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„Musik lebt ja vom Nichtperfekten“

Lisa Marie Saterdag, 19, (links) hat bei „Jugend musiziert“ in einem Duo den ersten Platz belegt. Jolina Beuren, 17, und Julia Koitzsch, 18, waren mit der Mandoline erfolgreich.
Lisa Marie Saterdag, 19, (links) hat bei „Jugend musiziert“ in einem Duo den ersten Platz belegt. Jolina Beuren, 17, und Julia Koitzsch, 18, waren mit der Mandoline erfolgreich. FOTO: Barbara Scherer
Saarlouis. Drei junge Musikerinnen aus dem Kreis Saarlouis haben mit ihren Ensembles einen ersten Platz im Wettbewerb „Jugend musiziert“ auf Bundesebene belegt. Über die Rolle der Musik in ihrem Leben sprach mit ihnen SZ-Mitarbeiterin Barbara Scherer. Johannes Werres

Ihr beschäftigt euch ja privat alle schon lange mit Musik. Wie würdet ihr die Rolle beschreiben, die Musik in eurem Leben spielt?


Lisa Marie Saterdag: Musik hat von Anfang an eine große Rolle gespielt, und jetzt ist sie Hauptbestandteil meines Alltags. Durch das Studium beschäftige ich mich quasi Tag und Nacht damit.

Julia Koitzsch: Musik macht mir einfach viel Spaß. Ich spiele auf Festen, und ab dem nächsten Jahr wird es dann viel ernster genommen. Ich will Musik irgendwann zum Beruf machen.



Jolina Beuren: Ich bin als Jungstudentin an der Hochschule, Musik ist also auch für mich ein großer Bestandteil. In meiner Familie wurde schon immer Musik gemacht.

Koitzsch: Das ist bei mir genauso. Meine Mutter spielt Gitarre und mein Uropa hat Mandoline gespielt.

Saterdag: . . . und mein Vater spielt Klavier , aber eher in die Jazzrichtung.

Ihr alle wollt also Musik zum Beruf machen. Wie genau gestaltet sich das?

Saterdag: Ich studiere Orchestermusik. Mein Ziel ist es, im Orchester als Tutti-Musiker zu spielen, und durch den pädagogischen Zweig als zweites Standbein zu unterrichten. Nächstes Jahr mache ich eine Aufnahmeprüfung, um Klavier auch als Hauptfach zu machen.

Koitzsch: Ich würde Musik gerne auf Grundschullehramt studieren. Ich wollte schon immer unterrichten. In meiner Freizeit mache ich Kindergottesdienste. Ich arbeite gern mit Kindern im Grundschulalter.

Beuren: Ich weiß es noch nicht genau. Ich will aber auf jeden Fall einen Bachelor in Mandoline und Gitarre machen, damit ich später unterrichten kann. Ich gebe jetzt schon fünf Schülern Unterricht, vier Gitarre und einer Mandoline . Die sind im Grundschulalter, und damit komme ich sehr gut klar.

Saterdag: Ich unterrichte lieber Erwachsene. Durch das Studium bekommt man allerdings auch Kontakt zur Elementaren Musikpädagogik für Kinder zwischen zwei und fünf Jahren. Vielleicht entwickelt es sich eher in diese Richtung, ich weiß es noch nicht.

Die Teilnahme bei "Jugend musiziert" war für keine von euch der erste Wettbewerb, ihr habt da schon viel Erfahrung. Seid ihr bei Wettbewerben überhaupt noch nervös?

Saterdag: Ja, schon, aber es ist eine andere Aufregung. Früher hatte man vor anderen Sachen Angst, zum Beispiel, eine Note zu vergessen (Beuren und Koitzsch nicken zustimmend).

Beuren: Ich bin immer ein bisschen aufgeregt, das gehört dazu.

Koitzsch: Ich auch, aber ich versuche, das zu verstecken und die anderen zu beruhigen (alle lachen).

Wollt ihr noch weitere Instrumente lernen oder lieber auf euren aktuellen möglichst perfekt werden?

Saterdag: Ich bin ausgelastet mit zwei Hauptfächern. Perfektion ist dabei nicht das Ziel, das würde es langweilig machen. Die Musik lebt ja von dem Nichtperfekten.

Beuren: Das macht gute Musik aus - dass nicht immer gleich gespielt wird, sondern, dass jeder sein Ding mit reinbringt. Und zu den Instrumenten: Ich wollte schon immer mal Harfe lernen.

Koitzsch: Mich würde Zither noch interessieren, die hat meine Uroma früher gespielt.

Meinung:

Weiter investieren

Von SZ-Redakteur Johannes Werres

Man gewöhnt sich so schnell daran, weil sie so oft in der Zeitung stehen: Die Jungen und Mädchen, die vordere Plätze bei Jugend musiziert belegen, auch auf Bundesebene. Was irgendwann nur noch beiläufig klingt, ist in Wahrheit eine großartige Leistung. Begabung, natürlich, aber die will erkannt, gefördert und qualifiziert werden. Das geschieht im Kreis Saarlouis in ungewöhnlicher Dichte. Man kann sie benennen, die Orte, an denen gute Ausbilder gute Talente entwickeln, Beispiele: Kreismusikschule, das Robert-Schuman-Gymnasium, der Saitenspielkreis Differten, das Kreisjugendsinfonieorchester. Hinter den Spitzen-Preisträgern wie Lisa Saterdag, Julia Koitzsch und Jolina Beuren stehen viele gut Platztierte und noch viel mehr Jungen und Mädchen, die jenseits des Rampenlichts gefördert wurden und davon profitierten. Denn Musik fördert nachgewiesen - und erlebbar in Gesprächen wie dem mit den drei Bundessiegerinnen - die Entwicklung einer reichen Persönlichkeit. Qualifizierte musikalische Förderung wird so zu einem Wechsel auf die Zukunft der Region. Offenheit und Können in der Förderung musikalischer Talente sind Beweis für die Lebendigkeit des Landkreises Saarlouis. Diese Förderung muss - auch finanziell - weitergehen.

Zum Thema:

Auf einen Blick Die Musikerinnen Julia Koitzsch und Jolina Beuren aus Wadgassen haben den ersten Bundespreis von Jugend musiziert 2016 als Zupfensemble gewonnen. Lisa Marie Saterdag aus Wallerfangen spielt mittlerweile gleichermaßen gut Klavier wie Violine. Der Weg zum Spitzenplatz ist lang: Am Anfang steht der Regionalwettbewerb, dann der Landeswettbewerb. Wer dort einen ersten Platz macht, rückt weiter zum Bundeswettbewerb. Er wird in verschiedenen Kategorien ausgetragen. Bundesweit nahmen in den vergangenen Jahren jeweils rund 20 000 junge Leute bis 21 Jahren an Wettbewerben von "Jugend musiziert" teil. we