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Kunst für alle

Vom Institut für aktuelle Kunst geht es durch die Tür in der weißen Wand zu einem neuen Wohngebäude, in dessen Erdgeschoss das Zentrum für Künstlernachlässe einzieht. Fotos: Hartmann Jenal
Vom Institut für aktuelle Kunst geht es durch die Tür in der weißen Wand zu einem neuen Wohngebäude, in dessen Erdgeschoss das Zentrum für Künstlernachlässe einzieht. Fotos: Hartmann Jenal
Saarlouis. Saarlouis bekommt ein Forschungszentrum für regionale Künstlernachlässe. Jahrelang war darum gerungen worden. Gestern wurde das Zentrum geboren. Kulturminister Ulrich Commerçon überbrachte die Zustimmung des saarländischen Ministerrates. Johannes Werres

Es wird wohl bundesweit das erste Zentrum für regionale Künstlernachlässe, hinter dem eine Landesregierung steht. Das bestehende Institut für aktuelle Kunst in Saarlouis wird dazu erweitert: um 400 Quadratmeter, die der Investor des Astra-Geländes, die Aspro GmbH, der Stadt zur Miete angeboten hat. Die ehemalige Halle liegt gleich hinter dem Institut, das im preußischen Pulvermagazin am Choisy-Ring untergebracht ist.


Hier sollen Teile der Nachlässe regionaler Künstler aufgenommen werden, die in der Regel als Stiftung in den Besitz des Zentrums kommen.

Bundesweit ist der Bedarf, Nachlässe, das Lebenswerk von Künstlern, sachgerecht aufzuarbeiten, groß. Denn immer mehr Menschen betätigten sich seit Mitte des 20. Jahrhunderts künstlerisch, wie Kulturminister Ulrich Commerçon sagte. Was davon als aufbewahrenswert betrachtet werde, ergebe sich "in einem manchmal auch schmerzlichen Prozess, der in einer Demokratie öffentlich nachvollziehbar" sein müsse. Genau dies werde das Zentrum in Saarlouis leisten.



Die Einrichtung wird sowohl wissenschaftlich arbeiten als auch ein Ort der Begegnung mit der Kunst für die Öffentlichkeit sein.

Dazu wird es ein so genanntes Schaulager geben, in dem die aufgenommenen Werke eines Nachlasses den Kernbestand des neuen Zentrums bilden: in verschiedener Weise öffentlich zugänglich. Zudem wird es einen Studiensaal geben, der laut Institutsleiter Professor Jo Enzweiler auch von der Hochschule für Bildende Künste (HBK) Saarbrücken genutzt wird.

Das Zentrum wird Nachlässe digitalisieren und die längst hoch angesehenen Internetlexika des Instituts werden ausgebaut. Bilder werden außerdem ausgestellt, verliehen und möglicherweise auch verkauft.

Für Enzweiler und OB Roland Henz war die Geburtsstunde des Zentrums gestern die Erfüllung eines Traums, wie sie freimütig einräumten. Seit 2008 kämpfen sie für das Zentrum. Immer wieder stand der Plan auf der Kippe, wie Commerçon unterstrich. Das Zentrum werde es nun geben, "weil wir den politischen Willen dazu hatten". OB Henz unterstrich, den vollen Nutzen des Zentrums hätten erst nachfolgende Generationen.

Unklar bleibt aber die Organisation des Zentrums auf Dauer. Zunächst ist die Finanzierung auf fünf Jahre gesichert. 100 000 Euro im Jahr braucht es dazu. 80 000 Euro davon kommen von außen: Sponsoren wie ME Saar zum Beispiel (25 000 Euro), Saartoto (30 000 Euro) oder das Land (20 000 Euro).

Laut Henz fehlen noch 20 000 Euro, "aber das schaffen wir auch". Die Organisatoren hoffen verstärkt auf Sponsoren . "Alleine hätten wir das nicht geschafft", erklärte Commerçon mit Blick auf die Sponsoren .

In den fünf Jahren wird sich laut Commerçon klären, wie das Zentrum auf Dauer organisiert wird. Das sei zurzeit völlig offen. Henz wünscht sich schon lange, dass Institut und Zentrum zur Stiftung Saarländischer Kulturbesitz stoßen.

Auch wenn die Finanzierung zurzeit auf der Großzügigkeit von Sponsoren beruht, auch wenn nicht klar ist, in welcher Organisationsform es nach fünf Jahren weitergeht: "Schließen", gab sich Commerçon gestern sicher, "wird man das nicht mehr."

Das war der Startschuss (von links): Kulturminister Ulrich Commerçon, OB Roland Henz und Institutsleiter Jo Enzweiler in den historischen Gebäuden des Instituts für aktuelle Kunst.
Das war der Startschuss (von links): Kulturminister Ulrich Commerçon, OB Roland Henz und Institutsleiter Jo Enzweiler in den historischen Gebäuden des Instituts für aktuelle Kunst.