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Mehr Humor in der PflegeVeränderungen früh erkennen

Mehr Humor in der PflegeVeränderungen früh erkennen

Bereits zum 15. Mal fand der Internationale Demenzkongress Saar-Lor-Lux statt. 300 Gäste waren der Einladung gefolgt. Rolf Dieter Hirsch erzählte, wie Humor in der Pflegearbeit helfen kann. Über die besondere Rolle von Hausärzten in der Behandlung von Demenzerkrankten sprach Dr. Béatrice Gospodinov vom saarländischen Hausärzteverband mit SZ-Mitarbeiter Sascha Schmidt.

Roden. Mit roter Clownsnase steht Rolf Dieter Hirsch vor gut 300 Zuhörern in der Kulturhalle in Roden - Fachpublikum aus allen Bereichen der Arbeit mit Demenzerkrankten, darunter viele Ärzte, Alten- und Krankenpfleger. In seinem lebendigen Vortrag wirbt der Arzt und Psychotherapeut mit Smilie-Anstecker am karierten Jackett für mehr Humor in der Pflege: "Es gibt viele Momente, die für die Betroffenen schwierig sind", sagt er. "Wenn man diesen mit spontanem Humor begegnet, erleichtert das die Situation."

Das kann auch bei aggressiven oder ablehnenden Verhalten helfen. "Bei einem Streit mit Demenzerkrankten geht es nie um Fakten", sagt Hirsch. "Recht haben zu wollen, macht hier keinen Sinn."

Stattdessen empfiehlt er, in solchen Momenten auf Humor zu setzen - etwa indem man eine rote Nase aufsetzt. "Die Patienten werden dann instinktiv an einen Clown erinnert und müssen lachen."

Zuhörer aus drei Ländern

Zum 15. Mal fand der Internationale Demenzkongress Saar-Lor-Lux in Saarlouis statt, zu dem Zuhörer aus ganz Deutschland, Luxemburg und Frankreich anreisten. "Mit dem Kongress wollen wir dazu beitragen, dass die Versorgung von Menschen mit Demenz verbessert wird", sagt Andreas Sauder vom Demenz-Verein Saarlouis und Organisator der Veranstaltung. Dazu gehört neben Fachvorträgen zu Demenztherapie und -diagnostik auch die Möglichkeit sich auszutauschen und mit den Experten ins Gespräch zu kommen.

"Als Pflegekraft brauche ich möglichst viele Informationen und muss auf dem neuesten Stand sein", sagt Gertrud Isberner-Faust aus Völklingen, die in einer Altenpflegeeinrichtung tätig ist. "Dort haben mindestens 80 Prozent der Bewohner die Diagnose Demenz", erzählt sie. Den Saarlouiser Demenzkongress besucht die Fachkraft wie viele andere deshalb regelmäßig.

Nutzen für die Praxis

Auch Doris Schreiner kommt seit Jahren. "Aus jedem Vortrag können wir etwas in die Praxis mitnehmen", sagt die Leiterin des Demenzwohnbereichs im Krankenhaus der barmherzigen Brüder in Trier, die mit zwei ihrer Mitarbeiterinnen für beide Tage zur Fortbildung nach Roden gekommen ist.

Seit 15 Jahren veranstaltet der Demenz-Verein Saarlouis den Demenzkongress Saar-Lor-Lux vor dem Weltalzheimertag, der jährlich am 21. September stattfindet. "Damit wollen wir dazu beitragen, Demenz ins Bewusstsein der Gesellschaft zu bringen und das Tabu zu brechen - denn Demenz ist noch immer ein Tabuthema", sagt Dagmar Heib, Vorsitzende des Demenz-Vereins.Der Hausarzt ist in den meisten Fällen der erste Kontakt eines Demenzpatienten. Welche Rolle spielen Hausärzte bei der Erkennung der Krankheit?

Gospodinov: Viele Patienten sehen wir regelmäßig. Wenn wir eine Veränderung feststellen, müssen wir herausfinden, ob diese krankheitsbedingt ist, oder ob die Patienten einfach einen schlechten Tag hatten. Häufig kommen auch Angehörige und nennen uns Symptome wie Vergesslichkeit oder Depressionen. Das ist für uns ein Alarmsignal.

Es kommt vor, dass Patienten sich nicht trauen, mit ihren Symptomen zum Arzt zu gehen, weil sie womöglich Angst vor der Diagnose haben. Was raten Sie in solchen Fällen?

Gospodinov: Wenn der Verdacht auf eine Demenzerkrankung besteht, müssen die Patienten sich trauen, zu ihrem Hausarzt zu gehen. Ansonsten kann es sein, dass man Zeit verliert - je früher man etwa Hemmer einsetzt, desto langsamer schreitet die Krankheit in den meisten Fällen voran.

Was können die Hausärzte denn dann für ihre Demenzpatienten tun?

Gospodinov: Der Hausarzt nimmt die ganze Familie und organisiert mit ihr gemeinsam die Zukunft des Patienten. Wichtig ist es, die Diagnose klar zu benennen, dann sind die Patienten eher zu den notwendigen Maßnahmen bereit.