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Motto-Woche
Im Schlafanzug zur Motto-Woche

Mottowoche an den Gymnasien Saarlouis, hier der Abi-Jahrgang des Gymnasium am Stadtgarten zum Motto „Erster Schultag“.
Mottowoche an den Gymnasien Saarlouis, hier der Abi-Jahrgang des Gymnasium am Stadtgarten zum Motto „Erster Schultag“. FOTO: Joshua Schwinn
Saarlouis. Dieser Tage stehen bei den Abiturienten Verkleidungs-Aktionen auf dem Plan – ein Trend, der aus den USA ins Land gekommen ist.

Immer wieder sieht man in den vergangenen Tagen, auch rund um das Max-Planck-Gymnasium oder das Robert-Schuman-Gymnasium in Saarlouis, verkleidete junge Menschen.


Und warum machen sie das? „Weil es Tradition ist“, sagt der 19-jährige Leon Adolf aus Wadgassen. Tatsächlich können sich die Abiturienten der Klassenstufe zwölf nicht mehr daran erinnern, dass es die sogenannte Motto-Woche nicht gegeben haben soll: „Als wir in der fünften Klasse waren, gab es das schon“, meint auch die 17-jährige Lena Guldner aus Berus. Sie ist Teil des Motto-Wochen-Komitees ihres Jahrgangs, das die Themen, nach denen sich die Schüler an den jeweiligen Tagen verkleiden, zusammengestellt hat.

Die Motto-Woche soll vor ungefähr zehn Jahren erstmalig in Deutschland durchgeführt worden sein und – wie so oft – aus den USA kommen. Nach SZ-Recherche hat es beispielsweise an Merziger Gymnasien im Abschlussjahrgang 2009 die erste Motto-Woche gegeben. Nach dem Abi-Ball und dem Abi-Streich, die sich bereits vor Jahrzehnten an deutschen Gymnasien etabliert haben, ist die Motto-Woche vergleichsweise neu.



Da die Abiturienten am Mittwoch ihre letzten Zeugnisse vor den Abiturprüfungen bekommen, bieten die Motto-Tage Anlass, „zum Abschluss mal noch etwas Witziges zu machen. Die Schulzeit ist ja eher etwas Ernstes. Da ist es wichtig, die Zeit in guter Erinnerung zu halten“, betont Lena mit einem Augenzwinkern. Die Stimmung ist spürbar ausgelassen: „An deinen Beinen hättest du aber noch arbeiten können, Leon“, ruft eine Lehrerin dem Abiturienten von der Treppe aus zu. Durch eine Strumpfhose ist die Beinbehaarung eben doch noch zu sehen. Auch bei den Mitschülerinnen, die sich passend zum Motto „Geschlechtertausch“ als die Herren der Schöpfung verkleidet haben, gibt die fehlende Beinrasur Abzug in der B-Note: „Du hättest dich ruhig mal rasieren können“, scherzen die als Männer verkleideten Mädchen mit aufgemalten Bärten.

„Der Großteil der Stufe, zu der aktuell 87 Schüler zählen, beteiligt sich. Aber es gibt auch jeden Tag ein bis zwei, die kein Kostüm haben, oder es einfach vergessen“, erklärt Lena. Das Prozedere der Wahl der Mottos beschreibt Lena wie folgt: „Wir haben im Komitee eine Liste zusammengestellt mit möglichen Themen. Die haben wir dann in die WhatsApp-Gruppe hochgeladen, in der die ganze Stufe ist, und dann wurde abgestimmt. Die fünf Mottos mit den meisten Stimmen haben gewonnen.“ Leon Adolf weiß, „dass sich da ja immer die klassischen Mottos durchsetzen.“ Neben den zu Beginn genannten Themen, gibt es am SGS noch „Zurück in die Vergangenheit“ sowie das Motto „Assi“. Die Lehrer finden die Aktion „ganz witzig, auch wenn der ein oder andere Lehrer schon beklagt, dass die Mitarbeit deshalb nachlässt“, sagt Leon.

Die Schulleitung hat die fünf Mottos im Vorfeld abgesegnet. Einschränkungen gibt es da aber nicht. Anders sieht das beispielsweise bei dem Abi-Streich aus. „Nachdem vor ein paar Jahren mal die halbe Schule wegen einer Wasserschlacht unter Wasser stand, sind solche Aktionen natürlich verboten“, erzählt Leon.

(jsc)