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Karte löst angeregte Diskussionen aus

Karte löst angeregte Diskussionen aus

Heiner Groß ist Vorsitzender des Vereins für Heimatkunde Lisdorf. Er hat nach der Veröffentlichung in der Saarbrücker Zeitung zum Bürgerfest im Garten des Landratsamts einen ausführlichen Leserbrief geschrieben – mit einer Reihe interessanter Aspekte. Hier der Brief im Wortlaut.

Ihre Berichterstattung über 200 Jahre Landkreis Saarlouis fand ich sehr gut. Mir hat Ihr ganzseitiger Bericht vom 19. Juli unter dem Titel "Der Landkreis Saarlouis zeigt sich von seinen 13 besten Seiten" besonders gut gefallen. Die prägnante kurze Vorstellung der drei Städte und zehn Gemeinden, die heute den Landkreis bilden und sich sowohl beim Bürgerfest im Schatzgarten des Landratsamtes als auch beim grandiosen Festzug präsentierten, um die historische Karte des Landkreises aus dem Jahre 1820 herum, ist Ihnen sehr gut gelungen.

Diese historische Karte, die wohl bei älteren Heimatkundlern bekannt war, hat erfreulicherweise bei einigen jüngeren Mitgliedern meines Lisdorfer Heimatkundevereins zu angeregten Diskussionen geführt. Erfreut waren sie, in dieser Karte festzustellen, dass unser Heimatort Lisdorf 1820 neben unserer Kreisstadt Saarlouis und weiteren 15 Gemeinden eine Bürgermeisterei besaß, zu der damals auch Ensdorf gehörte. Was ziemlich unbekannt ist, ist die Kennzeichnung in besagter Karte, dass Lisdorf damals neben Saarlouis und weiteren vier Orten zu den sechs einwohnergrößten Gemeinden im Landkreis gehörte.

Auch der mehr als 900 Jahre alte Ortsteil Holzmühle ist in der Karte als kleiner Weiler mit damals etwa 50 Einwohnern nachgewiesen. Heute hat Lisdorf, das bekanntlich 2011 sein 1100-jähiges Jubiläum feiern konnte und über Jahrhunderte eine selbstständige Gemeinde war, 1936 mit Fraulautern, Schönbruch (Beaumarais) und Picard in das von den Nazis in Saarlautern umbenannte Saarlouis eingegliedert wurde, etwa 3450 Einwohner; davon wohnen knapp 1000 im Ortsteil Holzmühle. Interessant ist auch, dass Ensdorf, das bis etwa 1880 zur Pfarrei und bis 1936 zur Bürgermeisterei Lisdorf gehörte, 1820 weniger als 1000 Einwohner hatte, heute dagegen zirka 6500, knapp doppelt so viel wie Lisdorf.

Die Feststellung im SZ-Artikel, dass das Gebiet des Landkreises seit 1820 bis heute nahezu unverändert ist, muss etwas korrigiert werden. Bei der Gebietsreform 1974 kamen zur Stadt Lebach die Orte Aschbach, Dörsdorf, Steinbach und Thalexweiler; zur Gemeinde Schmelz der Ort Michelbach aus dem Landkreis Merzig hinzu.

Die Ortsbezeichnung "Quatrevente", die in der Karte als kleiner Weiler bis 50 Einwohner bei Schwalbach ausgewiesen ist, gab uns Rätsel auf. Mein Heimatfreund Clemens Salz aus Schwalbach erklärte mir, dass diese französische Bezeichnung einer kleinen Siedlung gegolten habe, in der früher fast ausschließlich Protestanten wohnten (vielleicht aus Frankreich geflohene Hugenotten?). Heute sei dort die Vierwinde-Straße.

Interessant ist auch, dass 1820 auf dem zu Wallerfangen gehörigen Limberg ein Weiler namens "Hof Limberg" mit mehr als 200 Einwohnern existierte. Heute befinden sich dort eine Kapelle und der Sommersitz der Familie Villeroy. Erwähnenswert ist außerdem, dass die relativ kleinen Gaudörfer Oberesch und Ihn nach besagter Karte damals jeweils Sitz einer Bürgermeisterei waren.

Was sich aus der Karte nicht ergibt, aber in diesem Zusammenhang erwähnt werden sollte, ist die Tatsache, dass nur wenige Jahre vor dem Wechsel der Herrschaft von Frankreich zu Deutschland in unserer Region und der Gründung des preußischen Landkreises Saarlouis die Einwohner von Lisdorf und weitere Orte überwiegend Leibeigene des Abtes von Wadgassen waren. Erst die Französische Revolution brachte Ihnen die Freiheit.

Diese Karte aus dem Archiv des Landratsamts in Saarlouis nimmt Heiner Groß zum Anlass für eine Reihe heimatgeschichtlicher Anmerkungen. Foto: Landkreis Foto: Landkreis

Die Abschaffung des Christentums und insbesondere des hier herrschenden Katholizismus durch die Revolution gelang dagegen nur oberflächlich. Zu tief war die Bevölkerung in ihm verwurzelt. Bereits wenige Jahre nach der Revolution war der Katholizismus wieder gesellschaftsbeherrschend. Auch die protestantischen Preußen konnten 1815 nach ihrer Machtübernahme und der Bildung des preußischen Landkreises Saarlouis 1816 daran nichts ändern.