Schulpolitik: Mit geballter Kraft zum Abitur

Schulpolitik : Mit geballter Kraft zum Abitur

Künftig bilden sechs Gemeinschaftsschulen eine gemeinsame Oberstufe in Saarlouis: Abi in neun statt acht Jahren, anderes Konzept.

Die Zahl lässt aufhorchen: 83 Jungen und Mädchen im Kreis Saarlouis haben schon Mitte Februar Interesse angemeldet, an ihrer Gemeinschaftsschule zu bleiben bis zum Abitur. Obwohl offizielle Anmeldung erst im Juni ist. Und obwohl es diesen Weg noch gar nicht gibt: einen Oberstufenverbund, den sechs Gemeinschaftsschulen des Landkreises gemeinsam betreiben.

Im Augenblick, sagt Landrat Patrik Lauer, sieht es so aus, als könne die neue Oberstufe im neuen Schuljahr sogar vierzügig starten. An einem Tisch aus den Schulleitungen der sechs Schulen: In den Fliesen (Ute Strozynski), und Martin-Luther-King-Schule (Bernd Schmitz), beide Saarlouis, Schule an der Waldwies, Saarwellingen (Sascha Matheis), Johannes-Gutenberg-Schule, Schwalbach (Falk Staub), Schule am Warndtwald, Überherrn (Christian Konrad)) und Bisttalschule Wadgassen-Bous (Arno Heinz). Breite Zustimmung zum neuen Modell, „konsequent“, sagen sie „ein Trumpf für Bildungschancen“, „jetzt wird das Schulmodell Gemeinschaftsschule komplett“.

An diesen Schulen können die Schüler nun über den Mittleren Bildungsabschluss hinaus bis zum Abitur bleiben. Das Abi auf diesem Weg ist bewusst eine Alternative zu G8 am Gymnasium. Alternativ zunächst die etwas längere Schulzeit von neun statt acht Jahren. Die entsteht, weil die Mittelstufe ein Schuljahr länger dauert. Für Gymnasiasten beginnt die Oberstufe in Klasse 10, für Gemeinschaftsschüler in 11. Die Oberstufe selbst ist überall mit drei Schuljahren gleich lang. Die Abi-Prüfung am Ende ist identisch.

Unterrichtet werden die Schüler zentral. Die Oberstufe wird in der Gemeinschaftsschule In den Fliesen in Saarlouis angesiedelt. Dort ist viel Platz. Die Oberstufe wird ein weitgehend eigener Bereich im „Turm drei“ mit eigenem Schulhof, mit eigenem Aufenthaltsraum.

Die Lehrerinnen und Lehrer gehören den Kollegien der sechs Schulen an. „Wir haben in den vergangenen drei Jahren bewusst auch Lehrer für Gymnasien an unseren Schulen eingestellt, schon mit Blick auf diese neue Oberstufe“, sagt Bernd Schmitz.

Auch die Lernmethoden seien anders, erklärt der neue Oberstufenleiter Benjamin Thome, bisher Lehrer für Mathe und Physik am TWG Dillingen: Die soziale Kompetenz und die Eigenverantwortung der Schüler würden stark gefördert. Es gibt kein „Profilfach“ wie an Gymnasien, um die Schüler in den Hauptfächern vierstündig unterrichten zu können. Die Unterrichtszeit bis in den Nachmittag werde „rhythmisiert“, wie Ute Strozynski erklärt. „Wir haben ja auch eine sehr heterogene Schülerschaft.“ Im Klartext: Angezielt wird eine größere Abi-Chance auch für junge Leute, die sich nicht unbedingt an einem Gymnasium verorten würden.

Klasse 11 ist in diesem Modell eine Einführungsphase, ab Klasse 12 wird im Kurssystem unterrichtet. „Ein anderes Tempo, eine andere Philosophie“, sagt Landrat Lauer. Um eine vergleichbare Ausstattung für die bis zu 270 Schülerinnen und Schüler zu erreichen, müssen im „Turm“ bis zu 250 000 Euro investiert werden, unterstreicht Lauer.

 Das Interesse, das Abitur nach neun Jahren an einer Gemeinschaftsschule statt nach acht Jahren am Gymnasium abzulegen, wächst. Im laufenden Schuljahr zählten die vier Schulen im Kreis, an denen das möglich ist, 824 junge Leute. Die meisten, 624, entschieden sich für eines von drei eigenständigen Oberstufen-Gymnasien. 182 besuchen zurzeit eine der beiden schon existierenden gymnasialen Oberstufen-Verbünde an Gemeinschaftsschulen in Dillingen (170) und Wadgassen (12, läuft aus). Zum neuen Schuljahr kommt außer in Saarlouis noch ein Oberstufenverbund von Gemeinschaftsschulen am BBZ in Lebach hinzu.

Die Mitbestimmung der jungen Leute fängt früh an. „Wir haben Kataloge gewälzt“, sagt Fliesen-Schülersprecherin Vanessa Waigel, 16, „Und dann haben wir schon mal die Stühle ausgesucht.“

Kontakt: info@osv-sls.de; www.osv-sls.de

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