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Lehrerin Frau Daub aus Saarlouis gibt Tipps für Homeschooling

Interview Carmen Daub : „Mein Tipp: Struktur schaffen und Motivieren“

Carmen Daub aus Saarlouis ist Lehrerin, Schulbuchautorin und Grundschul-Bloggerin. Sie gibt Tipps, wie Lehrer und Eltern die schulfreie Zeit gut überstehen.

Haben Sie Tipps für Eltern von Grundschülern? Wie kann man die Kinder motivieren, zu Hause zu arbeiten?

Carmen Daub: Mein Tipp: Struktur schaffen. Aufstehen, Frühstück, Schularbeit am Vormittag, am Nachmittag nur noch einfache Sachen, die das Kind sicher kann. Immer mit schwierigen Arbeiten anfangen, Pausen einbauen. Als Motivation vor allem bei jüngeren Kindern empfehle ich zum Beispiel Sterne, die sie für erledigte Aufgaben sammeln können. Ich belohne mit Aktionen, die die Kinder gerne machen, zum Beispiel Homeschooling-TV, Hörbücher oder Lernapps am IPad.

Lernen soll ja auch Spaß machen: Wie können Eltern ihre Kinder im Grundschulalter jenseits der Schulbücher und Aufgabenblätter jetzt fördern? Zum Beispiel mit Musik, Bewegung oder Spielen?

Daub: Es gibt viele gute Lernspiele, das Internet ist voll mit kostenlosen Materialien und guten Spielen zu allen Inhalten für Grundschüler. Meine Kinder turnen oder tanzen auch vor dem Fernseher zu Online-Kursen, die es gratis gibt.

Welche Tipps haben Sie für Kollegen, die nun von zu Hause aus unterrichten müssen?

Daub: Ich biete meiner Klasse gerne Zusatzmaterial, Ideen, Internet-Tipps über padlet.com an, das ist schnell eingerichtet und kostenlos. Viele Schulbuchverlage bieten derzeit gratis Material für Homeschooling an.

Wo sehen Sie persönlich die Chancen der aktuellen Krise?

Daub: Ich finde, dass die Entschleunigung, die wir gerade erleben, durchaus positive Seiten hat. Dass Kinder zu Hause lernen bietet auch die Chance, Lücken zu schließen. Die Eltern sehen jetzt mal live, wo es hakt; viele Kinder sind ja bis 16 Uhr in der Nachmittagsbetreuung und die Eltern kriegen von den Hausaufgaben nicht viel mit. Zudem ist auch mal Zeit, gemeinsam zu kochen oder zu backen, zu basteln oder in die Natur zu gehen. Im normalen Arbeitsalltag kommt das oft zu kurz.
Ich als Lehrerin lerne die Eltern meiner Klasse ganz anders kennen, ich habe viel mehr Kontakt zu ihnen und höre ihre Ängste und Sorgen. Das schafft Vertrauen, auf das ich sicher noch nach der Krise zurückgreifen kann.