Kunst gibt's an allen Orten

Saarlouis. "Kunst im öffentlichen Raum" ist das, was bewusst auf Straßen und Plätzen, an Fassaden aufgestellt wurde, keine praktische Funktion hat und von dem man die zwangsläufig Vorübergehenden sagen hört: Das ist wohl Kunst. Ist das Kunst? Das soll Kunst sein? Das hört man jedenfalls, wenn die Objekte noch neu sind

Saarlouis. "Kunst im öffentlichen Raum" ist das, was bewusst auf Straßen und Plätzen, an Fassaden aufgestellt wurde, keine praktische Funktion hat und von dem man die zwangsläufig Vorübergehenden sagen hört: Das ist wohl Kunst. Ist das Kunst? Das soll Kunst sein? Das hört man jedenfalls, wenn die Objekte noch neu sind. Später, wenn sie immer schon dazugehört haben, sind die Objekte eben einfach da und nur selten stutzt jemand. Oder registriert: Da ist ja künstlerische Qualität. Eine solche Ausnahme sind die Geschichts-Reliefs von Nikolaus Simon am Saarlouiser Rathaus.Das ist das Schicksal vieler Kunst im öffentlichen Raum, weil, wie der Künstler Otto Herbert Hajek sagte, sie wegen ihrer Öffentlichkeit auch solche Menschen voraussetzt, die keinen Gefallen an ihr haben. Hajek hat's selber in Saarlouis erlebt, als "Zeichen flügelt im Raum" vor dem Museum Haus Ludwig installiert wurde. Das ist Jahre her, und inzwischen - siehe oben.Lässt man Dutzende solcher Kunstobjekte im öffentlichen Raum an sich vorüberziehen, entsteht ein ganz eigenes Bild: Man erkennt, wie Bürger, Stadt und Staat der Bundesrepublik in den vergangenen 60 Jahren die Funktionen ihrer öffentlichen Räume und Flächen markierten und definierten. Das funktioniert nur richtig, wenn man keine Auswahl aufblättert, sondern wirklich alles vor Augen hat: vom Kriegerdenkmal übers Finanzamt bis zur Fassade von Kindergärten. Genau das leistet die eine Hälfte des Bandes "Kunst im öffentlichen Raum Saarland. Band 3, Landkreis Saarlouis nach 1945." Das ist akribisch fotografiert und beschrieben, was jede der 13 Kommunen im Kreis Saarlouis als Kunst im öffentlichen Raum präsentiert.Praktischer Nutzen: Man kann nachschlagen, was es mit den Steinen vor dem Finanzamt oder der kleinen Skulptur an der Schule oder der Stele im Park, dem Ehrenmal auf dem Friedhof, den Glasfenstern im Rathaus der eigenen Gemeinde auf sich hat. Jedes Interesse an lokaler Geschichte bliebe blind für die vergangenen 60 Jahre ohne dieses Wissen. Das Volumen dieser Kunst sei nur durch eine Zahl angedeutet: 650 Fotos hat der Band. "Das ist kein verzichtbarer Luxus, sondern ein wichtiger Beitrag zur Bildung von Identität und Gemeinschaft", sagte Hans Jörg Schu bei der Vorstellung des Werks, und nannte es - zu Recht - "eine Pflichtlektüre" für Verantwortliche. Die Kärrner-Arbeit hat Kunsthistorikerin Oranna Dimmig geleistet. Schu: "Hier sind Arbeiten vertreten, die eher dem Kunsthandwerk nahe stehen, aber auch Kunstwerke von hohem Rang."16 AufsätzeDen ersten Teil des Bandes, den Professor Jo Enzweiler herausgegeben, Oranna Dimmig und Claudia Maas bearbeitet haben, bilden 16 Aufsätze, die einzelne Aspekte vertiefen. Georg Skalecki, früher Denkmalpfleger im Saarland, befasst sich zum Beispiel kritisch mit der Denkmalpflege in Saarlouis. Monika Bugs, Kunsthistorikerin, schreibt über die Dillinger Hütte und die Kunst. Die Aufsätze sollte gelesen haben, wer über Kunst und Denkmale im öffentlichen Raum entscheidet oder sie beurteilt."Kunst im öffentlichen Raum, Saarland, Band 3: Landkreis Saarlouis." Saarbrücken 2009. 390 Seiten, 40 Euro im Buchhandel.