Kriegsnarben glätten am Kirchturm

Kriegsnarben glätten am Kirchturm

Die letzten Narben des zweiten Weltkrieges am Kirchturm lässt die evangelische Gemeinde Saarlouis derzeit glätten. Auch Zifferblätter und Zeiger der Turmuhr werden ausgetauscht.

Der Turm der evangelischen Pfarrkirche in Saarlouis ist wie ein älterer Mensch: Von Weitem sieht man es nicht, aber aus der Nähe sind auch mehr als 70 Jahre nach Kriegsende viele Narben zu erkennen, die der Zweite Weltkrieg hinterlassen hat. Diese Erkenntnis verbirgt sich hinter den Planen, die den Turm derzeit verhüllen. Noch bis in den Spätsommer hinein lässt die Gemeinde den Turm renovieren. Am Freitag montierten Arbeiter die vier Zifferblätter der Turmuhr samt acht Zeigern ab. Die bayerische Turmuhrenbau-Firma Philipp Hörz wird sie ersetzen.

Den Löwenanteil der Renovierung aber macht die Heilung der vielen kleinen Kriegswunden aus. "Geschosse unter anderem aus Tiefflieger-MG haben 1944 oder 1945 große Löcher in den Sandstein gesprengt", sagt Pfarrer Jörg Beckers. Sie wurden nach Kriegsende eilig mit Beton geflickt, das sind die heutigen Narben. Sie beginnen zu bröckeln. Eine französische Firma fräst den Beton heraus und setzt Sandstein in die Löcher. Die Sandsteine werden zuvor in der Werkstatt passgenau behauen.

Auch die Balkone an den Türmen werden neu gesichert. Im späteren Verlauf lässt die Gemeinde die Schall-Lamellen aus Beton gegen solche aus Holz tauschen. Beckers: "Wir sind gespannt, wie sich das auf den Schall des Geläutes auswirken wird." Erst im August waren fünf gebrauchte Glocken neu in den Turm eingebaut worden.

Gegen Ende der Renovierung werden im Erdgeschoss des Turmes die kleinen Kirchenfenster ausgetauscht. Entworfen hat sie Saskia Schultz, die vor sieben Jahren die großen farbigen, floralen Fenster in der Kirche geschaffen hat. Die kleinen Fenster, sagt Beckers, werden stilistisch anders, einfacher, ausfallen.

Einige Hunderttausend Euro wird diese Renovierung am Ende gekostet haben. Die evangelische Gemeinde zahlt sie alleine. Beckers: "Dieses Ensemble aus Kirche, Gemeindehaus und Garten ist der Kern der Gemeinde, das Ensemble ist die Mitte unserer Gemeinde."

Norbert Störmer und Sven Janke fahren ein Zifferblatt mit derm Bauaufzug vorsichtig nach unten. Foto: Johannes A. Bodwing. Foto: Johannes A. Bodwing

Es geht Beckers weniger um Denkmalschutz als darum, einen einladenden, auch in Ästhetik und Klang gutes Gebäude für den Gottesdienst zu haben. "Deswegen ist das Geld gut investiert."