Mut-Tour machte Station in Wadgassen:

Mut-Tour : Depression ist kein Stigma

Im Rahmen der Aktion „Mut-Tour“ 2019 wollen Betroffene auf Depressionskrankheiten in der Gesellschaft aufmerksam machen.

Müde, lustlos, ohne Hoffnung, und in schlimmen Fällen kein Interesse mehr am Leben. Für viele Menschen ist dies ein Dauerzustand, der Existenz und Überleben bedroht. Ein möglicher Grund dafür kann eine Depression sein. „Wir wollen darauf aufmerksam machen, dass das keine Frage der Stimmung mehr ist“, sagte am Samstagvormittag Gisela Dorfschmidt.

Sie ist Teilnehmerin der Aktion „Mut-Tour“. Die legte am Marienbrunnen einen Zwischenstopp ein, mit sechs Personen und drei Tandems. Diese Tour startete am 14. Juni in Fulda. Mit einem Team, das den nördlichen Teil Deutschlands durchfährt, und einem das von Süd und Südwest nach Trier rollt. Letzteres Team hatte am Freitag im Gemeindehaus Wadgassen übernachtet und war am Samstagmorgen entlang der Saar nach Saarlouis gefahren.

Mit dabei sind unter anderen Menschen, die selbst depressiv sind oder mit Betroffenen zu tun haben. Für einen offeneren Umgang mit Depression sind sie im Einsatz. „Dass das kein Stigma ist“, sagte Dorfschmied. Denn vielfach werde über die Belastungen für Betroffene und Angehörige kaum geredet. Andererseits schätze die Weltgesundheitsorganisation, WHO, 2017 die Zahl der depressiv Erkrankten in Deutschland auf 4,1 Millionen Menschen.

„Es muss nicht immer eine einzige Ursache sein“, sagte Naomi Sommer. Auslöser könnten Stress sein, ein Trauma oder auch Ernährung. Wichtig sei, darauf hinzuweisen, „dass man sich behandeln lassen kann, und dass man damit leben kann“. Sommer kennt Depression aus eigener Erfahrung. „Ich hab‘s nicht kommen seh‘n“, erzählte sie. Durch die Ausbildung habe sie sich gequält, dauerhaft mit Angst und Panik. „Es war schon schwierig, sich immer wieder aufzuraffen. Aber es macht so müde, es strengt so an.“

Und nach der Ausbildung war erst einmal die Luft raus. Auch für das Umfeld sei es schwierig, verdeutlichte Dorfschmidt. Dann heiße es oftmals: Reiß dich zusammen! Doch „diese Ratschläge sind ja eher Schläge“.

„Ganz viel reden hilft“, sagte Sommer. „Oder einfach nur für jemanden da sein und damit zeigen, dass er nicht allein ist.“ Als ein Auf und Ab bezeichnete sie die wechselnden Stimmungslagen. Und immer wieder das Gefühl „ich funktioniere nicht“. „Es ist wichtig, möglichst früh anzusetzen“, empfahl Sommer. Nach entsprechenden Behandlungen seien ihre Tiefs nicht komplett verschwunden, „aber ich komme schneller wieder raus, als früher“.

Gut gelaunt setzten die Sechs ihre Mut-Tour Richtung Merzig fort. Eine Übernachtung war in Mettlach vorgesehen. Dort wartete jedoch kein vorbestelltes Zimmer auf das Team. „Wir kümmern uns selbst darum“, sagte Annika Schulz. Das werde dann auch mal ein Garten hinterm Haus netter Menschen. Die Mut-Tour findet seit 2012 statt. Trägerverein ist die Deutsche DepressionsLiga, DDL. Weitere Informationen finden sich im Internet unter https://www.mut-tour.de.

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