| 21:17 Uhr

Pfarrheim
Muss die Pfarrei Platz machen?

Das Pfarr- und Jugendheim an der Hauptstraße in Beaumarais. Die Stadt will den Platz davor als Dorfplatz gestalten, wenn die Kirche die Immobilie verkauft. Das soll ein Bebauungsplan festlegen.
Das Pfarr- und Jugendheim an der Hauptstraße in Beaumarais. Die Stadt will den Platz davor als Dorfplatz gestalten, wenn die Kirche die Immobilie verkauft. Das soll ein Bebauungsplan festlegen. FOTO: Johannes A. Bodwing
Saarlouis. Die Stadt Saarlouis will einen Dorfplatz für Beaumarais schaffen. Das entwertet ein kirchliches Grundstück, befürchtet die Pfarrei.Sie braucht das Geld aus dem Verkauf.

Zwischen Stadt Saarlouis und katholischer Kirche bahnt sich ein Streit um den Platz vor dem Jugendheim in Beaumarais an, obwohl beide Seiten darauf bestehen, die Meinungsverschiedenheit einvernehmlich und im Dialog auszuräumen. Die Pfarrei St. Peter und Paul verkauft ihr Grundstück gegenüber der Kirche, auf dem ein Pfarr- und Jugendheim sowie ein Pfarrhaus stehen.


Das Grundstück an der Hauptstraße in Beaumarais ist etwa 6200 Quadratmeter groß, davon laut Pfarrer Frank Kleinjohann etwa die Hälfte bebaubar, falls die beiden bestehenden Gebäude abgerissen würden. Zur bebaubaren Fläche ist dabei auch der gepflasterte Vorplatz gezählt.

Um diesen Platz geht es. Sowohl die Stadtverwaltung als auch die Ratsfraktionen von CDU, Grünen und SPD wollen den Platz erhalten und als Dorfplatz gestalten. Den Platz gebe es seit wenigstens 150 Jahren schon, sagte gestern der Sprecher der Stadt, Sascha Schmidt.

Sofort nach Bekanntgabe der Verkaufsabsicht im Pfarrbrief Mitte Dezember setzten sich die drei Fraktionen gemeinsam mit dem Pfarrer und dem Pfarrverwaltungsrat zusammen. Ziel: Die Stadt will den Platz kaufen und zum Dorfplatz machen. Um für diese Absicht ein Werkzeug zu haben, soll die Stadtverwaltung einen Bebauungsplan vorlegen, regen Verwaltung ebenso wie Fraktionen an.

CDU-Fraktionschef Raphael Schäfer: „Wir sind uns alle einig, dass Beaumarais einen solchen Mittelpunkt braucht. Wir wollen, dass die Stadt hier wie bei jeder anderen vergleichbaren Fläche das Heft des Handelns behält. Was das konkret heißt, wollen wir in einem offenen Prozess gemeinsam klären, bevor wir einen Bebauungsplan beschließen. Das ist unser Signal an die Kirche.“



Grünen-Fraktionschef Gabriel Mahren: „Wir wissen, dass es Probleme geben wird. Deswegen bieten wir der Kirche an, in einem moderierten Prozess solche Probleme im Vorfeld mit allen Beteiligten auszuräumen. Darum sind wir auf die Kirche zugegangen.“

Es stellte sich zur Verblüffung der Pfarrei schnell heraus, was SPD-Fraktionschef Hakan Gündüz knapp so formuliert: „Der Dorfplatz ist nicht verhandelbar. Vereinsräume wären ein Wunsch.“ Die Stadtverwaltung hat einen Entwurf für einen Bebauungsplan umgesetzt. Der wird auf Antrag der drei Fraktionen  schon am 7. März im Ausschuss für Stadtplanung beraten.

Die Pfarrei ist konsterniert. Sie kann das Verfahren nicht in Einklang bringen mit der Ankündigung, die Dinge im Dialog zu regeln. „Wir haben kein Problem mit einem Bebauungsplan, der ist das gute Recht der Stadt“, sagt Pfarrer Kleinjohann. Die Pfarrei habe der Stadt angeboten, ein Wort bei der Auswahl des Investors mitzureden, ebenso bei der Erstellung von Vereins- und Gruppenräumen zusammenzuarbeiten. Statt dessen bestehe die Stadt auf diesem Dorfplatz.

