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"Mehr Wohngemeinde, weniger Schlafdorf"

"Mehr Wohngemeinde, weniger Schlafdorf"

Gerlfangen/Saarbrücken. In Gerlfangen passiert wenig. Zumindest was die Einwohnerzahl betrifft. Denn die ist seit Jahrzehnten "stabil", wie es Werner Tussing vom Statistischen Landesamt korrekter formuliert. Der Ort im Nordgau habe bei der letzten Volksbefragung (1987) knapp 700 Einwohner gezählt. Und auch heute leben in Gerlfangen immer noch knapp 700 Menschen

Gerlfangen/Saarbrücken. In Gerlfangen passiert wenig. Zumindest was die Einwohnerzahl betrifft. Denn die ist seit Jahrzehnten "stabil", wie es Werner Tussing vom Statistischen Landesamt korrekter formuliert. Der Ort im Nordgau habe bei der letzten Volksbefragung (1987) knapp 700 Einwohner gezählt. Und auch heute leben in Gerlfangen immer noch knapp 700 Menschen. Allein das sei schon bemerkenswert. Gerade wegen des demografischen Wandels, mit dem kleinere Dörfer schwer zu kämpfen hätten, meint Tussing. Gerlfangen hat damit scheinbar keine Probleme. Und davon konnten die Bewohner wohl auch eine Fachjury aus Berlin überzeugen. Am Wochenende prämierte sie den kleinen Ort als Kreisgewinner bei "Ein Dorf hat Zukunft". Im alle drei Jahre ausgelobten bundesweiten Wettstreit werden Dörfer mit weniger als 3000 Einwohner ausgezeichnet, die Ideen haben, wie sie den Rückgang der Einwohnerzahl stoppen könnten.Die Prognose für Gerlfangen: "Die Bevölkerungszahl wird wohl um fünf bis maximal zehn Prozent steigen", meint Ortsvorsteher Leo Petry. Der Grund: Die Gemeinde habe keine Leerstände mehr und auch die letzten Baugrundstücke seien verkauft. Das kam an - bei den Berlinern.

Aber wie haben es die Gerlfanger noch geschafft, ihre Mitbewerber Rammelfangen, Dörsdorf und Eidenborn auszustechen? "Wir haben unsere Schockstarre überwunden", meint Petry. Das heißt was? Vor fünf Jahren musste der Ort die Grundschule schließen. "Das war ein harter Schlag für uns", sagt der Ortsvorsteher. Vor vier Jahren hatten die Gerlfanger dann beschlossen, "die Ärmel hochzukrempeln". Sie richteten im leerstehenden Gebäude ein Mehrgenerationenhaus ein. Viele Dorfbewohner packten mit an, freiwillig und oft unentgeltlich. Bald ist es fertig. Bereits jetzt habe es sich gelohnt, meint Petry. Denn hier finden Jung und Alt gemeinsam Platz. Beispielsweise würden Lehrer aus Gerlfangen den Kindern Nachhilfeunterricht geben. Und ältere Einwohner, die ihren Alltag nicht mehr alleine bewältigen, bekämen hier tatkräftige Unterstützung. Petry: "Wir sind heute mehr Wohngemeinschaft als Schlafdorf."

Das ausführliche Urteil der Jury erhält Gerflangen erst in den kommenden Tagen. "Wir sind gespannt, denn wir wollen wissen, wo wir stehen" - auch für den Landesentscheid im kommenden Jahr. Überzeugt der kleine Ort auch hier, ist der Weg frei fürs Finale in Berlin - im Jahr 2013.

Bei einer Traktorenfahrt überzeugten die Gerlfanger die Jury von ihrem Zukunftspotenzial. Foto: AZ

dorfwettbewerb.bund.de/de