Mindestlohn bringt Lohn-Plus

8,50 Euro Mindestlohn wurden nach zehnjähriger Debatte im Januar 2015 eingeführt. Eine Studie des Pestel-Institutes stellt nun positive Effekte für Arbeitsmarkt und Kaufkraft auch im Kreis Saarlouis fest.

Vom "Schreckgespenst Mindestlohn " sei nichts übrig geblieben, stellt die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, NGG, dar. Im Kreis Saarlouis habe die Festlegung auf mindestens 8,50 Euro 2015 sogar zum Rückgang der Arbeitslosigkeit beigetragen. Dieses Ergebnis stützt sich auf eine Studie des von der NGG beauftragten Pestel-Institutes in Hannover.

Hotels, Pensionen, Restaurants und Gaststätten hätten sogar neue Kräfte eingestellt, teilte daraufhin Mark Baumeister mit, Geschäftsführer der NGG-Saar. "Insgesamt arbeiteten dort im Juni vergangenen Jahres immerhin 1638 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte - und damit 13,7 Prozent mehr als noch im Vergleichsmonat des Vorjahres, als es den gesetzlichen Mindestlohn noch nicht gab."

Als wesentlichen Aspekt nannte Baumeister, dass "etliche Arbeitgeber aus Mini-Jobs reguläre Stellen gemacht haben". Und gerade Mini-Jobs seien besonders schlecht bezahlt gewesen. "Durch den Mindestlohn sind die Mini-Jobber dann über die 450-Euro-Grenze gerutscht. Und das sind jetzt sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze."

Geld fließt in den Konsum

Der gesetzliche Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde habe nicht nur "der Wirtschaft nicht geschadet", sondern dem Kreis Saarlouis auch ein Lohn-Plus gebracht. Von dieser höheren Kaufkraft profitiere insbesondere die heimische Wirtschaft. "Denn Beschäftigte, die den gesetzlichen Mindestlohn bekommen, haben das zusätzlich verdiente Geld nahezu eins zu eins in den Konsum gegeben", so das Ergebnis der Studie.

Weniger optimistisch sieht es Frank Christoph Hohrath, Geschäftsführer des Hotel- und Gaststättenverbands Saar (Dehoga). "Der erste Schock ist so nicht gekommen, aber wie die Bilanz tatsächlich aussieht, kann man erst in zwei bis drei Jahren wirklich abschätzen." "Wir haben im Moment eine ganz gute Konjunktur." Es müsse sich jedoch zeigen, ob der Mindestlohn noch positiv wirke, wenn die Lage sich verschlechtere.

Manch kleiner Betrieb werde die Auswirkungen erst erkennen, wenn er im Februar-März die Bilanz für das Jahr 2015 vor sich hat, sagt Hohrath. "Wer die Mehrkosten nicht bereits eingepreist hat, wird dann reagieren müssen."

Es sei auch schwierig zu vermitteln, dass ungelernte Kräfte 8,50 Euro bekommen, ein gelernter Koch aber nur wenig mehr. Hier hält Hohrath künftige Veränderungen im Lohngefüge für möglich. Manche Betriebe machten sich nun Gedanken über Änderungen der Öffnungszeiten, fuhr er fort. Denn mit dem Mindestlohngesetz kam auch die Dokumentationspflicht der Arbeitszeit.

Noch in den Kinderschuhen

"Unsere Betriebe müssen jetzt noch genauer planen", sagt Hohrath, da acht Stunden pro Tag nicht mehr überschritten werden dürften. "Nur, was machen Sie dann bei einer Hochzeit?" Deshalb fordere die Dehoga eine wöchentliche Höchstarbeitszeit, "damit Betriebe flexibler reagieren können". Eine weitere Erhöhung des Mindestlohnes sieht Hohrath vorerst kritisch. Die ist von der NGG schon in einem ersten Schritt mit zehn Euro anvisiert. Dahinter stehe auch die Rentenfrage, so Mark Baumeister. Denn für mindestens 769 Euro Rente pro Monat, gerade mal die Grundsicherung im Alter, müssten stündlich mindestens 11,50 Euro verdient werden. Und das 45 Jahre in Vollzeit.

Deshalb sei noch einiges zu tun, verdeutlichte Baumeister. "Der gesetzliche Mindestlohn steckt noch in den Kinderschuhen. Aber wir werden ihn groß bekommen."