Kleinjohann und der Verwaltungsrat befürchten, dass der Verkaufspreis für das Grundstück massiv sinkt, wenn der Platz aus dem Grundstück ausgeschnitten wird. Kleinjohann: „80 Prozent der Investoren würden da gleich ganz abwinken.“ Weniger Erlös – „das würde unser eigenes Immobilienkonzept gefährden.“ Das Konzept besagt: Die Pfarrei bezahlt vom Kaufpreis einen Teil der Sanierung der gegenüberliegenden Kirche, verkleinert den Gottesdienstraum (bisher Platz für 400 Besucher) und schafft so Gruppenräume „für alle Beaumaraiser Bürger“. Das Bistum würde 60 Prozent der Kosten finanzieren.

„Wir geben die Idee des Zentrums also nicht auf, sondern ziehen auf die andere Straßenseite“, umschreibt Kleinjohann.

Da könnte der Platz doch mit umziehen, sagt Klaudia Winter-Müller, Mitglied des Verwaltungsrates. Hinter der Kirche sei Platz genug. Das kann sich auch Kleinjohann vorstellen. Allerdings, sagt Christoph Adam vom Verwaltungsrat, „das Gelände herzurichten kostet natürlich Geld.“

Das Jugendheim-Grundstück könnte so attraktiv bleiben für einen Investor, hofft der Verwaltungsrat. Pascal Fontaine, Mitglied dieses Rates: „Wir wollen vermeiden, dass dort nur hochpreisiger Wohnraum machbar wird.“ Kleinjohann: „Da wäre uns ein soziales Projekt sehr, sehr wichtig.“ Daran aber sei nicht zu denken, wenn der Platz öffentlich „und dadurch der Bau einer Tiefgarage notwendig würde.“

Der Entwurf der Stadtplaner teilt das Gelände in fünf Zonen auf: den Platz, eine Wiese, die im Falle von Wohnbebauung ein Bewohnerspielplatz würde, den unbebaubaren Wald am hinteren Ende des Grundstücks und zwei Zonen für je ein neues Gebäude. Das entspricht etwa den jetzigen beiden Gebäuden „Konkrete Festlegungen“ gibt es laut CDU-Fraktionschef Schäfer aber noch nicht. Auch nicht, ob die ganze Platzfläche benötigt würde. Ganz offen ist, was auf dem Gelände gebaut werden könnte.

Dass der B-Plan den Kaufpreis beeinflusst, bestätigt indirekt die Stadt: Der-Plan sei auch eine Richtschnur für einen Investor. Er sehe, wie er das Gelände nutzen und was er letztlich dafür zahlen könne, sagt Stadtsprecher Schmidt. CDU, Grüne und SPD sowie die Stadtverwaltung wollen den Plan auf jeden Fall nicht nur schnell, sondern einvernehmlich regeln.

Im Dezember-Pfarrbrief hatte Pfarrer Frank Kleinjohann den Verkauf angekündigt. Einmal fehle der Pfarrei das Geld, um die 60 Jahre alte Immobilie zu sanieren. Zum anderen seien die Katholiken nach der jüngsten Bistumssynode „angehalten, zusammenzurücken“. Es brauche kreative Konzepte, wie Räume überpfarrlich genutzt werden könnten. Denn angesichts der schrumpfenden Zahl von Katholiken passten die alten Konzepte nicht mehr.

Die Kirche hat in Saarlouis zuvor schon die beiden Pfarrhäuser in Fraulautern und das Pfarrheim St. Ludwig in Saarlouis verkauft. Entwidmet wurde die Kirche Christkönig am Bahnhof.

Von der Straße nicht einsehbar: Das frühere Pfarrhaus hinter dem Jugendheim. Es grenzt an ein Waldstück.
Von der Straße nicht einsehbar: Das frühere Pfarrhaus hinter dem Jugendheim. Es grenzt an ein Waldstück. FOTO: Johannes A. Bodwing