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Knobeln, suchen, rätseln, entkommen

Die SZ-Redakteure Johannes Werres, Marc Prams, Nicole Bastong und Mathias Winters brüten über den Rätseln im Raum „Biohazard“ im Mission Escape Saarlouis. Fotos: Thomas Seeber
Die SZ-Redakteure Johannes Werres, Marc Prams, Nicole Bastong und Mathias Winters brüten über den Rätseln im Raum „Biohazard“ im Mission Escape Saarlouis. Fotos: Thomas Seeber
Saarlouis. Ein Team wird eingesperrt in einen Raum und hat 60 Minuten Zeit, eine Kette von Rätseln zu lösen, um zu entkommen. Klingt einfach und ist hochspannend – auch wenn es natürlich nur ein Spiel ist. Wir haben einen Exit Room im Mission Escape in Saarlouis getestet. Nicole Bastong

Die Tür fällt ins Schloss, wir sind eingesperrt, im Dunkeln. In einem kühlen, weißgekachelten Laborraum, kein Fenster, eine orange Alarmleuchte blinkt. Ein Schreibtisch, eine Reihe Gasflaschen, an einer Wand viele Spinde nebeneinander - allesamt abgesperrt mit verschiedenartigen Schlössern. Wir sehen uns ratlos um. Unsere Aufgabe: Vier Seren finden, die Stromversorgung wieder anschließen, den Code zur Tür finden und entkommen. Alles in maximal 60 Minuten.

Sofort große Nachfrage



Das Konzept der Exit Rooms oder Escape Rooms ist noch recht neu in Deutschland, aber breitet sich schnell aus. In Saarlouis ist Mission Escape nach Saarbrücken der zweite im Saarland. Im Dezember 2014 eröffnete der erste Raum; die Nachfrage war so groß, dass flugs Ende Mai ein zweiter eingerichtet wurde, der zudem um einiges schwieriger zu lösen ist. Über 100 Gruppen haben bisher das Mission Escape besucht, sagt Geschäftsführer Mike Puhlmann.

Das Prinzip des Spiels ist einfach: Eine Gruppe lässt sich in einem Raum einsperren, der mit einer Menge Rätseln und Hinweisen präpariert ist, die in der richtigen Reihenfolge zur Lösung führen. Das ist ein Code, mit dem sich die abgesperrte Eingangstür öffnen lässt. Jeder Raum hat eine eigene Story, um die sich die Rätsel ranken. Wird die Lösung nicht innerhalb einer Stunde gefunden, öffnet der Spielleiter die Tür von außen.

Die Uhr tickt unerbittlich

Die Uhr läuft in unserem Raum schon, auf einem Bildschirm an der Wand rattern die Ziffern unerbittlich. Doch wo fängt man eigentlich an? Keine Ahnung, also suche ich einfach mal drauflos. Gucke neugierig in Schubladen, stöbere in den Büchern, durchwühle die Taschen von Laborkitteln. Schwierig zu suchen, wenn man nicht weiß, nach was.

Da klackert doch was. Aha: Doppelter Boden. Dahinter: ein Schlüssel! Mein erster Hinweis. Doch schon stehe ich vor dem nächsten Rätsel: Zu welchem Schloss der wohl passt? Da hilft nur: Durchprobieren.

Mike Puhlmann sitzt derweil als Spielleiter draußen vor einem Monitor, auf dem er uns per Videoüberwachung zusehen kann. Damit er helfen kann, wenn es nicht weitergeht. Aber auch damit niemand gegen die Regeln verstößt und zum Beispiel ein Handy benutzt, um ein Rätsel zu lösen. Über einen Computer moderiert er das Geschehen im Raum, wenn nötig.

Währenddessen haben sich meine Kollegen einer Kiste mit Reagenzgläsern und der Stromversorgung angenommen. Jeder wühlt, murmelt, puzzelt und rätselt vor sich hin, immer mal wieder ertönt ein freudiges "Aha!". Oder ein fragendes "Hä?! Kannst du damit vielleicht was anfangen?"

Kleine Tipps von außen

Manchmal kann einer den anderen weiterhelfen, weil er etwas gesehen hat, was dazu passen könnte. Manchmal auch nicht. Wenn alle ratlos um einen kryptischen Hinweis stehen und fragend in die Runde blicken, blinkt auf dem Bildschirm an der Wand auch mal ein Hinweis auf. "Nehmt euch mal Schrank 646 vor!" zum Beispiel.

Das ist der Spielleiter, der von außen eingreift. Diese Hilfen kompensieren die Unterschiede beim Wissen, erklärt Puhlmann: "Wir haben Gruppen, die topfit sind, und andere, denen die Denkweise völlig fremd ist." Grundsätzlich ist das Mission Escape in Saarlouis so aufgebaut, dass es für jeden lösbar ist - unabhängig vom Bildungshintergrund. Ist man erstmal dabei, erklärt sich vieles von selbst.

Mit der Zeit stellt sich heraus: Es ist gar nicht so schwierig, verschiedene Hinweise wie Schlüssel, Zahlencodes oder Hilfsgegenstände im Raum aufzutreiben. Wenn man mal weiß, nach was man eigentlich stöbert.

Knifflig ist es eher, das alles miteinander in Verbindung zu bringen: Was sollen diese Buchstaben bedeuten? Wie komme ich an den Stecker in dieser Kiste ran? Und wo ist bloß der verdammte Schraubenschlüssel? Stur rüttle ich an einem Bügelschloss, das sich einfach nicht öffnen will. Dabei habe ich die vier Ziffern schon in 20 verschiedenen Reihenfolgen eingegeben. Mist!

