1. Saarland
  2. Saarlouis
  3. Saarlouis

"Laden" fällt Rotstift zum Opfer

"Laden" fällt Rotstift zum Opfer

Saarlouis. Bestürzt haben die Mitglieder des Frauenbeirates Saarlouis und des Zonta-Clubs auf die Meldung reagiert, dass "der Laden" in Lisdorf, ein Frauenprojekt des Diakonischen Werks an der Saar, zum 31. Mai geschlossen wird (wir berichteten). Schuld seien die Sparmaßnahmen der Bundesregierung in der Arbeitsmarktpolitik, heißt es bei der Geschäftsführung der Diakonie

Saarlouis. Bestürzt haben die Mitglieder des Frauenbeirates Saarlouis und des Zonta-Clubs auf die Meldung reagiert, dass "der Laden" in Lisdorf, ein Frauenprojekt des Diakonischen Werks an der Saar, zum 31. Mai geschlossen wird (wir berichteten). Schuld seien die Sparmaßnahmen der Bundesregierung in der Arbeitsmarktpolitik, heißt es bei der Geschäftsführung der Diakonie.Bärbel Heil-Trapp, die Abteilungsleiterin der Jugendberufshilfe beim Diakonischen Werk an der Saar, ist Ansprechpartnerin für das Projekt, das seit 20 Jahren Frauen beschäftigt und qualifiziert, um ihnen damit wieder eine Chance auf dem regulären Arbeitsmarkt zu ermöglichen. "Das Jobcenter Saarlouis hat die Plätze in unseren vier Beschäftigungs- und Qualifizierungsmaßnahmen von 72 auf 49 reduziert", erklärte Heil-Trapp. Damit fielen Zuschüsse für Sachkosten und die Finanzierung des pädagogischen Personals weg, außerdem müssten 2,8 Personalstellen eingespart werden. "Mit den verbleibenden 6,8 Stellen können nur die Fahrrad-Service-Station in Roden, das Recycling- und das Möbel-Projekt weiter betrieben werden. Der Beschluss zur Schließung ist uns sehr schwergefallen", sagt Heil-Trapp. Es habe jedoch keine andere Lösung gegeben. Wolfgang Biehl aus der Geschäftsführung der Diakonie macht die Bundesregierung für diese Entwicklung verantwortlich. "Die Kosten der Erhöhung von Hartz-IV-Sätzen und des Bildungspakets für Kinder werden über die Einsparungen bei der aktiven Arbeitsmarktpolitik finanziert", kritisiert Biehl. Für Langzeitarbeitslose stünden künftig deutlich weniger Maßnahmen zur aktiven Förderung zur Verfügung. Gerade Einrichtungen, wie "der Laden", die eine gute Möglichkeit zur Beschäftigung und Qualifizierung böten, fielen dem Rotstift zum Opfer. Biehl spricht von einem "Kahlschlag in der aktiven Arbeitsmarktförderung". Das Diakonische Werk fordert von der Politik eine geförderte Beschäftigung - unbefristet, existenzsichernd und sozialversicherungspflichtig ohne Zwangscharakter.

"Der Laden" in der Lisdorfer Provinzialstraße bot gebrauchte Kinderkleidung und Spielsachen an. Secondhandwaren wurden gespendet oder auch in Kommission angenommen. Rund 550 Frauen haben hier in den vergangenen Jahren den Beruf der Verkäuferin mit den Verwaltungsabläufen und Kassenführungen kennengelernt. Auch in der Textilbearbeitung wurden Frauen qualifiziert. Im ersten Stock des Ladens befand sich eine Näherei, in der originelle Kinderkleidung entstand.