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Sportlerehrung
Gangarossa glaubt fest an Olympia

Zielsicher: Carmelo Gangarossa visiert die Teilnahme an den Paralympics 2020 in Tokio fest an.
Zielsicher: Carmelo Gangarossa visiert die Teilnahme an den Paralympics 2020 in Tokio fest an. FOTO: Ruppenthal
SAARLOUIS. Der Landkreis Saarlouis ehrte seine erfolgreichen Behinderten-Sportler. Darunter einen vierfachen deutschen Meister. Von David Benedyczuk

„Wir sind ja sozusagen eine familiäre Runde. Die meisten von euch kenne ich, seit ich Landrat bin“, begrüßt Patrik Lauer seine Gäste im Saarlouiser Landratsamt, wo am Donnerstag die Behindertensportler-Ehrung des Landkreises Saarlouis stattfand. Zumindest einen der Sportler am runden Tisch im Sitzungssaal hat Lauer aber erst später kennengelernt, nachdem er 2012 zum Landrat gewählt worden war. Denn Carmelo Gangarossa begann erst 2015 als „Flitzebogenschießer“, wie er von Axel Riedschy, dem Präsidenten des Behinderten- und Rehabilitations Sportverband (BRS) Saarland, liebevoll genannt wird.


Er sei durch seine Tochter zum Bogenschießen gekommen, erzählt der 42-Jährige: „Als stolzer Papa bin ich immer mitgefahren. Irgendwann habe ich mir gesagt: Statt stundenlang zuzuschauen, kann ich doch auch mal selbst mitmachen – so kam eines zum anderen“, verrät Gangarossa, der sein Können im Umgang mit Pfeil und Bogen binnen kürzester Zeit auf ein beachtliches Niveau geschraubt hat.

In Deutschland jedenfalls zählt er zur absoluten Spitze. „In drei Jahren zehn deutsche Meistertitel, vier deutsche Vizemeisterschaften und zwei deutsche Rekorde – das hätte ich vor vier Jahren niemals gedacht“, sagt der gebürtige Dillinger, der an Multipler Sklerose (MS) leidet.



2002 bekam er die Diagnose gestellt. „Die Krankheit kam plötzlich“, sagt Gangarossa. „Seit ich Bogensport betreibe, geht’s mir besser. Die Muskulatur und die Nerven werden trainiert, das hilft mir.“ Gerade in diesem Jahr war Gangarossa, dessen Eltern wie so viele italienische Gastarbeiter nach dem Krieg aus Sizilien nach Deutschland kamen, über alle Maßen erfolgreich. Im März sicherte er sich zunächst in Frankenfelde sowohl mit dem Blankbogen als auch mit dem olympischen Recurve-Bogen die deutschen Para-Meistertitel in der Halle. Im September in Berlin wiederholte er das Kunststück im Freien.

„Das war natürlich etwas Einmaliges. Im Behindertensport gab es noch nie einen Schützen, der mit zwei verschiedenen Bögen alle vier Titel gewinnen konnte“, ist Gangarossa stolz auf das Erreichte. Besondere Erlebnisse waren auch die drei Aufenthalte mit der Nationalmannschaft, für die er nächstes Jahr in Holland erstmals bei einer Weltmeisterschaft starten möchte.

Sein übergeordnetes Ziel sind die Paralympics 2020 in Tokio. Gangarossa glaubt fest daran, dass er sich mit seinen Leistungen die Nominierung verdienen wird: „Ich bin sehr guter Dinge. Wenn man alles gewinnt, geht es ja eigentlich nicht besser“, sagt er augenzwinkernd.

Besser könnte es allerdings bei den Rahmenbedingungen aussehen: „Der Bogensport ist ziemlich kostenintensiv – vor allem, wenn man ein gewisses Niveau erreicht hat. Daher bin ich dringend auf der Suche nach Sponsoren“, sagt Gangarossa, der regulär drei bis vier Mal pro Woche trainiert und vor Wettkämpfen sogar täglich mit dem Bogen hantiert. Dass er ein Händchen dafür hat, bewies er bereits 2015, als er nach wenigen Monaten Training direkt mit einem tollen Erfolg aufwartete: Bei den deutschen Meisterschaften vor der Haustür in Dillingen sicherte er sich den Titel samt deutschem Rekord. „In Pachten begann meine Karriere. Von daher war das direkt ein absoluter Höhepunkt“, blickt Gangarossa zurück. Inzwischen hält er mit dem Blankbogen sowohl den Freiluft- als auch den Hallenrekord. Das peilt er auch mit dem Recurve-Bogen an. Sein MS-Leiden hat er dabei im Griff: „Der Körper macht manchmal natürlich nicht so mit. Aber ich habe Ehrgeiz und ein paar Tricks, damit umzugehen – das lernt man mit der Zeit.“ Genauso wie Gangarossa binnen kürzester Zeit gelernt hat, sich an tolle Erfolge zu gewöhnen.