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Ludwig Galerie Saarlouis
Frischer Wind unter preußischer Tonne

Die Ludwig Galerie liegt mitten in der Altstadt von Saarlouis. Im selben Gebäude sind auch das Städtische Museum und die Polizei untergebracht.
Die Ludwig Galerie liegt mitten in der Altstadt von Saarlouis. Im selben Gebäude sind auch das Städtische Museum und die Polizei untergebracht. FOTO: Thomas Seeber
Saarlouis. Der Wechsel ist Programm. Die Ludwig Galerie Saarlouis lädt das Publikum immer neu zum Staunen ein. Auch das Gebäude selbst ist sehenswert.

Die Ludwig Galerie in Saarlouis braucht nun wirklich kein Museums-Café. Sie liegt in der Altstadt, im Kneipenviertel. Da findet sich immer was. Genau genommen ist die Ludwig Galerie gar kein Museum, sondern eine Galerie. Im Schnitt präsentiert sie drei bis vier Ausstellungen im Jahr, getrennt durch in der Regel nur zwei Wochen Umbauzeit. Die Ludwig Galerie ist wie eine Art Programmkino. Geschaffen für Menschen, die Kunst mögen und nicht immer Gleichartiges sehen wollen.


Die Ludwig Galerie heißt erst seit Ende 2017 so. Im ersten Jahr, seit Mai 1989, hieß sie Museum Haus Ludwig für Kunst der DDR. Im selben Jahr eröffnet wie die erste deutsch-deutsche Städtepartnerschaft zwischen Saarlouis und Eisenhüttenstadt. Damals war die Stadt auf das Ehepaar Peter Ludwig (1925 bis 1996) und Irene Ludwig (1927 bis 2010) zugegangen, das zu den bedeutendsten Kunstsammlern Deutschlands gehörte. Peter Ludwig schätzte viele Künstler der DDR. Anfangs wurden nur sie in Saarlouis gezeigt. Von Peter Ludwig übrigens zeugt in Saarlouis bis heute die Fabrik Ludwig Schokolade, die einst zu Ludwigs Firmengruppe gehörte, heute Teil der Krüger Gruppe ist.

1990, nach der Wende, nannte man das Haus um in Museum Haus Ludwig für Kunstausstellungen Saarlouis. Seitdem folgt es dem Konzept, das Peter Ludwig selbst gewünscht hatte.



2017 zog die Galerie aus ihrem Domizil, einem stattlichen, 1920 gebauten Bankgebäude, aus und gleich gegenüber, in die Kaserne VI in der Altstadt, wieder ein.

Kulturamtsleiterin Julia Hennings (links) und Museumsleiterin Claudia Wiotte-Franz in der Ausstellung „Da bin ich“ in der Kaserne VI.
Kulturamtsleiterin Julia Hennings (links) und Museumsleiterin Claudia Wiotte-Franz in der Ausstellung „Da bin ich“ in der Kaserne VI. FOTO: Thomas Seeber

Diese Kaserne VI, ein lang gestreckter preußischer Militärbau aus den 1860ern, beherbergt auch die örtliche Polizeiinspektion und das Städtische Museum. Das bildet mit der Ludwig Galerie „Museen in der Kaserne VI“.

Das Gebäude gehört der Stadt Saarlouis. Sie zahlt auch das Personal der Galerie und einen kleinen Teil der Ausstellungskosten. Die Stadt hat einen Vertrag mit der Ludwig Stiftung. Die verwaltet die Sammlungen, die das Ehepaar Ludwig angelegt hat: höchstklassige Exponate von der Antike bis zur Pop Art. In einer Menge, die reicht, um insgesamt 14 Ludwig-Einrichtungen von Köln und Aachen über Havanna bis Peking zu bestücken.

Aus diesen Schätzen stellt die Stiftung immer wieder Ausstellungen zusammen. Die Ludwig Galerie Saarlouis kann sie in die Kaserne VI bringen. Die Kosten trägt dann die Stiftung. Museumsleiterin Dr. Claudia Wiotte-Franz wandelt die Auswahl meist etwas ab, etwa, indem sie sie um regionale Exponate ergänzt. Das ist ein luxuriöses Arrangement für Saarlouis.

Wiotte-Franz kann aber auch Ausstellungen mit anderen Partnern nach Saarlouis holen: des Öfteren schon mit dem Wilhelm Busch – Deutsches Museum für Karikatur und Zeichenkunst in Hannover. Oder mit der großen Fotoagentur Magnum. „Mit Magnum“, sagt die Saarlouiser Kulturamtsleiterin Julia Hennings, „sind wir in der Weltklasse drin“.

