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KSO
Schuberts „Kleine“ ist eine „Große“

Saarlouis. In der evangelischen Kirche in Saarlouis begeisterte das KreisSymphonieOrchester mit Werken von Beethoven, Haydn und Schubert. Von Jutta Stamm

Beethoven beginnt mit gewaltigen Akkorden im düsteren f-Moll, zu denen die lyrischen Motive der Holzbläser und Streicher im Kontrast stehen. Aus diesem entwickelt sich das „nervöse“ Allegro, dessen repetierende Achtelnoten die brodelnde Stimmung im Volk beschreiben – wie eben in Anlehnung an Goethes Trauerspiel. Unter Beachtung aller musikalischer Parameter, insbesondere der markanten Sforzati, mit denen die Egmont-Ouvertüre reich bestückt ist, meistern die Musiker unter Leitung von Christian Schüller Beethovens höchst expressive Schauspielmusik. Der Schluss nimmt die Sieges-Sinfonie vorweg, die Egmont am Ende des Dramas zum Schafott begleitet. Dank guter Instrumentierung, sicherer Intonation und musikalischem Einfühlungsvermögen gelingt es dem KSO, die vertonten „Bilder“ Beethovens in der „Egmont-Ouvertüre“ eindrucksvoll zu interpretieren.


Bravourös beherrscht Veit Stolzenberg, Mitglied der Deutchen Radio-Philharmonie Saarbrücken-Kaiserslautern, sein Instrument, was er bereits nach der Einleitung durch das Orchester im Konzert für Oboe und Orchester C-Dur von Haydn mit schnellen Läufen unter Beweis stellt. Bei üppiger Klangfülle und zauberhafter Tongebung werden sämtliche thematischen Linien bis ins Detail hörbar.

Dezent begleitet das Orchester die gesanglichen Themen. Eine brillante Solokadenz und ein Orchestertutti beenden das Allegro spiritoso. Im Andante, das durch sein elegisches Thema besticht, wird Stolzenberg vorwiegend von einzelnen Akkorden der Streicher unterstützt. Spannend gestaltet sich das Rondo Allegretto, in dem das von der Oboe vorgetragene Hauptthema temporeich variiert wird, wobei die Variationen immer wieder von kleinen, virtuosen Kadenzen des Soloinstruments unterbrochen werden. Das Konzert, das im Zweifel steht, von Joseph Haydn komponiert worden zu sein, schließt mit schwungvollem Orchestertutti.



Es ist wohl Beethoven, der auch zu Beginn der langsamen Introduction zur Sinfonie Nr. 6 „Kleine C-Dur“ D 589 von Schubert das Zepter erheben darf. Und wenn man im Finalsatz über den Mittelsmann Schubert sogar ein Treffen zwischen Beethoven und dem Witzbold Haydn arrangiert, ist das nur eine von vielen Überraschungen. Das Werk lebt von Kontrasten, beispielsweise starken Piano-Forte-Wechseln. Auch Rossini spielt mit – wahrscheinlich war auch Schubert vom seinerzeit in Wien grassierenden Rossini-Fieber infiziert: Im zweiten und vierten Satz sind Einflüsse italienischer Melodik und Rhythmik zu spüren.

Schuberts „Kleine“ ist eine „Große“: Mit „groß“ bezog sich der junge Komponist auf die für damalige Verhältnisse umfangreiche Besetzung mit je zwei Flöten, Oboen, Klarinetten, Fagotten, Hörnern und Trompeten sowie Pauken und Streichern, zum anderen auf die imposante Einleitung mit Ouvertüren-Charakter und vier Sätzen. Mozart und Haydn, ein bisschen Beethoven, waren seine Vorbilder. Selbst wenn Schubert sich die kompositorischen Finessen und das sorglose Dialogisieren einzelner Stimmgruppen von Haydn abgeschaut haben mag – seine Musik kommt nicht rückwärtsgewandt daher. Insgesamt überzeugt das leichte, harmonische Zusammenspiel: Homogener kann man kaum artikulieren, Dynamik ausgestalten, phrasieren und Melodiebögen spannen. Das Publikum ist begeistert.