La Tienda Saarlouis vereint mit Fair Trade Menschen aus aller Welt

Fair Trade : Wo die Welt auf einen fairen Kaffee zusammenkommt

Der Weltladen „La Tienda Saarlouis“ verkauft Produkte mit Geschichten und vereint mit Fair Trade Menschen mit den unterschiedlichsten Biografien.

Auf einen fairen Kaffee und ein nettes Gespräch schaut mancher hier jeden Tag vorbei: 2005 hat der Weltladen „La Tienda“ in der Weißkreuzstraße in Saarlouis geöffnet, davor saß er einige Jahre in der Augustinerstraße. Getragen wird der Laden vom gleichnamigen Verein, der sich für fairen Handel engagiert, und natürlich den ehrenamtlichen Mitarbeitern.

Derzeit besteht das Team aus 14 Frauen, die im Laden beraten und verkaufen, Ware auspacken, Getränke zubereiten, dekorieren – alles komplett ehrenamtlich. Jeder so oft wie er möchte, manche jede Woche, manche nur ein Mal im Monat. Neue Mitstreiter sind immer willkommen. „Wir hatten ja auch schon Männer“, scherzt Christine Berner, die eigentlich Bauzeichnerin ist, und seit über zehn Jahren jede Woche hilft. Vorerfahrungen im Verkauf muss man nicht haben; „das lernt man schon alles mit der Zeit und die Kunden sind nett und geduldig“, sagt sie. Engagement für die Umwelt, Nachhaltigkeit und den Fair-Trade-Gedanken ist allerdings Voraussetzung: „Denn jedes Produkt hier hat seine Geschichte“, sagt Tatyana Morozova, Leiterin des Ladens, und diese Geschichte sollte man kennen.

Auf den rund 70 Quadratmetern Verkaufsfläche in der Innenstadt bietet La Tienda Kaffee, Tee, Lebensmittel, Gewürze, Schokolade, auch Textilien, Schmuck und Kunsthandwerk. „Vor allem unsere Körbe aus Naturmaterialien sind gefragt“, sagt Berner, sie kommen aus Afrika, Indien, Nepal. Auch Besonderheiten findet man, wie den „Mafia-Wein“, erzählt Berner, der in Italien auf von der Mafia enteignetem Land in gemeinnützigen Projekten angebaut wird. Oder von Kindern in Ruanda gebastelte und gemalte Glückwunschkarten, die damit ihren Lebensunterhalt sichern. „Unsere Kunden wollen auch helfen“, weiß Morozova.

Geschichten kann das „La Tienda“ schon einige erzählen, denn hier kommen die unterschiedlichsten Biografien zusammen. Auch eine Peruanerin ist schon lange im Team. Immer wieder hat der Laden auch Praktikanten, aus den Schulen oder auf eigene Initiative (siehe unten). „Wir haben ein gutes Miteinander, ein offenes Klima“, findet Morozova „das spricht sich herum.“ Sie selbst hat über Bekannte von dem Laden erfahren. Morozova stammt aus der Ukraine und ist eigentlich Lehrerin für Englisch und Spanisch, aber ihre Ausbildung wurde in Deutschland nicht anerkannt, so suchte sie sich eine neue Aufgabe. Nun ist sie seit sieben Jahren dabei und koordiniert den Laden inzwischen, zum Teil auf Mini-Job-Basis, zum Teil ehrenamtlich.

Die Schließung des Fair Handelszentrum Saar zum Jahresende 2018 (die SZ berichtete) hat auch „La Tienda“ getroffen, schildert Morozova. „Es ist alles etwas umständlicher geworden.“ Denn viele Waren müssen nun gleich beim Lieferanten bezogen werden, für die Bestellung ist mehr Zeit nötig, sagt sie.

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Dass kleine Weltläden zunehmend in Konkurrenz mit Discountern treten müssen, die ebenfalls einige Fair Trade-Produkte anbieten, bereitet den Mitarbeitern Sorge. Aber die vielen Stammkunden, die auch aus Frankreich oder Luxemburg kommen, seien treu, sagt Morozova: „Sie möchten den Laden unterstützen.“ Ohne das Stehcafé im Laden wäre es schwierig, sich in der Innenstadt zu halten.

Dass immer mehr Kommunen, wie Saarlouis auch, Fair-Trade-Siegel tragen, mache sich positiv bemerkbar, meint Morozova. „Es gibt eine Fair-Trade-Steuerungsgruppe mit vielen Partnern, wir sind auf vielen Veranstaltungen in der Stadt präsent, zum Beispiel auch im Museum. Der Fair-Trade-Gedanke wird einfach bekannter.“ Das spürt auch Berner: „Es gibt aber auch immer noch Leute, die uns nicht kennen.“

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