"Lange Nacht der Volkshochschulen" im Kreis Saarlouis

100 Jahre Volkshochschulen : Sprache und Heimat gehören zusammen

Lange Nacht der Volkshochschulen am Freitag: In Saarlouis dreht sich alles um den Begriff Heimat.

„Wenn man die Sprache kann, ist alles andere wieder leicht“, sagt Rolian Mohamad, 16, aus Syrien. Was leicht für sie bedeutet, bleibt offen bei der Schülerin der Martin-Luther-King-Schule (MLK) in Saarlouis, die mit 12 aus Syrien flüchtete. „Das Boot war ungefähr so groß wie dieser Tisch hier.“ Es ist ein eher kleiner Konferenztisch in der Schule. „Da waren 52 Leute drin. Und es hat schrecklich geregnet.“

Rolian, Narin (15, auch aus Syrien) und Beriwan (16, aus dem Irak) kennen sich aus der Schule. Sie haben an einem Projekt teilgenommen, dessen Ergebnisse sie am Freitag, 20. September, im Theater am Ring in Saarlouis vorstellen werden: in der „Langen Nacht der Volkshochschulen“. Sie steht bundesweit unter dem Motto „zusammenleben. zusammenhalten“.

Die drei jungen Frauen bringen an diesem Abend nicht ihre Geschichte auf Plakate, sondern die anderer Migranten aus Saarlouis. 18 Schüler der Martin-Luther-King-Schule machten unter Leitung der stellvertretenden Schulleiterin Cornelia Nauhauser mit. In kleinen Gruppen fragten sie Zugewanderte nach ihrer Geschichte und ihren Erfahrungen. Das Ergebnis wurde Teil einer Ausstellung „Gesichter unserer Stadt“, eine Idee, die auf die erste „junge Botschafterin“ aus der Partnerstadt Saint-Nazaire, Paloma Guinaudeau, zurückgeht.

Rolian und Beriwan fragten ein syrisches Ehepaar – und erfuhren, was sie selbst schon kannten: „Sprache ist alles für sie. Deswegen ist Schule so wichtig. Sie gibt ihren Kindern die Chance, wie jedes Kind zu leben.“

Die drei Mädchen haben bewiesen, dass sich hartes Lernen lohnt. Sie könnten sich auch auf Arabisch, Kurdisch, e bisschen Türkisch oder Englisch unterhalten, Beriwan sogar auf Hindi. Dabei mussten sie nicht bloß einmal in ihrem Leben für Jahre mit der Schule aussetzen.

Erst wenn man die Sprache spreche, könne man sich „wirklich sicher fühlen“, sagen die Schülerinnen.

Sicherheit ist das eine. Die ganze Hoffnung von Eltern, berichten sie aus eigenem Erleben. Damit die Kinder sich „ihre Träume erfüllen können.“ Dass ihre Geburtsorte in Syrien und Irak dennoch eine Heimat blieben, ist das andere. „Syrien war so schwer, aber auch so schön“, erinnert sich Narin. In Aleppo und in Afrin „ist noch die ganze Kindheit“, fühlt Rolian. Dennoch: „Meine zweite Heimat ist hier“, ihre Träume spielen in Saarlouis.

Über solche Erfahrungen, die die Schülerinnen machten, und wie sie sie von erwachsenen Migranten in Saarlouis erfragten, sollten die Besucher der Langen Nacht im Theater mit den jungen Leuten ins Gespräch kommen, sagt die Leiterin der VHS Saarlouis, Gertrud Jakobs. Zusammenleben, Zusammenhalten, das sei ein wichtiger Aspekt von Heimat. Diesem Aspekt widmet die VHS ihre lange Nacht.

Im Theater am Ring wird zum Beispiel auch der wundervolle Film „Grenzfall Leidingen“ von Alfred Gúlden aus dem Jahr 1983 gezeigt. Gulden ist an diesem Abend dabei und lädt zum Diskutieren über Heimat ein.

„Heimat, ja was ist das denn eigentlich?“, fragt Uwe Albrecht vom Adolf-Bender-Zentrum in St. Wendel. Mit dem Zentrum haben die MLK-Schüler für ihren Beitrag „Gesichter unserer Stadt“ zusammengearbeitet. Zentrums-Mitarbeiterin Stephanie Wegener und Cornelia Nauhauser vom MLK stellen das Projekt an dem Abend vor. Und Jean-Philippe Baum vom Netzwerk Entwicklungspolitik Saar erörtert mit „Weltbürger*innen“ den Heimatbegriff in globaler Perspektive.

Zum 100-jährigen Bestehen wollen 450 Volkshochschulen in Deutschland an diesem Freitag mit der Langen Nacht für Aufmerksamkeit sorgen. Unter dem Motto „zusammenleben. zusammenhalten“ setzen sie ein Zeichen für gesellschaftlichen Zusammenhalt, teilte der Verband der Volkshochschulen mit.

Info und Anmeldung: VHS Saarlouis, Tel. (0 68 31) 698 90 30; www.vhs-saarlouis.de. Der Beginn ist um 19 Uhr. Eintritt frei

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