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Michael Moritz aus Saarbrücken über Nepal, Corona, den Jakobsweg und eine arte-Serie

Welt-Trip stoppt in Nepal : Die Coronakrise im Bergparadies aussitzen

Michael Moritz blickt auf den Himalaya. Nachdenken über Nepal, Corona, den Jakobsweg, eine Liebe. Auf Arte kann man ihn kennenlernen.

Man stutzt schon bei so einem Satz: Die Coronakrise im Bergparadies aussitzen, gemeint ist der Himalaya. sagt der Globetrotter Michael Moritz, 30, aus Saarbrücken. Er reiste auf dem Landweg von Deutschland bis nach Nepal. Nun sitzt er durch die Corona-Krise zwischen den höchsten Bergen der Welt fest. Mit abgenutzten Kleidern, erzählt er, etwas zerzausten Haaren und sonnengebräunter Haut sitzt er auf der Terrasse einer kleinen Steinhütte und schaut zu den Gipfeln des Himalaya-Gebirges.

Sein Weg in die Welt nahm seinen Anfang vor einem Jahr auf einem langen Stück des Pilgerweges nach Santiago de Compostela in Spanien, dem Jakobsweg. Fernsehzuschauer können ab Montag, 6. April, einige Etappen mitgehen. Der Sender Arte strahlt einen Fünfteiler aus über den Weg, den Michael Moritz mit einer kleinen Gruppe Jahr gewandert ist. Ein Kamerateam war dabei, und zu der Gruppe gehörte auch Brigitte Berger aus Saarlouis.

„Der Jakobsweg auf arte, ja ich freue mich, ich durchlebe den Weg wieder, ja er ist ein Teil eines Lebensweges, der mir viele neue Wege eröffnet hat. Ich bin immer noch stark beschäftigt damit, was der Weg mit mir macht und wie er immer noch mit mir arbeitet.“ Brigitte Berger hat den Weg spirituell erlebt.

Manches Unsichtbare begegnet den Pilgern, von den anderen unbemerkt. Michael Moritz ging es so. Von den anderen wenigstens anfangs  kaum wahrgenommen, verliebte er sich unterwegs in Anna Baranowski. „Ich stand damals als Pilger vor der Kamera, Anna arbeitete und pilgerte hinter den Kulissen als Kamerafrau. Verbunden durch das gemeinsame Ziel hatten sich fünf Pilger und das vierköpfige Filmteam auf den über 800 Kilometer langen Weg nach Santiago de Compostela gemacht.

Jetzt, von der Hütte in Nepal aus, festgesetzt durch Corona, fallen Michael Moritz Parellelen des entbehrungsreichen Pilgerns nach Santiago auf. Der ehemalige Produktmanager für Abenteuerreisen und Dozent für Tourismus-Management an der Hochschule in Saarbrücken (alles erstmal aufgegeben) erkennt große Ähnlichkeiten zwischen seiner Pilgerreise durch Spanien und der aktuellen Situation rund um die Corona-Krise.

„Klar genießen die Menschen momentan zwar kaum die Freiheit, sich frei zu bewegen, trotzdem kehrt in vielen Bereichen des Lebens auf einmal eine unbekannte Ruhe und Einfachheit ein“, erklärt Moritz per Mail. Das gleiche Gefühl komme auch auf dem Jakobsweg hoch, wo die Menschen am Startpunkt des historischen Weges ganz plötzlich aus ihrem gewohnten Alltag gerissen werden. Das Leben verliere in den folgenden sechs Wochen an Komplexität, da man den Fokus täglich nur noch auf den Moment, auf das Laufen, Essen und Schlafen lege. „Durch die Ausgangssperren in Deutschland verlieren die Menschen nun genauso ihren gewohnten Tagesablauf und die Möglichkeiten, unterschiedlichen Aktivitäten nachzugehen“, beobachtet der Weltreisende aus der Ferne. „Wenn das „Draußen dicht ist, geht der Blick wieder mehr nach innen und Gedanken kommen oft ungefiltertert hoch.“

 Für den Saarbrücker und seine Freundin Anna Baranowski, die eigentlich nur für ein paar Wochen zu Besuch kommen wollte, kamen die strengen Ausgangssperren und Reisestopps in Nepal ganz überraschend. „Wir waren gerade noch auf einer Trekkingtour im Gebirge, als uns auf einmal Wanderer entgegen kamen, die sich so schnell wie möglich auf den Weg zum Flughafen machten, um noch zurück nach Deutschland zu kommen“, berichtet Moritz. „Nur wenige Tage später waren bereits einige Lebensmittelläden zu, Restaurants geschlossen und die Straßen menschenleer.“

Gegen die aktuellen Rückholaktionen der Bundesregierung haben sie sich bewusst entschieden. Baranowski, die junge Künsterlin und Filmemacherin aus Leipzig, erzählt: „Mein Rückflug von Delhi wurde storniert, die anstehenden Jobs in Deutschland sind verschoben und die Ausgangssperre im Bergparadies ziehe ich der Quarantäne in meinen städtischen vier Wänden vor“.

Nach Nepal, es hätte noch weiter gehen sollen nach Indien und Pakistan, war Moritz kurz nach der Pilger-Tour aufgebrochen. „Ich radelte vom St. Johanner Markt in Saarbrücken bis zum Nordkap in Skandinavien, fuhr per Anhalter nach Russland, per transsibirischer Eisenbahn noch weiter Richtung Osten, melkte Yaks und Kühe mit mongolischen Nomaden, lernte Kung Fu im chinesischen Shaolin-Kloster, meditierte mit Waisenkindern in Myanmar und strandete schließlich für die Zeit des Lockdowns in Nepal.“

„Jetzt wo Anna und ich für die nächsten Monate erstmal hier festsitzen, kommen wir endlich dazu, weiter an unserem eigenen Filmprojekt zu arbeiten – es soll ein Dokumentarfilm werden, erzählt aus den Augen von Kindern.“

„Ich bewundere seinen Mut und seine Ausdauer“, sagt Brigitte Berger, Mitpilgerin aus Saarlouis, über Michael Moritz. Und Anna hat sie in Erinnerung als „eine wunderbare, liebe und interessante und hübsche Frau.“

Der Jakobsweg, sinniert Moritz, „war Start einer langen Reise und einer Liebe“. Und erinnert an das Wallfahrer-Wort: „Der Jakobsweg gibt dir was du brauchst, nicht was du suchst“.

Die beiden auf dem Jakobsweg, der sie viel weiter als bis Spanien bringen sollte. Foto: Michael Moritz
Hier sitzen Michael und Anna die weltweite Coronakrise aus, wie sie sagen. Mit Blick auf den Himalaya. Foto: Michael Moritz
Brigitte Berger aus Saarlouis wanderte 900 Kilometer auf dem Jakobsweg. Foto: Thomas Seeber

Die fünfteilige Dokumentation über die Gruppe auf dem Jakobsweg läuft ab Montag um 17.20 Uhr auf arte oder in der arte-Mediathek. Wer Moritz’ und Baranowkis Reise auch danach verfolgen möchte, findet aktuelle Reiseberichte und Bilder auf seiner Instagram- und Facebookseite. Instagram: @michael.b.mo; Facebook: facebook.com/michael.b.moritz