Austellungen: Motto heißt „Pluralismus statt Monokultur“

Austellungen : Motto heißt „Pluralismus statt Monokultur“

Die Ludwig Galerie Saarlouis widmet Gründern der Künstlergruppe Untere Saar eine Ausstellung: Wolfgang Gross-Mario, Siegfried Pollack, Günther und Cilli Willeke. Sie sind „Impulsgeber der Region“.

„Seit 25 Jahren beleuchten wir schwerpunktmäßig Aspekte, die die saarländische Kunstszene seit 1945 geprägt haben“, sagt Claudia Wiotte-Franz im Gespräch, das Gaetano Gross, Vorsitzender der Künstlergruppe Untere Saar, begleitet. „Dazu gehören die Jubiläen der Künstlergruppe. Jetzt sind es Cilli Willeke sowie die verstorbenen Künstler Günther Willeke, Siegfried Pollak und Wolfgang Gross-Mario, die anlässlich ihres 90. Geburtstags im Mittelpunkt der Ausstellung „Impulsgeber der Region“ stehen.“

Einen „Lebenslauf in Bildern“ liefert Wolfgang Gross-Mario, der ein Reisender war: Er studiert an der Staatlichen Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken, ist Meisterschüler von Frans Masereel, erhält 1950 ein Stipendium für die Académie de la Grande Chaumière in Paris, eins in Griechenland, hält sich in Israel und Amerika auf. Er setzt sein Studium an der Académie libre in Nizza fort, arbeitet Jahre dort bei Masareel und bei Picasso in Valauris. „Die Eindrücke dieser Jahre sind in zahlreichen Werken in der Wahl der Themen und Motive ablesbar und in dieser Retrospektive zu sehen“, sagt sein Sohn Gaetano Gross. Es entstehen abstrakte Werke für den öffentlichen Raum. In der Malerei verbindet er figurative mit kubistisch, surrealen Stilmitteln. Stilleben zeigen exotische Früchte und Pflanzen, Fische und Vögel. Ebenso interessieren ihn die antike Sagenwelt und Menschen. Seine Palette ist stets von mediterranem Licht beherrscht. Seinen Wohnsitz hat auf dem 500 Jahre alten Sulgerhof im Bliesgau.

Von Siegfried Pollack, geboren in der Lausitz, können aus familiären Gründen nur einige typisch abstrakte Arbeiten und sehr eindrückliche aus handgeschöpftem Papier gezeigt werden. Pollack besucht zwischen 1946 und 1948 die Zeichenklasse der Kunstschule Bremen, macht ein Studium der Bildhauerklasse, eine Ausbildung zum Silberschmied und Modelleur. Danach wechselt er nach Saarbrücken: besucht die Grundlehre bei Boris Kleint und Oskar Holweck sowie die Grafikklasse bei Hannes Neuner. Er wird musisch-technischer Lehrer und tritt 1967 in den saarländischen Schuldienst ein, ist bis 1991 Kunsterzieher am Staatlichen Realgymnasium Dillingen. Von 1980 bis 1996 lehrt er an der Schwalbacher Malschule. In den 70er Jahren beginnt er, sich intensiv mit der Malerei zu beschäftigen. Nach zunächst naturalistischem Gestus, setzt er sich mit Abstraktion, Form, Farbe und freier Komposition auseinander.“Chaos ordnen, Gleichgewicht herstellen“, lautet seine Devise. Dann verschreibt er sich mit Leidenschaft der Technik des Papierschöpfens.

Auch Günther Willeke studiert kurz an der Saarbrücker Kunstschule, lehrt an der Schwalbacher Malschule. Er gründet nicht nur die Künstlergruppe Untere Saar, sondern auch das Kunst Forum Saarlouis und den Kunstverein cercle artistique „LIMES“, ist Vorsitzender. Seine Karriere beginnt der Griesborner mit einer Lehre als Dekorationsmaler. Diese handwerkliche Seite führte ihn in den Beruf des Malers, die künstlerische an die Staatliche Schule für Kunst und Handwerk in Saarbrücken. Seine Motive reichen von Industrielandschaften über religiöse Themen bis hin zu figurativen Menschenbildern und zur Abstraktion. Unverkennbarer ist seine Freude an Farbe und Form auf großen Leinwänden, „gewürzt“ mit einer Portion Surrealismus.

Seine Witwe, Cilli Willeke, die im März 90 Jahre alt wurde, macht sich bekannt mit Blumenporträts, floralen Motiven, Abstraktionen und Naturstudien. Dichte Fülle und pralle Farbgebung sowie die Liebe zum Detail gelten als ihr Markenzeichen. Zu sehen sind auch Bleistift- und Tuschezeichnungen von Baumstürzen. Die Vielfalt wird deutlich beim Rundgang durch die Ausstellung, die in ihrem Beisein eröffnet wird. Die in Bous geborene Künstlerin arbeitet nach Absolvierung eines Privatstudiums bei Jakob Schug (Saarbrücken) in einem kunstgewerblichen Atelier und von 1947 bis 1949 als Keramikmalerin bei Villeroy & Boch. Gerne hält sich das Ehepaar Willeke zu Studien in der Provence auf. Zahlreiche ihrer Arbeiten zeugen von der heiteren und lichtdurchfluteten Atmosphäre der mediterranen Landschaft. Auch sie gehört zu den Gründungsmitgliedern der Künstlergruppen.

Auf anschauliche Weise verdeutlicht die Ausstellung das über Jahrzehnte von der Künstlergruppe Untere Saar hochgehaltene Motto „Pluralismus statt Monokultur“.

Bis 5. Januar geöffnet: Dienstag bis Freitag zehn bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr. Samstags, sonntags und an Feiertagen 14 bis 17 Uhr. Vernissage: Sonntag, 15. September, elf Uhr. Es sprechen Claudia Wiotte-Franz und Gaetano Gross.

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