KEB bietet Auslandspraktikum für junge Menschen an

Als Berufsvorbereitung : Erfahrungen aus Rumänien und der Slowakei

Im Rahmen ihrer berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahme bei der Dillinger KEB machten zwei Jugendliche ein Auslandspraktikum.

In Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit bietet die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) in Dillingen berufsvorbereitende Bildungsmaßnahmen (BvB) an. Das Angebot richtet sich an junge Menschen, die noch auf der Suche nach einem geeigneten Ausbildungsplatz sind. In diesem Jahr nutzten zwei der rund 80 Dillinger BvB-Teilnehmer die Möglichkeit, im Rahmen der Initiative „Experiencing Europe“ jeweils zweiwöchige Praktika in Brasov (Rumänien) und Kysuce (Slowakei) zu absolvieren.

Als Tim Kaldun 2018 sein Abitur machte, hatte er noch „keine Berufsvorstellung“. Monika Schäfer, Berufsberaterin bei der Saarlouiser Agentur für Arbeit, empfahl ihm eine BvB-Maßnahme, die der 19-jährige Lisdorfer im September bei der KEB in Dillingen begann. Dort durchlief er zunächst die drei Bereiche Wirtschaft/Verwaltung, Metall und Elektro. Er entschied sich schließlich für die Elektroberufe. Seine Bildungsbegleiterin Ute Rösch von der KEB stellte ihm im Oktober das Projekt „Experiencing Europe“ vor.

Ähnlich erging es Sophia Schneider, 18, die im Gespräch mit einem Kollegen von dem Projekt erfuhr. „Ich wusste nicht, was ich machen sollte“, stellte die junge Frau aus Beckingen nach der Mittleren Reife fest. Sie hatte zwar Interesse an einer Ausbildung zur Mediengestalterin oder Drogistin, doch ihre Bewerbungen blieben erfolglos. So kam sie bereits im August in die BvB-Maßnahme bei der KEB, lernte die Bereiche Elektro, Friseur sowie Lager/Handel kennen und entschied sich für Letzteres.

Unter den 80 Dillinger BvB-Teilnehmern kamen aufgrund der notwendigen Voraussetzungen – vor allem gute Englisch-Kenntnisse – nur zehn für die Auslandspraktika in Betracht, erklärt Rösch. Doch nur drei dieser potenziellen Kandidaten entschieden sich zur Teilnahme, da die meisten „nicht vier Wochen lang von zuhause weg“ sein wollten. Sophia und Tim mussten erst noch Englisch- und Mathe-Tests absolvieren, bevor das Stuttgarter Kompetenzzentrum des Deutschen Caritasverbandes ihnen grünes Licht gab.

Ende Januar ging es mit dem Zug nach Frankfurt, von dort mit dem Flugzeug nach Bukarest und weiter per Taxi nach Brasov. Die rumänische Kleinstadt war „echt schön“, auch in der Umgebung konnten sie sich einiges ansehen. Meist waren sie allein unterwegs, mit Englisch und der Hilfe ihres Smartphones kamen sie aber ganz gut durch. In Rumänien wie auch in der Slowakei waren sie mit zwei anderen deutschen Teilnehmern aus Duisburg und Nordhorn zusammen, wohnten dort in bescheidenen Unterkünften.

Das slowakische Städtchen Kysuce war für die beiden jungen Saarländer „ziemlich langweilig“. Reichlich Abwechslung gab’s dagegen in der nahegelegenen Stadt Zilina, beim Skifahren in den Bergen oder bei Bowling-Partien mit zwei slowakischen Arbeitskollegen. Sowohl in der Slowakei wie zuvor schon in Rumänien lernten Tim und Sophia die ärmlichen Lebensverhältnisse kennen. Das neueste Smartphone und TV-Receiver gebe es bei uns in fast jedem Haushalt, dort sei man schon „froh über einen funktionierenden Wasser-Kocher“, berichtete Tim über seine Eindrücke. „Es war krass, das zu sehen, die haben viel weniger als wir“, ergänzte Sophia. Dort leben möchte sie daher nicht, sagt die Frau aus Beckingen, aber ein Jahr dort arbeiten, das könne sie sich schon vorstellen. Für den Lisdorfer kommt das „eigentlich überhaupt nicht“ in Betracht. Ein Auslandspraktikum würden beide aber „auf jeden Fall wieder“ machen. Andere Länder kennenzulernen, ist für Sophia das Motiv. Für Tim sind es die „Unterschiede zu Deutschland“, die ihn beeindruckt haben. Die Arbeitszeit haben die Beiden in den dortigen Standorten des deutschen Unternehmens Schaeffler absolviert. Der Zulieferer für die Automobil- und Maschinenbau-Industrie gehört zu den Initiatoren des Projektes „Experiencing Europe“. Für Tim und Sophia also eine gute Gelegenheit, „einfach zu schauen, wie es in einem Unternehmen läuft“.

Zurück im Saarland sind die beiden mit reichlichen Erfahrungen über die Abläufe in den Betrieben wie auch das Leben im europäischen Ausland. Und Gewissheit über ihre berufliche Zukunft haben sie inzwischen auch. Im August beginnt Sophia bei Aldi eine Ausbildung als Einzelhandelskauffrau und Tim bei Dillinger eine Ausbildung als Mechatroniker.

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