Mehr Arbeitnehmer mit psychischen Problemen

Mehr Arbeitnehmer mit psychischen Problemen

Saarlouis/Merzig. Der Krankenstand in den Landkreisen Saarlouis und Merzig-Wadern ist im Jahr 2010 gesunken - im Vergleich zum Vorjahr und zum restlichen Saarland. Das berichtet die Krankenkasse DAK in ihrem Gesundheitsreport, den sie gestern in Saarlouis vorstellte

Saarlouis/Merzig. Der Krankenstand in den Landkreisen Saarlouis und Merzig-Wadern ist im Jahr 2010 gesunken - im Vergleich zum Vorjahr und zum restlichen Saarland. Das berichtet die Krankenkasse DAK in ihrem Gesundheitsreport, den sie gestern in Saarlouis vorstellte. Waren die beiden Kreise 2009 noch Spitzenreiter, verzeichnete diese Region nun mit 3,8 Prozent den niedrigsten Wert im Saarland: Von 1000 DAK-Versicherten waren demnach an jedem Tag des Jahres 38 krankgeschrieben. Die DAK hat im Saarland rund 76 000 Versicherte, davon fast 21 000 in den Landkreisen Saarlouis und Merzig-Wadern.Die meisten Krankschreibungen erfolgen nach wie vor für Muskel-Skelett-Erkrankungen wie Rückenleiden. Stark angestiegen sind die psychischen Erkrankungen, die aber immer noch unter dem Landesdurchschnitt liegen. Dagegen gingen Erkrankungen des Verdauungssystems um 27 Prozent zurück.

Gerade junge Arbeitnehmer sind im Saarland häufiger krank als ältere. Das verwundert nicht, denn nach einer Befragung der DAK empfinden 23 Prozent der Berufstätigen unter 30 Jahren ihren Job als "sehr belastend". Jüngere haben zwar öfter einen Krankenschein, dafür aber nur kurz; akute Erkrankungen wie Erkältungen oder Magen-Darm-Infekte sind oft der Grund. Auffällig ist: Immer mehr 15- bis 29-Jährige leiden unter psychischen Erkrankungen wie Burn-Out-Syndrom oder Depressionen.

Diese steigen aber seit Jahren in allen Altersgruppen stetig an; zudem machen sie fast die Hälfte aller Fehltage aus, da die Erkrankten oft langfristig ausfallen. Ursache sind vielfach hohe Belastungen am Arbeitsplatz: Unsichere Arbeitsverhältnisse, Mobbing und Leistungsdruck begünstigen die Entstehung psychischer Probleme.

"Wenn es um den Krankenstand geht, können auch Arbeitgeber handeln", sagte dazu DAK-Chef Walter Balzer. Betriebliche Prävention sei eine wesentliche Aufgabe. "Das Betriebsklima spielt eine wichtige Rolle", bestätigte auch Rainer Thimmel, Referent für betriebliche Gesundheitspolitik bei der Arbeitskammer des Saarlandes. "Leistungsdruck und Zeitdruck sind die bestimmenden Belastungsfaktoren." Aber auch ein zu geringer Handlungsspielraum und zu wenig Wertschätzung haben einen negativen Einfluss auf die Gesundheit. "Hier ist der Arbeitgeber gefragt, realistische Arbeitsziele vorzugeben und die Arbeit gesund zu organisieren", meinte Thimmel. "Das Betriebsklima spielt eine wichtige Rolle."

Rainer Thimmel

Meinung

Immer höhere Anforderungen

Von SZ-RedakteurinNicole Bastong

Flexibel, aber auch verlässlich müssen sie sein. Teamfähig, aber auch Einzelkämpfer. Und hochmotiviert, obgleich kein fester Vertrag in Aussicht ist. Gerade junge Arbeitnehmer stehen oft unter großem Druck: Die Dauerpraktikanten, Auszubildenden, immer wieder befristet Beschäftigten kennen diese Schattenseite der Arbeitswelt nur zu gut. Zum Teil müssen sie eine hohe Verantwortung tragen, zum Teil trauen ihnen die Chefs nichts zu. Dieser permanente Stress wirkt sich dauerhaft auf die Gesundheit aus.

Mehr von Saarbrücker Zeitung