Landratswahl: Schäfer und Lauer reden bei Podiumsdiskussion in Saarlouis

Landratswahl : Der Unterschied steckt im Detail

Weg mit Waben, E-Busse und Bürgerbus: Nicht nur beim Thema ÖPNV hatten die beiden Landrats-Kandidaten Ideen. Auch Seniorenpaten und Kita-Platz-Finder waren im Gespräch bei der Podiumsdiskussion der Kreisvolkshochschule und der SZ mit den Kandidaten in Saarlouis.

In der Sache meistens einig, doch im Detail dann doch oft unterschiedlicher Meinung, so präsentierten sich die beiden Bewerber um das Landratsamt im Kreis Saarlouis in der SZ-Podiumsdiskussion im Theater am Ring: Den Amtsinhaber Patrik Lauer (SPD) fordert Raphael Schäfer (CDU) heraus; über 400 Zuhörer konnten sich im voll besetzten Saal selbst ein Bild von dem Duell machen und Fragen stellen.

Eine Meinung, aber unterschiedliche Schwerpunkte, das zeigte sich auch beim Thema Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV). Dazu meinte Lauer: „Der ist deutlich besser als sein Ruf, wir haben für die KVS gekämpft, und wir sind froh, dass wir sie haben.“

Er stelle bei der Diskussion immer wieder fest: „Die meisten Leute, die sich über den ÖPNV aufregen, sind selbst schon lange nicht mehr Bus gefahren.“ Die Busse böten inzwischen „hohen Komfort“, etwa kostenloses Wlan. Zudem fahre die KVS im Kreis nun deutlich mehr Kilometer, die Kommunen wurden bei den Kosten entlastet, führte Lauer aus. Das Problem eines „zu teuren und als ungerecht empfundenen Tarifsystems“ sehe er durchaus; an dem Wabensystem „müssen wir etwas ändern“. Er betonte aber: „Ein guter ÖPNV muss auch bezahlt werden.“ Für die Zukunft stelle er sich eine „E-Bus-Flotte“ vor, der Antrag für ein Modellprojekt sei bereits gestellt.

Bei der SZ-Podiumsdiskussion zur Landratswahl am 26. Mai 2019 saß Amtsinhaber Patrik Lauer in der Runde, der für die SPD ein weiteres Mal antreten wird. Foto: Thomas Seeber

„ÖPNV ist Daseinsvorsorge“, schloss sich Schäfer an, „da muss man als Landrat einen Schwerpunkt setzen.“ Mit einem Sozialticket etwa, damit könne man, „ohne viel Geld in die Hand zu nehmen, mit geringem Zuschuss“, die Nachfrage deutlich steigern, findet er. „Mit der Zersplitterung des Wabensystems, gerade im ländlichen Raum“ habe er seine Probleme, betonte Schäfer. Und bemängelte: „Bei überregionalen Projekten wie dem Lisdorfer Berg, bei dem das Land an der Planung beteiligt war, ist der ÖPNV gar nicht berücksichtigt.“

Für die Unternehmer in Saarlouis meldete sich dazu Harald Feit zu Wort: Wegen fehlender Busverbindung ins Gewerbegebiet Lisdorfer Berg müsse er nun zwei Auszubildenden kündigen. Zudem sei das Jobticket für kleine Betriebe „nicht machbar“. Sein Appell an beide: „Regelt es so, dass da ein Bus hinfährt, und dass das Jobticket ab dem ersten Mitarbeiter gilt!“

Lauer entgegnete: „Wir haben der Stadt Saarlouis ein Angebot gemacht, wir warten auf Antwort. Die Stadt bestellt den Verkehr bei uns, weil sie auch die Gewerbeeinnahmen hat.“ Die Stadt müsse sich aber auch um entsprechende Haltestellen kümmern.

Als Herausforderer tritt Raphael Schäfer für die CDU zur Landratswahl 2019 an, er stellte sich im Theater am Ring in Saarlouis ebenfalls den Fragen im Podium. Foto: Thomas Seeber

Und, betonte Lauer: „Eine Anschubfinanzierung wie im Häsfeld in Überherrn wird es nicht geben.“ Schäfer war da anderer Meinung: „Für mich ist es ein überregionales Gewerbegebiet, da kann man nicht die Verantwortung auf eine Kommune abdrücken – die ganze Region profitiert.“ Rund 130 000 Euro würde die Busverbindung vom Kleinen Markt auf den Lisdorfer Berg kosten, habe er erfragt. Die Stadt bringe die Haltestellen auf den Weg, „gehen Sie davon aus“.

Einig waren sich die Kandidaten bei der Antwort zur Frage von Leon von der Schülerbewegung Fridays for Future zum ÖPNV im ländlichen Raum: Das vorhandene Netz sinnvoll ergänzen, zum Beispiel mit ehrenamtlichen Bürgerbussen, meinte Schäfer; die Ausweitung des KVS-Netzes sei zudem „ein guter Anfang“. Lauer verwies dabei auf den geplanten Bürgerbus in Rehlingen-Siersburg.

Walter Schleich wollte wissen, wie die Pläne der Bewerber für ältere Mitbürger aussehen. „Die haus­ärztliche Versorgung ist für mich ein Riesenpunkt“, erklärte Schäfer, „im Raum Lebach haben wir schon jetzt eine Unterversorgung.“ Er schlage deshalb ein eigenes Förderprogramm vor, um Nachfolger in die Hausarztpraxen zu bekommen.

Bei seinen Hausbesuchen sei ihm zudem aufgefallen, dass viele Ältere vereinsamten: Hier müsste der Landkreis „eine richtig fundierte Kampagne“ starten, unter Einbindung von Vereinen und Ehrenamt.

Lauer verwies auf bereits bestehende Strukturen: „Wir tun schon ganz viel, damit Menschen nicht vereinsamen, zum Beispiel mit Seniorenpaten sehr erfolgreich.“ Zudem halte der Kreis die Pflegekosten konstant, „obwohl es immer mehr Ältere gibt“, ergänzte Lauer. Es gebe viele Angebote, auch für aktive Senioren: „Sie können sich sehr gut aufgehoben fühlen bei uns im Kreis.“

Wie das Problem fehlender Kita-Plätze angegangen werden soll, wollte Mekan Kolasinac, Linke, wissen. Ein „Online-Kita-Planer für den Kreis, bei dem ich von zu Hause aus sehe, wo es freie Plätze gibt“ ist Schäfers Idee dazu.

Durch „kluges Management“ habe man bisher Klagen von Eltern wegen fehlender Plätze vermeiden können, erklärte Lauer. Ein Kita-Finder biete seiner Meinung nach jedoch „nur Schein-Sicherheit“: „Eltern sollen sich eine Einrichtung ansehen, das macht man nicht per Klick wie eine Kino-Karte kaufen.“

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