Dunja Engbarth (links) und Hella Arweiler schauen nach den Exponaten.
Dunja Engbarth (links) und Hella Arweiler schauen nach den Exponaten. FOTO: Thomas Seeber

So kommt immer originelle und oft große Kunst in die Kaserne VI, direkt vor die Haustür. Es müsse ja nicht allen alles gefallen, sagt Hennings, „aber interessant sind alle Ausstellungen“. So weht ein frischer Wind durch das lange preußische Militärgebäude.

Das Konzept erlaube, Nischen zu besetzen, sagt Hennings. Ob etwas ein Publikumsrenner werde, sei hier kein Kriterium, unterstreicht Wiotte-Franz. Und: Der Reiz liege oft darin, dass in einer Ausstellung zwei unterschiedliche Pole gegeneinander gesetzt werden, „Begegnungen“. Hier setzt niemand auf sinnliche Überwältigung. Hier führt der Blick des Sammlers Regie: die Freude an den Details jedes einzelnen Exponates.

Mehr als 80 Ausstellungen wurden in bisher fast 30 Jahren gezeigt. Picassos Keramik mit Grafiken aus der Suite Vollard waren dabei, Glanz des Barock – Porzellan und Fayence aus der Sammlung Ludwig, antike griechische Vasen, aber auch Bilder von Cornelia Funke, Illustrationen zu Harry Potter, Tim und Struppi, Papiersoldaten aus der Sammlung Ludwig, der Bildhauer Heinz Oliberius, immer wieder Karikaturen und Fotografien.

Der dritte Zweig der Ludwig Galerie sind Ausstellungen regionale Künstler. Die Landeskunstausstellung hat hier einen ihrer Standorte. Die Künstlergruppe Untere Saar stellte im Atelier des alten Hauses Ludwig aus. Sie ist derzeit aber ausgewichen in Räume der örtlichen Freien Kunstschule. Victor Fontaine (1923 bis 1995) wurde mit großem Erfolg gezeigt Rudolf Hesse (1871 bis 1944), und zuletzt Gemälde und Grafik der Schwestern Ilse Heller-Lazard (1884 bis1934) und Lou Albert Lasard (1885 bis 1969), die aus der Großregion stammten. „Ein unglaublicher Erfolg“, erzählt Wiotte-Franz.

„Augenschmaus“ zeigte historische Bestecke aus dem Fundus der Ludwig-Sammlungen.
„Augenschmaus“ zeigte historische Bestecke aus dem Fundus der Ludwig-Sammlungen. FOTO: Balge, Cindy

Der Zuspruch des Publikums lässt laut Wiotte-Franz darauf schließen, dass der neue Standort, die preußische Infanterie-Kaserne VI, gut angenommen wurde. Tonnengewölbe gliedern den einzigen Raum in drei Schiffe. In ihnen wurden zwischen den Sandsteinpfeilern Kojen abgetrennt. Es entstanden ein langer Mittelgang (dessen Beleuchtung noch verbessert werden soll) und kleine Abteile rechts und links.

Es kann bezaubernd sein, wenn die Besucher in den hinteren Kojen Kinder treffen, die sich gerade mit Bildern einer Ausstellung beschäftigen. So war jetzt Philipp Waechter, Kinderbuch-Illustrator und Sohn des Karikaturisten K.F. Waechter da, um Kinder in der Ausstellung „Da bin ich“ anzuleiten: gezeigt werden Illustrationen, die von „Max und Moritz“ inspiriert sind. Das ist so eine Kooperationsausstellung mit dem Wilhelm-Busch-Museum für Karikaturen in Hannover. Pädagogische Programme zu den Ausstellungen besonders für Kinder sind ein Markenzeichen, das Wiotte-Franz der Einrichtung gegeben hat. Die Museumsleiterin hat 1995 als Praktikantin bei der Stadt angefangen.

Die Ludwig Galerie wird aber doch ein Museum werden. Denn zu einem Museum gehört ein fester Bestand. Hier ist das der nicht üppige städtische Kunstbesitz. Zu dem gehören Bilder des Saarlouisers Rudolf Hesse (1871 bis 1944), ein begnadeter Künstler. Wenn alles gut geht, sagt Wiotte-Franz, wird dieser Bestand durch eine bedeutende Hesse-Schenkung aufgestockt. Dann würde die Ludwig Galerie wieder Ausstellungen aus dem eigenen Magazin zeigen.

Serie Museen im Saarland: Die SZ stellt in den nächsten Monaten jeweils wöchentlich ein saarländisches Museum vor. Teil 1: Interview mit Meinrad Maria Grewenig, Generaldirektor des Weltkulturerbes Völklinger Hütte und Präsident des Saarländischen Museumsverbandes (6. Juni). Teil 2: Roland Mönig und die Moderne Galerie.(13. Juni). Teil 3. Ludwig Galerie Saarlouis, 20.Juni. Teil 4: Mia-Münster-Haus St. Wendel (27. Juni).