Mann der Grenzerfahrungen

Saarlouis. Selten dringt vor der offiziellen Bekanntgabe eines neuen Tonton-Preiträgers etwas vorab in die Öffentlichkeit. In diesem Jahr aber war es so. Ein Mitglied des Komitees raunte in der Altstadt: "Es ist ein Name, der mit -mann endet. Mehr kann ich nicht sagen. Mehr darf ich nicht sagen

Saarlouis. Selten dringt vor der offiziellen Bekanntgabe eines neuen Tonton-Preiträgers etwas vorab in die Öffentlichkeit. In diesem Jahr aber war es so. Ein Mitglied des Komitees raunte in der Altstadt: "Es ist ein Name, der mit -mann endet. Mehr kann ich nicht sagen. Mehr darf ich nicht sagen. Sie verstehen!" Und so kam es, dass Hartmut Ostermann dem Georg Jungmann die Schau gestohlen hat. Obwohl beide nichts dafür konnten und nicht wussten, wie ihnen geschah. So ist er, der Tonton-Preis. "-mann"? Ostermann? Es kann nur Ostermann sein. Man wollte es nicht glauben. Der umgekehrte Fall zur Tonton-Lüge. Die will man glauben. Aber in Wahrheit hatte das Komitee Georg Jungmann gewählt. Jungmann, Staatssekretär, so wahr wie er Lisdorfer ist.Warum er? Das Komitee sagt doch selbst: "Die nach dem Saarlouiser Erzlügner Michel Tonton benannte Auszeichnung wird jährlich an eine herausragende Persönlichkeit aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft vergeben." Fehlt der Hinweis auf das Verhältnis der Kandidaten zu Lüge und Wahrheit. Entscheidend! Es ist, um im landwirtschaftlichen Milieu Lisdorfs zu bleiben, so: Das, womit im Frühjahr gedüngt wird (und was auch so riecht), treibt im Herbst die schönsten Blüten und bringt Ackerfrüchte. So ist das auch mit der Lüge und der Wahrheit. Das Tonton-Komitee näherte sich dem Phänomen Jungmann so: "Wie die Bauern in seinem Heimatort, die den Saarlouisern einst Grund und Boden verkauften, um sie heute - nach Pacht desselben - wiederum mit Gemüse zu versorgen. Seither ist wohl jedem Lisdorfer das Prinzip des nachhaltigen Wirtschaftens in die Wiege gelegt.""Nachhaltig" könnte man übrigens auch verstehen im Sinne von: Stoppen, nachdem es zu spät ist. Die Grenze also überschritten ist. Ein Mann solcher Grenzerfahrungen ist Georg Jungmann durchaus. Er lernte gesetzmäßig Grenzen überwinden beim Zoll (dort verlief seine Berufslaufbahn, bis sie 1999 in den Landtag führte). Ebenso im Stadtrat, wo er die Grenzen des guten Geschmacks ohne große Mühe übersprang (die "Suppegässer-Affäre"). Politisch überwand er auch als undurchdringlich geltende Grenzen als Vater der großen Koalition im Rat, als er mit seinem SPD-Gegenspieler Manfred Heyer ein Boot bestieg, was niemand für möglich gehalten hatte. Und er stand hinter Jamaika in Saarlouis. Ein Zollbeamter, der keine Grenzen kennt? "Keineswegs", würde Georg Jungmann wohl dazu sagen. Rufen. Den Zeigefinger heben. Nein., man sehe die Grenze bloß nicht mehr. Zoll aber werde immer noch bezahlt, bloß woanders. So steht Georg Jungmann nun in einer Reihe mit Oskar Lafontaine, Heiko Maas, Peter Müller und Hubert Ulrich. Um nur diese aus der Reihe der seit 1978 mit dem Tonton ausgezeichneten Persönlichkeiten zu nennen. Der Tonton-Preis wird zum Auftakt des Saarlouiser Altstadtfestes verliehen: am Freitag, 30. Juli, 19 Uhr, Altstadt.