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Ausstellung
Lebenslust trotz extremer Armut

Die Künstlerin Patrizia Casagranda vor dem Ausschnitt des Gemäldes „Violet Light“.
Die Künstlerin Patrizia Casagranda vor dem Ausschnitt des Gemäldes „Violet Light“. FOTO: Patrizia Casagranda
Saarlouis. Nachdenkliche Bilder zwischen äußerer Armut und Reichtum an Schönheit und Zuversicht: Patrizia Casagranda stellt in der Galerie Palz aus.

Die Galerie Palz eröffnet am Sonntag,  15. April, von 11 bis 13  Uhr ihre erste Ausstellung im neuen Jahr mit außergewöhnlichen Werken der Künstlerin Patrizia Casagranda. Tenor der BIlder: Menschen leben in extremer Armut und schaffen es dennoch, ihre Souveränität und Lebenslust zu bewahren. Um diesen faszinierenden Tatbestand kreist das zentrale Thema der deutsch-italienischen Malerin Casagranda in ihrer Serie  „Hier und Jetzt“.


Da sie regelmäßig in die armen Regionen Nordindiens reist, bezieht sich dieser Werkszyklus auf die Begegnungen mit jungen Frauen,  die Müll sammeln müssen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Trotz der Entbehrungen versprühen diese Persönlichkeiten ein erstaunliches Maß an Gelassenheit und Frohsinn. Nur mit Selbstbewusstsein, Stolz und Daseinsfreude schaffen sie es, die schwierigen Lebensbedingungen zu überwinden. Sie konzentrieren sich auf die Gegenwart, die Solidarität und leben als sei jeder Tag der letzte.

Mit Fundstücken der Frauen gestaltet Casagranda zunächst einen Hintergrund, um diesen dann mit Collage, Feuer, Graffiti, Schablonenkunst und Malerei zu überarbeiten. Das Ergebnis sind sehr vielschichtige Arbeiten, die nicht nur auf dem Material der Müllfunde basieren, sondern inhaltlich auch auf den Darstellungen indischer Kultur, politischer Schriftsätze und den Portraits der Frauen.



Somit verknüpft Patrizia Casagranda in origineller Weise ihre konzeptionellen Anliegen mit einer künstlerischen, aber auch realitätsnahen Gestaltungform. Diese überraschende Symbiose ergreift sofort den Betrachter und fordert ihn auf, über die philosophischen Themen der Schönheit und des Lebenssinns, aber auch über Fragen der globalen Gerechtigkeit nachzudenken.

Patrizia Casagranda: „Ich konnte nicht glauben, dass diese bildhübschen Frauen tatsächlich vom Müllsammeln leben und damit auch ihre Familien ernähren. Durch diese ständige existentielle Bedrohung bewegen sie sich auf einem schmalen Grat zwischen Leben, Überleben und Katastrophe. Alles konzentriert sich auf das Hier und Jetzt. Ich war fasziniert von diesem bedingungslosen Vertrauen in die Zukunft und der fast ausgelassenen Lebensfreude.“