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Klettern
In Saarlouis auf schwindelerregender Höhe

Hoch hinaus ging es für die rund 140 Kletterer bei den westdeutschen Meisterschaften in Saarlouis.
Hoch hinaus ging es für die rund 140 Kletterer bei den westdeutschen Meisterschaften in Saarlouis. FOTO: flash-foto.de
Saarlouis. Im Rocklands in Saarlouis wurden am Wochenende die westdeutschen Meisterschaften im Klettern ausgetragen. Die Saarländer schnitten dabei unterschiedlich ab. Von David Benedyczuk

Anfeuerungsrufe begleiten die Protagonisten am Samstagabend auf ihrem steilen Anstieg in schwindelerregende Höhen – bei Samuel Schirra sind sie noch etwas ausgeprägter. Denn der 19-Jährige aus Urexweiler ist einer der Lokalmatadore, kennt als Mitglied des Teams „Generation Rocklands“ das Rocklands-Kletterzentrum in Saarlouis, wo nach 2016 erneut die Westdeutschen Meisterschaften Station machen, natürlich bestens. Diesmal ist es die Meisterschaft in der Kategorie „Lead“, der Königsdisziplin. Ziel beim Lead ist es, mit Seil eine Route innerhalb eines festen Zeitlimits möglichst sturzfrei zu meistern beziehungsweise höher als die Konkurrenz zu klettern. Vor zwei Jahren war in der Halle bereits der ab 2020 olympische Dreikampf „Overall“ ausgetragen worden.


Für Schirra geht es auf der mit gelben und grauen Haltegriffen übersäten Wand Stück für Stück höher hinaus. Der Übergang von einer größeren Haltevorrichtung, Volumen genannt, zur nächsten gelingt offenbar ohne große Probleme. Schirra baumelt zwar kurz ohne Beinkontakt in der Luft – doch seine Hände haben das lila Volumen fest gepackt. Dann aber passiert es: Zwischen zwei weiteren violetten Volumen bekommt Schirra den oberen Klettergriff nicht richtig zu fassen – begleitet vom lauten Raunen der Zuschauer geht es hinab in die Tiefe. „Ich bin nicht richtig in die Tour reingekommen, habe früh gemerkt, dass das nicht so die Bewegungsabläufe sind, die mir liegen. Das hat direkt zu viel Kraft gekostet“, verrät Schirra nach seinem recht frühen Abflug im Lead-Finale der besten acht Herren. Am Ende muss er sich mit Rang sechs begnügen. Enttäuscht ist Schirra, aber auch ein fairer Sportsmann: „An manchen Tagen macht man die Wand fertig. Manchmal wird man aber eben fertig gemacht“, sagt er.

Bei Elias Schmitt ist die Gemütslage besser: „Ich bin ziemlich zufrieden. Das ist mein bisher größter Erfolg im Klettern“, sagt der 16-Jährige von den Bergfreunden Saar nach Rang fünf bei den Herren. „Die Route war schwer, das hat Kraft gekostet, aber sie war an sich gut“, ergänzt der St. Wendler, der sich zusätzliche Strapazen im Wettkampf der A-Jugend aufgehalst hatte – und dabei als Vierter ebenfalls eine gute Figur machte. Dort gab es an Nils Siegel kein Vorbeikommen. Der 16-Jährige vom ASS Saarbrücken erkletterte vor Namensvetter Nils Brandenburger aus Wuppertal den westdeutschen Titel in dieser Altersstufe. „Ein schöner Erfolg für mich. Ich bin zufrieden. Die Quali lief nicht so toll, aber das Finale hat dann gut geklappt“, sagt Siegel, der bei den Herren mit Rang zehn knapp am Finale vorbeigerauscht war.



Florence Grünewald war mit ihrer Final-Performance dagegen nicht wirklich zufrieden, nachdem sie in beiden Vorrunden stark aufgetrumpft hatte. „Die Quali war echt gut“, befand die 19-jährige Saarbrückerin, die seit einem Disput mit dem Ex-Trainer für Hessen startet. Der Streit sei inzwischen beigelegt, der Fairness wegen starte sie aber weiterhin für Hessen, so die in Kaiserslautern studierende Grünewald. Im Finale reichte es für sie nur zu Rang vier: „Es ist schon ein undankbarer Platz, wobei mein Hauptziel die Quali für die deutschen Meisterschaften war. Das habe ich mit der Finalteilnahme immerhin geschafft – und die Deutschen sind eh wichtiger.“

Wie vielen anderen wurde ihr im Finale die Schlüsselstelle zum Verhängnis: „Der eine Griff dort oben ist gedeckelt, da musst du halt genau treffen. Ich war knapp dran, hab’s kurz halten können, aber nicht lange genug“, analysierte Grünewald. Letztlich konnte nur die Frankfurterin Käthe Atkins die Finalroute bewältigen. Bei den Herren gab es sogar gar kein Final-„Top“ – dafür einen Doppelsieg der Siegerland-Sektion durch Markus Jung als Sieger und Mathias Götting-Boller dahinter.

Neben dem Titelgewinn von Siegel bei der A-Jugend gab es mit Anna-Lena Wolf von den Bergfreunden Saar (Dritte bei der weiblichen B-Jugend) nur noch eine weitere saarländische Medaillen-Gewinnerin.

Alle Ergebnisse unter www.alpenverein.de/Wettkampf/Klettern-Bouldern-Speedklettern/Termine-Ergebnisse/

Anna-Lena Wolf belegte Platz drei bei der B-Jugend.
Anna-Lena Wolf belegte Platz drei bei der B-Jugend. FOTO: Flash-Foto.de
Griff nach Gold: Nils Siegel vom ASS Saarbrücken wurde westdeutscher Meister bei den A-Jugendlichen. 
Griff nach Gold: Nils Siegel vom ASS Saarbrücken wurde westdeutscher Meister bei den A-Jugendlichen.  FOTO: Flash-Foto.de