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Straßenbau
Krach um neuen Abfahrts-Ast von A 620

Von links stauen sich die Autos auf der A 620 aus Richtung Luxemburg. Es ist früher Nachmittag, noch stauen sich die Autos aus der Stadt nicht. Das Foto wurde vom Ford-Hochhaus her aufgenommen. Vorne das Feld, auf dem der neue Ast gebaut werden könnte.
Von links stauen sich die Autos auf der A 620 aus Richtung Luxemburg. Es ist früher Nachmittag, noch stauen sich die Autos aus der Stadt nicht. Das Foto wurde vom Ford-Hochhaus her aufgenommen. Vorne das Feld, auf dem der neue Ast gebaut werden könnte. FOTO: Thomas Seeber
Saarlouis. Der Landesbetrieb für Straßenbau und der Ausschuss für Stadtplanung in Saarlouis sind heftig aneinander geraten. Jetzt ist die Neugestaltung der Autobahnanschlussstelle Wallerfanger Straße völlig offen.

Es bleibt völlig offen, ob und wie Auf- und Abfahrt von A 620 und Saarlouis/Wallerfanger Straße umgebaut wird. Der Ausschuss für Stadtplanung und sein Beirat lehnten die Vorstellungen des Landesbetriebs für Straßenbau (LfS) am Mittwochabend in einer turbulenten Sitzung ab. Absicht von Planern und Stadt ist, den täglichen Stau in der Wallerfanger Straße weitestgehend aufzulösen.



Keine Zuständigkeit haben Stadtrat und sein Ausschuss für die erste Maßnahme, über die der LfS informierte. Sie soll dafür sorgen, dass sich vor der Abfahrt der A 620 aus Richtung Luxemburg in Stoßzeiten keine Staus mehr bilden. Die sind laut LfS unfallträchtig, weshalb der Landesbetrieb gesetzlich zur Abhilfe verpflichtet sei.

Dazu will er im Sommer 2018 eine „Teilsignalisierung“ der Anschlussstelle einrichten. Mehrere Ampeln sollen das Auf- und Abfahren verflüssigen. Wenn zum Beispiel der Stau von der A 620 auf die Wallerfanger Straße 100 Meter erreicht und sich hinter diesen 100 Metern mindestens sechs Sekunden nichts mehr bewegt, springen die Ampeln an. Sie zeigen dann Gelb und Rot. Zehn bis maximal 60 Sekunden halten sie den Verkehr auf der Wallerfanger an, damit die Autos von der Abfahrtsrampe runter können. Danach schaltet sich die Ampel wieder ab, es gelten die normalen Verkehrsregelungen. Einbezogen werden Radfahrer und Fußgänger. Technisch läuft diese Ampelregelung über Kontaktschleifen im Boden ab.

Diese so genannte Teilsignalisierung stellt laut LfS eine Übergangslösung dar, bis die Anschlussstelle neu gebaut werde. Bis dahin wird die Ampel nach Angaben des stellvertretendem LfS-Direktora Werner Nauerz aber eher für noch mehr als für weniger Stau in der Wallerfanger Straße sorgen.

Der Ausschuss nahm das zur Kenntnis. Er sprach aber mehrheitlich die Bitte aus, diese Zwischenlösung so anzulegen, dass sie auch auf längere Dauer funktionieren könne. Hintergrund: Was der LfS als eine langfristige Lösung skizzierte, sorgte für argen Unmut im Ausschuss.



Der LfS-Straßenplaner Torsten Ebel legte einen Entwurf zur Auflösung des Staus vor, der den Ausschuss in Rage brachte. Helfen, sagten Ebel und Nauerz, könnten nur zwei statt bisher vier Spuren auf der Wallerfanger Straße. Und die wiederum seien nur möglich, wenn eine Baumreihe, nämlich die an der Spur stadteinwärts, gefällt werde. Vier Spuren aber würden auch bedeuten, dass die Anwohner etwa von Blies- und Primsstraße nicht mehr wie bisher ein- und ausfahren könnten, sondern durch das ganze Wohngebiet fahren müssten. Auch der Lidl-Markt wäre dann aus Richtung Stadt nicht mehr direkt erreichbar. Denkbar wäre ein Umweg über die Schillerstraße, etwa bis zum Wertstoffhof, und dann über eine neue Zufahrt von hinten an den Markt.

Radfahrer sollen umgeleitet werden: durch das Wohngebiet Prims-/Niedstraße, durch einen neuen Tunnel unter der Autobahn hindurch wieder zur Wallerfanger Straße.

Die jetzige Rampe von der und zur Autobahn soll ersetzt werden durch eine neue, die wie ein großes Ohr über das Feld vor dem Ford-Hochhaus verläuft. Für den Lärmschutz könnte eine Halbschale sorgen, wie man sie etwa von der Westspange in Saarbrücken kennt. Die neue Auf- und Abfahrt würde auf der Höhe des Hotels „Altes Pfarrhaus“ in Beaumarais in die Wallerfanger Straße münden. Die Zufahrt zum Hochhaus müsste ebenfalls verlegt werden. Sie verliefe dann durch den jetzigen Park vor dem Gebäude.

Beiratsmitglied Michael Dzakovic fasste kurz zusammen: Diese Lösung bringe „mehr Belastung“ vor allem in die Wohngebiete. Zudem habe es bislang keinerlei Bürgerinformation gegeben, „das ist nicht in Ordnung“. Altomaro Locurcio (FWG) fand, Aufwand und Ertrag stünden in keinem Verhältnis zueinander. Das Sitzungsklima blieb gereizt, weil den Mitgliedern des Ausschusses vor Augen stand, dass sie dieses Modell schon früher kritisch gesehen hatten. Als Hubert Ulrich (Grüne) die Radwegeplanung als Schildbürgerstreich ablehnte, kippte die Stimmung ganz. „Ich kann die Sitzung auch beenden“, gab LfS-Mann Ebel (fälschlich) zurück. Da lief der stellvertretende LfS-Direktor Werner Nauerz aus dem Zuschauerraum nach vorn, „ich muss da jetzt mal reingrätschen“. Es gehe gar nicht, den LfS „als Nichtskönner zu beschimpfen“ beim Versuch, „ein Problem zu lösen, das Saarlouis hat“.

Gabriel Mahren (Grüne) setzte nach. Der Rad-Plan „ist, mit Verlaub, eine Anleitung zum Chaos. Wirklich Schilda.“ Das sei „knallharte Autovorrangplanung“, veraltete Verkehrsplanung. Dagegen werde es in der Bevölkerung Widerstand geben, ebenso gegen das Abholzen einer Seite der Allee.

Nauerz erwiderte, der LfS sei sehr wohl in der Lage „zu moderner Verkehrspolitik“. Die Radler-Planung sei auch mit dem Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) abgesprochen. Grundsätzlich gälte, dass die Rahmenbedingungen eine Planung eben sehr beschränkten.

Am Ende versagte der Ausschuss die Zustimmung zu dem Entwurf. Er verlangte, neue Varianten zu entwickeln, die den kritischen Punkten gerecht werden.