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Mit Pedal, der Seele des Klaviers

Mit Pedal, der Seele des Klaviers

Der Saarlouiser Pianist Wolfram Schmitt-Leonardy, der seit 2010 eine Professur an der Hochschule für Musik und Theater in München hat, gab einen Klavierabend in seiner Heimatstadt. Das Konzert, das von etwa 50 Musikliebhabern besucht wurde, hätte mehr Zuspruch verdient.

Er gilt als Chopin-Versteher. Im letzten Jahr legte er eine weitere Einspielung mit Werken von Chopin vor. Auf dem Programm dieses Abends stehen zwei Balladen und 12 der 24 Préludes. Doch zuvor begeistert Wolfram Schmitt-Leonardy mit höchst anspruchsvollen Sonaten von Mozart und Beethoven, beeindruckt mit Virtuosität und differenziertem Pedalspiel. Sublime Anschlagskultur und geistige Durchdringung der Werke gehen eine gelungene Symbiose ein. Er legt einen elektrisierenden Mozart vor: Erstaunlich ruppig kommt der Kopfsatz der Sonate KV 280 F-Dur daher, klar in der Linienführung, perlend in den Koloraturen. Während die ersten beiden Sätze noch relativ leicht in der Notierung erscheinen, verlangt der dritte Satz (Presto) einen hohen Grad an Fingerfertigkeit. Sein Mozart fließt, ohne dass er dabei den dramatischen Aspekt vernachlässigt. Weichheit im Klang - insbesondere im Adagio - bleibt eine Grundeigenschaft seines Spiels.

Die Klaviersonate Nr. 18, die letzte von drei, im op. 31 zusammengefasst. steht für die souveräne Meisterschaft des damals 32-jährigen Beethoven und damit für den Pianisten , der sich dieses Werk zu eigen macht.

Die duftige Leichtigkeit seiner dritten Es-Dur-Sonate zeigt sich schon in der Satzanordnung: zwei schnelle Ecksätze, dazwischen ein Scherzo und ein Menuett - op. 31.3, genannt "La Chasseur"; sie hat als einzige von Beethovens Sonaten keinen langsamen Satz. Expressiv artikuliert und intelligent phrasiert genügt Schmitt-Leonardys Vortrag höchsten musikalischen Ansprüchen.

Auch Chopin behandelt er trotz ekstatischer Wirbel jenseits jeder Art von virtuoser Prahlerei. Er beweist ein sicheres Gespür für Spannung und Entspannung, elegante Konturen, ausgedehnte melodische Bögen, klug gestufte Klangschichten - vor allem für die Poesie. Und die kommt gerade in den zwölf (seiner 24) Préludes zum Tragen. Die leichtfüßige Wanderung durch die Tonarten und das Nachempfinden jeweiliger Stimmungen überraschen Stück für Stück. Und zum Schluss das Kreuz mit der vierten Ballade, "an der man sich ein Pianistenleben lang abmühen könnte", so ein Kritiker. Mit ihr begibt sich Wolfram Schmitt-Leonardy noch einmal auf die schwierige Balladenfahrt. Souverän meistert er die fast unspielbar dichten Notationen Chopins, darunter sprudelnde Sechzehntelgirlanden, und vermag doch auf die epischen Erzählqualitäten zu achten, die ja gerade die Form der Ballade nahelegt. Brausender Applaus. Ein Meisterkonzert, dem eine kleine, leise Zugabe mit "El Vals del Duende" von Pablo Ziegler folgte. Die Einnahmen des Konzertes fließen in sein Projekt zur Förderung und Begleitung von jungen hochbegabten Pianisten aus der ganzen Welt. So wird Schmitt-Leonardy vom 2. bis 6. Januar im Vereinshaus Fraulautern wieder mit einer Auswahl der besten Nachwuchspianisten arbeiten und sie in einem Konzert vorstellen.