"Wir gehen in ganz viele Räume rein, probieren aus und gucken uns auch mal was ab", sagt Puhlmann, der seine beiden Exit Rooms und die Dutzenden Rätsel darin alle selbst konstruiert hat, und auch immer wieder umbaut: "Manchmal qualmt einem da echt der Kopf", schmunzelt er.

Knack - mein Schloss öffnet sich endlich, vorsichtig luge ich in den Schrank: Ein Hemd, ein paar Gummistiefel. Und nun? Meine Kollegen wühlen und tasten mit mir im Schrank, bis einer den Hinweis entdeckt - ha!

Sechs bis acht Leute können problemlos in einen Raum, meint Puhlmann. Rein theoretisch könnte man auch alleine versuchen zu lösen, aber dann würde eine Stunde nicht reichen. Und die Zusammenarbeit ist ein wichtiger Faktor, betont der Fachmann. Ein Grund, warum besonders Firmen gerne die Räume buchen: Um das Teamwork zu trainieren.

Doch nach und nach löst sich das Rätsel des Raums, Stück für Stück. Und tatsächlich: Gemeinsam kommt man bisweilen schneller ans Ziel. Allerdings ist wenig Zeit zur Freude, denn die Uhr tickt erbarmungslos: Noch 20 Minuten! Die Musik, die jetzt aus den Lautsprechern tönt, verursacht zusätzlichen Stress. Obwohl kein Schreckensszenario vorgegeben ist, was passiert, wenn man es nicht schafft, steigt die Aufregung, je mehr Zeit verstreicht. Wir wollen uns schließlich nicht blamieren.

Die Rekordzeit liegt aktuell übrigens bei knapp 35 Minuten, Rekordhalter ist eine Gruppe der THW-Jugend. Auf einer Fotowand im Flur sind diverse Gruppen mit ihrer Bestzeit verewigt - das spornt uns an. "Meistens sind es IT-ler, die besonders gut sind", sagt Puhlmann, "am besten ist es, wenn sich die Gruppe möglichst unterschiedlich zusammensetzt: Einer, der sich mit Computern auskennt, ein Handwerker, Männer, Frauen, altersgemischt. Grundsätzlich gilt: Man darf einfach nicht zu kompliziert denken, es ist meistens ganz simpel."

Des Rätsels Lösung?

Hier noch ein Hinweis, da ein passender Schlauch. Schon beinahe routiniert haben wir wieder ein Vorhängeschloss geknackt und endlich den gesuchten Knopf gefunden. Doch am Ende stehen wir wieder ratlos da: In den Händen einen Code. Was nun? Ob der vielleicht sogar zur Exit-Tür passt? Wir versuchen es: tippen ein, nichts passiert. Tippen nochmal anders, das Schloss bewegt sich keinen Millimeter. Die Zeit rennt. Da, endlich: die Tastatur blinkt grün, das Schloss klickt - Erleichterung. Wir können raus. Das Rätsel ist gelöst!



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Auf einen BlickÖffnungszeiten: Montag bis Mittwoch geschlossen, Donnerstag von 16 bis 21 Uhr, Freitag von 16 bis 22 Uhr, Samstag und Sonntag und an Feiertagen von 15 bis 22 Uhr. Sonderöffnung möglich nach Vereinbarung. Preise hängen von der Gruppengröße ab, zum Beispiel zahlt bei vier Spielern jeder 22,50 Euro, bei sechs Spielern jeder 16,50 Euro. Für Schulklassen gibt es Sonderkonditionen. Kontakt: Mission-Escape, Saarwellingerstraße 199, Steinrausch. Tel. (0 68 31) 9 66 99 46, per E-Mail an: info@mission-escape.de. nicIm Internet:www.mission-escape.net

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HintergrundDie Räume und ihre Geschichten:"Biohazard" ist der erste Raum, für Einsteiger geeignet. Die Geschichte: Ein Forscherteam findet das geheime Labor von Dr. Bennet, einem hochangesehenen Virologen . Beim Betreten kontaminieren sich sämtliche Teammitglieder mit einem tödlichen Virus. Ein Heilmittel ist aktuell nicht bekannt. Allerdings gibt es Hinweise auf ein Gegenmittel innerhalb des Labores. Leider wurden beim Öffnen des Labores Teile der Stromversorgung lahmgelegt. Aufgabe ist es, den Strom wiederherzustellen, alle vier Gegenmittelproben zu finden und das Zahlenschloss der Ausgangstür zu knacken. "Hochexplosiv" ist der zweite Raum, für Fortgeschrittene. Geheimagenten leben unter falscher Identität mitten unter uns und warten darauf, endlich mit ihrer geheimen Mission zu beginnen. Seit vielen Jahren arbeiten Regierung und Geheimdienste daran, diese "Schläfer" ausfindig zu machen. Wieder einmal ist es gelungen, ein Geheimversteck zu orten. Doch im hinteren Teil befindet sich eine Atombombe. Das Team muss die Bombe entschärfen und die Welt vor einer nuklearen Katastrophe bewahren. nic

Mission Escape-Inhaber Mike Puhlmann (rechts) und Mitarbeiter Aaron Wendel im Raum "Hochexplosiv" mit ihrer Atombombe.
Mission Escape-Inhaber Mike Puhlmann (rechts) und Mitarbeiter Aaron Wendel im Raum "Hochexplosiv" mit ihrer Atombombe.
Der Spielleiter überwacht außerhalb auf dem Bildschirm über Kameras die Teams in den Räumen und gibt bei Bedarf auch Hilfestellungen bei besonders kniffligen Aufgaben.
Der Spielleiter überwacht außerhalb auf dem Bildschirm über Kameras die Teams in den Räumen und gibt bei Bedarf auch Hilfestellungen bei besonders kniffligen Aufgaben.