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Langsam auf dem Weg wieder zurück ins Leben

Michael Meier weiß letztlich erst in zehn Jahren, ob er von seiner Leukämie geheilt ist. Foto: Thomas Seeber
Michael Meier weiß letztlich erst in zehn Jahren, ob er von seiner Leukämie geheilt ist. Foto: Thomas Seeber FOTO: Thomas Seeber
Felsberg. Als geheilt gilt Michael Meier aus Felsberg noch nicht. Doch der 22-Jährige Leukämie-Kranke ist auf dem besten Weg dahin. 1500 Menschen hatten ihm mit einem Test helfen wollen. Von SZ-RedakteurinLaura Blatter

Noch ist es nur ein kleiner Flaum, ganz zarte Härchen, die sich auf Michaels Kopf abzeichnen. Doch für den 22-Jährigen aus Felsberg hat der leichte Haarwuchs eine große Bedeutung: Die Chemo ist vorbei, die Stammzelltransplantation geschafft, und die Zeit mit Glatze hat ein Ende.

"Wird auch Zeit, im Winter ist es schon ziemlich kalt, wenn's da oben so kahl ist", scherzt der junge Mann.

Erst Ende August 2013 hatte Michael erfahren, dass er an Leukämie erkrankt ist (wir berichteten). Es folgten zwei Chemos und die Suche nach einem Stammzellspender.

1500 Menschen folgten im Oktober in Saarlouis einem Aufruf, sich testen zu lassen.

Schon im November wurde der genetische Zwilling gefunden. Der Spender ist männlich und kommt aus den USA, das weiß Michael. Wollte er ihn kennen lernen, wäre ihm das frühestens zwei Jahre nach der Spende erlaubt.

Und dann ging alles ganz schnell: Am 11. Dezember bekam er im Universitätsklinikum Homburg die Stammzellen per Infusion in die Hauptschlagader. "Das hat nur zehn Minuten gedauert. Das ist an für sich unspektakulär", meint Michael.

Zwei weitere lange Wochen Krankenhausaufenthalt folgten, dann fing das neue Immunsystem an zu arbeiten. "Die Ärzte waren sehr zufrieden, alles lief super, sodass ich schon am 27. Dezember heimdurfte", erzählt der junge Mann. Doch nach zwei Wochen brach bei ihm ein Virus aus, das eine starke Blasenentzündung auslöste. "Die war so heftig, dass ich mich selbst wieder einweisen ließ."

Dann kamen Abstoßungsreaktionen hinzu: Ausschlag, Fieber, Durchfall. Doch mit Kortison und anderen starken Medikamenten bekamen die Ärzte auch dies in den Griff.

Seit zwei Wochen ist Michael nun wieder zu Hause in Felsberg - und fühlt sich gut, wie er selbst sagt: "Ich fühle mich nicht mehr krank, nur körperlich angeschlagen. Ich hab einfach keine Power mehr."

Zurück ins Leben, das will er nun: "Ich will wieder ganz normal leben können, ganz ohne Einschränkungen." Denn diese muss er momentan noch hinnehmen: "Ich muss Menschenmengen meiden und auch beim Essen aufpassen, Keime, Pilze oder Infekte würden mir zu sehr zusetzen. Ins Kino kann ich daher nur mit Mundschutz."

Rund ein Dutzend verschiedene Medikamente muss er täglich einnehmen. Drei Mal in der Woche geht's zur Kontrolle nach Homburg. Michael bleibt bei allem Optimismus realistisch: "Als geheilt gelte ich erst nach zehn Jahren. Alles, was jetzt kommt, ist ein Geduldsspiel. Geht es mir schlechter, bin ich ganz schnell wieder im Krankenhaus."

Pläne schmieden und das Leben mutig anpacken, das lässt sich Michael aber nicht nehmen. "Ab nächster Woche spiele ich wieder in einer Band. Wir haben uns gerade erst neu gegründet, es geht in die Richtung Punkrock", verrät der Schlagzeuger. Und Reisepläne schmiedet er auch schon: Ganz bald soll es mit Freundin Laura nach London gehen und ins Mittelerde-Museum (Michael ist Herr-der-Ringe-Fan) in die Schweiz. Und dann, so hofft er, weht wieder ein kaltes oder warmes Lüftchen nicht mehr über eine Glatze, sondern wieder durch sein langes Haar.