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Verkehrspolitik
Echte Wende: Land und Bund zahlen den Ostring um Fraulautern

Vor genau einem Jahr eröffnete die Stadt den Kreisel, der die B 51 (Höhe heutiges Poco) an die Trasse des Ostrings anschließt. Mit dem Bau des Ostrings hat die Stadt fast nichts mehr zu tun. Jetzt rücken Land und Bund an.
Vor genau einem Jahr eröffnete die Stadt den Kreisel, der die B 51 (Höhe heutiges Poco) an die Trasse des Ostrings anschließt. Mit dem Bau des Ostrings hat die Stadt fast nichts mehr zu tun. Jetzt rücken Land und Bund an. FOTO: Ruppenthal
Saarlouis. Faustdicke Überraschung: Land und Bund bauen und bezahlen den Ostring um Fraulautern. Das soll nun schnell gehen. Es entlastet zuerst die Stadtverwaltung und dann die Bürger. Von Johannes Werres

Das hatte sich wohl keiner im Rathaus vorgestellt. Als Oberbürgermeister Peter Demmer einen Termin im saarländischen Wirtschaftsminsterium bekam, ging er in genau dieser Stimmung dorthin: „In Bezug auf den Ostring wurde von mir erneut der Versuch unternommen, mit dem zuständigen Wirtschaftsminsterium und dem Landesbetrieb für Straßenbau ins Gespräch zu komen.“ So beschrieb er seinen erneuten Anlauf in einer ersten Information an die Mitglieder des Stadtrates.


Drei Stunden nach Beginn des Termins wusste Demmer: „Das Land und der Bund übernehmen die komplette Trasse des Ostrings einschließlich der Anschlüsse.“

Den Ostring betrachten die Verkehrsplaner im Rathaus, die Ratsmitglieder und viele Bürger in Fraulautern als die wichtigste Maßnahme, um den zweitgrößten Stadtteil von Saarlouis zu entlasten. Der Durchgangsverkehr mit seinen vielen Lkw könnte um Fraulautern herum geleitet werden: entweder zur B 405 Richtung Autobahnauffahrt Saarwellingen oder Richtung Dillingen auf der B 51 neu an der Saar entlang. Dessen letztes Teilstück an Roden vorbei baut der Bund gerade für 14 Millionen Euro. Der Ostring von der Saar Richtung Saarwellingen soll laut Demmer rund 15 Millionen Euro kosten. Die Umgehung wird dann Teil der B 405.




Der Saarlouiser Oberbürgermeister Peter Demmer war selbst überrascht vom Ergebnis seiner Gespräche mit dem Wirtschaftsminsterium und dem Landesbetrieb für Straßenbau (LfS).
Der Saarlouiser Oberbürgermeister Peter Demmer war selbst überrascht vom Ergebnis seiner Gespräche mit dem Wirtschaftsminsterium und dem Landesbetrieb für Straßenbau (LfS). FOTO: Sascha Schmidt/Stadt Saarlouis

Vom Ostring wiederum hängt ab, was aus dem Bauwerk 99, der Fraulauterner Brücke über die Eisenbahn wird. Sie muss nach Untersuchungen der Bahn ersetzt werden. Viele Fraulauterner wollen m liebsten keinen Ersatz, und viele fürchten die jahrelange Baustelle. Sollte der Ostring angenommen werden, kann über den Neubau der Brücke neu nachgedacht werden.

Den Ostring steht seit 1992 im Bedarfsplan des Bundes. Seit 1997 beschäftigt sich die Stadtverwaltung damit, die Trasse in Eigenregie zu bauen. Das ist nur eingeschränkt möglich. Einerseits fehlt das Geld für eine voll belastbare Trasse. Andererseits treten immer wieder neue rechtliche Hindernisse auf.

Eines wurde jetzt beseitigt. Mit Datum vom 13. November teilte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BIMA) mit, dass sie ein Grundstück auf dem Panzerübungsgelände Fraulautern „freigeben“ werde, also verkaufen. Demmer (SPD) berichtete, er habe den SPD-Bundestagsabgeordneten für Saarlouis, Bundesaußenminister Heiko Maas, beim Stahlgipfel in Saarbrücken getroffen und ihn auf die Bundeswehr-Fläche angesprochen. Offenbar nutzte das.

Jetzt hat die Bauabteilung der Stadt buchstäblich eine Baustelle weniger, und im Haushalt der Stadt wird mindestens eine Million Euro frei. Nach Rücksprache mit dem Landesbetrieb Straßenbau sagte Demmer, der LfS habe bereits mit ersten Ausschreibungen zum Ostring begonnen.

Entscheidend für das Brücken-Problem wird sein, wie lange der Bau des Ostrings dauert. Unkalkulierbar ist vor allem, wie die Bahnlinie an der Saar unter- oder überquert wird. Bislang gibt es kaum mehr als einen Durchlass unter der Bahn zur Saar und zur B 51 neu hin. Die übrige Streckenführung durch den Wald ( Demmer: „DIe neue Planung kostet nicht mehr Wald als die bisherige“) über die alte Bergetransport-Trasse und durch das Industriegebiet Ost Richtung Autobahn dürfte eher unproblematiksch sein.

Ein konkreter Anlass für die überraschende Wende ist nicht erkennbar. Demmer vermutet, dass „der Druck aus Fraulautern groß wurde und sehr spürbar war.“ Immer mehr Bürger wehren sich dort gegen die Verkehrsbelastung. Norbert Zech von der Interessengemeinschaft Fraulauterner Bürger und Vereine (IFBV) am Sonntag: „Wir sind von der IFBV natürlich sehr froh, wenn nach Jahren endlich Bewegung in die Sache reinkommt. Wir müssen natürlich am Ball bleiben, damit nichts ins Stocken gerät.“

Auch die Ratsmehrheit aus CDU und Grünen schreibt sich die Wendung als Erfolg zu. Ihre Bemühungen trügen „offenbar Früchte“, kommentierten die Fraktiosnchefs Raphael Schäfer und Gabriel Mahren. Sie mahnen zu schnellem Tempo. Nur wenn der Ostring realisiert sei, könne die B 51 zurückgestuft werden, eine Voraussetzung, auf den Neubau der Brücke zu verzichten.