Millionen für die Kinder

Die städtischen Grundschulen in Saarlouis platzen eher unerwartet aus allen Nähten, immer mehr Kinder brauchen Ganztagsbetreuung, und gleichzeitig ist die Bausubstanz vieler Kitas am Ende: An drei Standorten baut die Stadt nun mit Millionenaufwand um oder neu.

Seit vielen Jahren diskutiert, wird jetzt die Grundschule im Vogelsang in Saarlouis umfangreich saniert. Die wegen ihrer vielen Programme gerne als Vorzeigeschule bezeichnete Einrichtung hat jetzt 67 Halbtags- und 167 Ganztagsschüler. Es ist die einzige echte Ganztagsgrundschule in Saarlouis . Am Ende soll die Schule eine reine Ganztags-Grundschule für maximal acht Klassen zu je 24 Kindern werden.

Ein bautechnisch naheliegender Neubau wurde verworfen, weil sich die Stadt am pädagogischen Konzept der Schule orientieren wollte. Der Raumbedarf dafür wäre aber als Neubau nicht finanzierbar gewesen. "Auch die Schule war für Sanierung", bekräftigt Schulleiterin Eva Feyand.

Man sieht jetzt schon, wo als erstes die Mensa gebaut wird, die bislang im Keller war. Das künftige Gebäude für 1,2 Millionen Euro kann auch als Theatersaal mit Bühne und 150 Plätzen genutzt werden. Bis Ende nächsten Jahres soll es fertig werden. Dann werden die drei hinteren Trakte vom Dach ab abwärts saniert. Dazu ziehen die Schüler Trakt um Trakt in die beiden vorderen Gebäude an der Taubenstraße um. Die stehen leer, unter anderem, seit sie die Volkshochschule nicht mehr nutzt. Diese beiden Trakte werden am Ende abgerissen - Platz vielleicht für ein paar neue Häuser im begehrten Vogelsang.

Roden: Römerbergschule

Die im Quadrat angeordneten Räume in der Mitte der Vogelsang-Schule, Verwaltungsräume und Lehrerzimmer, bleiben. Auch der Schulgarten im Inneren des Gevierts soll bleiben. Der benachbarten Mehrzweckhalle wird ebenfalls eine Sanierung gegönnt. Brutto fünf Jahre sollen sich die Arbeiten hinziehen; vieles geht nur in den Schulferien, wie die zuständige Bürgermeisterin Marion Jost betont.

Während im Vogelsang die Bausubstanz drängt, ist es an der Römerbergschule in Roden die massiv gestiegene Nachfrage. Zuletzt sprang sie von 278 Kindern im Juli auf 304 im jetzt beginnenden Schuljahr. Ein gutes Drittel der Schüler hat einen Migrationshintergrund. Die Zahl der ersten Klassen steigt, und damit auch die der benötigten Klassenräume. 14 sind es nach den Ferien. Sie sollen nun alle im Hauptgebäude untergebracht werden.

Dazu werden zwei Kellerräume ausgebaut, und aus einem Raum muss die freiwillige Ganztagsschule ausziehen. Die kommt in Bedrängnis: Sie hätte im Nebengebäude Platz für drei Gruppen zu je 20 Kinder plus eine Mensa. Die Nachfrage nach FGTS-Plätzen, bisher mit 30 Prozent der Kinder sehr niedrig, ist laut Jost seit dem Trägerwechsel von der Awo auf die Caritas hochgeschnellt. Erwartet würden aktuell sechs Gruppen; bei einem nicht unüblichen Wert von 50 Prozent der Schüler wären es gar sieben Gruppen.

Um Absagen zu vermeiden, sollen nun zwei Module (Container) angemietet werden. Bei zehn Monaten Miete kostet das fast 40 000 Euro brutto. Das wäre ein Provisorium.

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Meinung:

Flexibel und schnell

Von SZ-Redakteur Johannes Werres

Auf die Römerbergschule in Roden gehen unerwartet viel mehr Kinder als gedacht. Das verlangt ganz schnell nach mehr Platz.

Bei Kindern, Schülern und Lehrern hat sich der Staat schon oft verrechnet. Und nun, die Schulschließungen im Saarland sind kaum vorbei, klopfen wieder mehr Kinder an die Türen. Es flößt Vertrauen ein, dass im Saarlouiser Rathaus nicht nach der nächstbesten Billiglösung gerufen wird. Trotz Geldmangel sucht man kluge, flexible und schnelle Lösungen. Damit stellt sich die Sinnhaftigkeit einer starken kommunalen Selbstverwaltung unter Beweis - die dazu allerdings von Land und Bund fair mit Geld ausgestattet sein muss. Die Vogelsangschule zeigt aber auch eins der Probleme kommunaler Selbstverwaltung: ewige, gerne auch politische Diskussionen, die dringend notwendige Maßnahmen um Jahre verschieben können.

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