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Liesel muss zum Puppendoktor

Saarlouis. Die Kunden standen gestern Schlange. Alle wollten sie zu Dr. med. pup. Günter Geier, den Puppendoktor. Der hatte Sprechstunde bei Globus. Auch heute und morgen heilt er noch Puppen und Teddybären. Laura Blatter

"Was fehlt ihr denn? Lasst mich mal sehen." Günter Geier horcht mit seinem Stethoskop den Bauch seiner kleinen Patientin ab. Die zweieinhalbjährigen Zwillinge Michelle und Milena schauen gespannt und auch etwas aufgeregt zu. Auf dem Behandlungstisch liegt ihre geliebte Puppe.

"Püppis blaue Augen sind ganz blass geworden, das ist wohl in der Waschmaschine passiert", erklärt Mama Sandra Ranker das Leiden der Patientin mit einem Augenzwinkern. Puppendoktor Günter Geier weiß da Rat. "Wir tauschen die Augen aus, und morgen könnt ihr Püppi wieder abholen."

15 000 Ersatzteile - darunter Arme, Beine, Körper und Köpfe - sowie 10 000 Augen liegen bei der Sprechstunde im Seminarraum bei Globus Saarlouis parat. Der 75-jährige Günter Geier ist extra aus Altendorf bei Bamberg angereist, um seine saarländischen Patienten - Puppen und Teddybären aller Art - zu verarzten. Seit 55 Jahren schon ist er als Puppendoktor in ganz Deutschland, Österreich und in der Schweiz unterwegs. Und er ist gefragt wie eh und je, im Minutentakt stehen neue Kunden in der Tür - "meist Erwachsene mit ihren Liebhaberstücken, der ideelle Wert spielt da eine große Rolle", erklärt Geier.

Und da sind auch schon die beiden nächsten Patienten . Rosemarie Keßler aus Saarlouis hat sie mitgebracht. Da wäre einmal Peter, "ein Franzose, mindestens 70 Jahre alt", hat Geier gleich erkannt. "Das war meine erste Puppe, die habe ich einfach zu oft an- und ausgezogen. Die Gelenke sind kaputt", erklärt die 74-jährige Keßler. Ein kurzer Blick auf die Puppe Peter genügt und Geier meint: "Rheumatismus, das häufigste Leiden." Ein Routineeingriff, er tauscht die Federn im Innern durch Gummibänder aus und schon ist Peter wieder gelenkig, wie in seinen besten Zeiten.

Mit dabei hat Rosemarie Keßler auch Liesel, die Puppe ihrer Schwester - ein 70 Jahre altes Modell aus Deutschland, mit blauen Augen und roten Lippen. Das Besondere an Liesel: "Sie trägt die echten Haare meiner Mutter. Ich finde sie wunderschön", sagt Keßler liebevoll.

Klebestreifen am Hals und Risse am Körper verraten Liesels Leiden - ein schwieriger Fall. "Hier müsste man mit Spachtelmasse nachbessern, schleifen, das passt leider vom Zeitfaktor nicht", sagt Geier, und so muss Puppenmama Keßler ihre Liesel wieder mit nach Hause nehmen.

Zigtausende Puppen hat Geier schon repariert, doch allzu viele werden nicht mehr hinzukommen. Der Puppendoktor strebt den Ruhestand an: "Das hab ich meiner Frau Ute versprochen. Sie ist meine schönste Puppe", sagt er. Und fügt gleich an: "Mein Herzenswunsch ist eine Nachfolgerin. Frauen sind feinfühliger im Umgang mit Puppen . Wer da Interesse hat, könnte ein halbes Jahr Praktikum bei mir machen und danach meine Kunden - rund 1000 an der Zahl - übernehmen."

Günter Geier ist heute und am Samstag, jeweils von 9 bis 18 Uhr, im Globus Saarlouis . Anmeldung zur Sprechstunde an der Information.