es herrschte Krisenstimmung, als der Rat der Gemeinde Rehlingen-Siersburg 1974 erstmals zusammentrat. Petry war 26 und Fraktionschef. "Es war eine schwere Geburt", erinnert sich der längstgediente Ratsherr der Gemeinde. Die landespolitisch verordnete Zusammenlegung von Rehlingen und Siersburg in der Gebietsreform galt vielen als Zumutung. Unter den 33 Räten ging es oft rau zu. "Die Stimmung ist heute ganz anders", sagt Petry. Man arbeite "sach- und ergebnisorientiert zusammen".

Die Bilanz nach 40 Jahren Ratspolitik ist positiv: "Erstens sind wir finanziell eine der solidesten Gemeinden im Saarland." Zudem ökologisch, kulturell und unternehmerisch gut aufgestellt, "lebens- und liebenswert". Die regionale Wertschöpfung ist dem Ökonom Petry immer Herzensangelegenheit gewesen. Als "Saarland-Überzeugungstäter" erteilt er daher den aktuellen Rufen nach einer neuen Gebietsreform eine Absage. "Eine Fusion kann immer nur der letzte Schritt sein. Sie zu fordern ist nicht vom Ende her gedacht." Es bringe nichts, "zwei kranke Gemeinden einfach zusammenzulegen". Eine gut durchdachte Kooperation sei besser als eine übereilte Fusion. Petry wählt klare Worte. "Die Politik muss sich mehr Mühe geben und mehr miteinander reden."

Die große Politik hat Petry, der viele Ämter hatte und seit fast 50 Jahren SPDler ist, hinter sich. Aber in Gerlfangen bleibt er aktiv. "Für den Ortsrat kandidiere ich wieder." Als Chef des Bürgervereins "Miteinander Füreinander" will er seine Vision von lebendigen Dörfern weitertragen. Eine "Arbeitsgemeinschaft Dorfentwicklung" zwischen Biringen, Fürweiler, Gerlfangen und Oberesch soll entstehen. "Was in Gerlfangen möglich ist, geht auch anderswo", sagt Petry, der den Ort prägte. Sein Bürgerverein stellte das Mehrgenerationenprojekt Dorfhaus auf die Beine. Für seine Lebendigkeit bekam der 700-Seelen-Ort 2012 Gold beim Landeswettbewerb "Unser Dorf hat Zukunft".

Petry hat weitere Projekte im Köcher, bleibt unternehmerisch. "Ruhestand heißt doch nicht, dass man nichts mehr macht". Er wird auch weiter Zigarillos rauchen ("dann ärgern sich manche Leute wieder"), Schnaps brennen und unterwegs sein. Aber der Langstreckenläufer kommt immer nach Gerlfangen zurück. "Hier ist meine Heimat", sagt der zweifache Opa, der mit seiner Frau auch oft bei der Familie in Saarbrücken lebt. Aber: "Wenn ich den Berg hier hoch fahre, bin ich im Urlaub." Und Zuhause.

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Zur PersonLeo Petry, Jahrgang 1948, ist gebürtiger Siersburger. 1965 trat der studierte Ökonom in die SPD ein. In den 70ern war er Chef der Kreis-SPD Saarlouis, saß bis 1992 zwölf Jahre im Landtag. Dann wechselte er zum Energieversorger VSE, an dessen Spitze er bis 2011 stand. Im gleichen Jahr gab er nach 27 Jahren das Amt des Ortsvorstehers von Gerlfangen auf, saß 40 Jahre im Gemeinderat Rehlingen-Siersburg. Petry war Honorar-Professor an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes (HTW) und sitzt in zahlreichen Gremien wie im Aufsichtsrat des 1. FCS. kes