Kino wie vor hundert Jahren

Zu einem Stummfilmkonzert hat Stephan Graf von Bothmer nach Fraulautern eingeladen. Mit dem Film „Der Dieb von Bagdad“ entführte er die Besucher in ein Märchen aus 1001 Nacht.

Schon bei den ersten Takten, die Stephan von Bothmer auf dem Flügel spielt, wird klar: Dieser Abend im Vereinshaus Fraulautern verspricht etwas ganz Besonderes zu werden. Virtuos intoniert der Pianist die drei Preludien von George Gershwin , verschiedenste Stimmungen erfüllen den leider nicht vollständig gefüllten Saal. Bei den kleinen Stücken handelt es sich lediglich um ein Vorspiel, denn die Hauptattraktion steht noch bevor: Bothmer spielt bei seinem Stummfilmkonzert zum Klassiker "Der Dieb von Bagdad" aus dem Jahr 1924.

Die Wahl für diesen Film hat der Pianist und Komponist, der bereits 600 Filme vertont hat, ganz bewusst getroffen. "Es ist ein Weihnachtsmärchen", erklärt er. Tatsächlich ist der Stoff die Umsetzung eines klassischen Märchens aus 1001 Nacht: Der Dieb Ahmed verliebt sich in die schöne Prinzessin, muss sich jedoch mit viel List gegen seine Rivalen durchsetzen. Die Hauptrolle spielt Douglas Fairbanks, und Bothmer ist sicher: "Ohne ihn wäre dieser Film nicht denkbar." Neben dem starken Hauptcharakter bezaubern vor allem die märchenhaften Details und die liebevollen Spezialeffekte, wie ein magisches Seil oder natürlich ein fliegender Teppich.

Perfekt zu den Bildern auf der Leinwand passt Bothmers Spiel am Klavier. Dabei lässt der seit Jahren erfolgreiche Stummfilmmusiker seiner Fantasie freien Lauf. "Es gab damals keine Originalmusik", betont er, "die Idee war, dass jeder Musiker den Film für sich neu interpretiert." Dabei ist es nicht sein Ziel, einfach nur die Handlung auf dem Klavier nachzuzeichnen. Vielmehr will er neue Aspekte aufzeigen, "etwas erfahren, was man vorher nicht wusste". Die genaue Herangehensweise sei je nach Film jedes Mal eine etwas andere, beginne jedoch meist damit, dass er sich den Film auf der großen Leinwand ansehe.

Obwohl er auch schon mit einem vollen Orchester gearbeitet hat, mag er besonders die Vertonung nur mit dem Klavier. "Die Leute sagen, es ist so viel intensiver", meint Bothmer - und der Schlussapplaus im Vereinshaus gibt ihm damit Recht.