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Tonton-Preis 2017: Karin Peter ist der erste Mundart-Tonton

Tonton-Preis 2017 : Karin Peter ist der erste Mundart-Tonton

Die Mundartautorin Karin Peter ist von SR-Intendant Peter Kleist in die Reihe der Tontons aufgenommen worden. Mit dem Schmunzel-Preis zur Förderung der Altstadt begann das 41. Saarlouiser Altstadtfeschd.

Niemand muss die Mundart lieben, aber auch der höchstdeutsch Gesonnene muss einfach dem Charme wenigstens dieses einen Wunsches erliegen, den Karin Peter  stets mit Schwung ausspricht: „Hall dich courage“. So lässt sich in altsaarlousier Mundart ein Gespräch beenden. Der Hochdeutsche würde sagen: Halt die Ohren steif - aber „Hall dich courage“ meint so viel mehr. Nicht wirklich übersetzbar, aber eben doch ausgesprochen: Genau damit betritt die Mundartautorin Karin Peter die Welt von Tonton. Am Freitagabend wurde ihr in der Altstadt von Saarlouis der Tonton-Preis 2017 verliehen. Damit begann das 41. Saarlouiser Altstadtfeschd.

Michel Tonton ist der zeitlose Held der Theken, der so lange lügen kann wie gedruckt, bis am Ende die Wahrheit herauskommt. Oder umgekehrt. Vermutlich hat er sich selbst erfunden. Ihm huldigen die Freunde der Altstadt, die vielen Alt-Tontons, mit der Aufnahme neuer Tontons wie Karin Peter. Formel: Wer schön schwadronieren, die Wahrheit verdrehen kann, bis sie stimmt, der passt an die Theken der  Altstadt und – ja – adelt sie im Geiste Tontons.

Eine Tante habe ihr einst gesagt: „Karin, du gifst noch ebbes - und dann hat se tief Luft geholt und gesagt: Und wann de verrückt gifst.  - Und dann jetzt das heut Owend.“ Obwohl: Ob sie wirklich soviel gelogen habe, fragte Karin Peter, dass sie nun Tonton werde? Andererseits: „Nur die Wahrheit, das wäre doch für die Leute viel zu langweilig.“ Aber das meiste, was sie so im Laufe der Zeit „verzellt“ habe, sei schon wahr gewesen. Jedenfalls sei sie beim Anruf, der sie über ihre Wahl informiert habe, „erstmal ins Leid gefallen“ - noch so eine hochdeutsche Übersetzung, die die Fülle des Dialekt-Satzes nicht erfassen kann.  Dann erklärte sie dem Publikum, warum das Saarlouiser Platt „die Wurzel aller Sprachen“ sei. Das gefiel besonders dem Vorjahres-Tonton Peter Kleist. Der hatte in der Lobrede der Tonton-Jury erklärt, Peter wolle Saarländisch zur Amtssprache im Saarland machen.

Die Pläne vernahmen auch prominente Gäste. Nicht bloß „die Prominenz, die heute hier vollständig erschienen ist“, wie Holger Zenner vom Altstadtförderverein sagte, „nämlich die Wirte“. Sondern auch die Alt-Tontons Kanzleramtsminister Peter Altmaier und Bundesjustizminister Heiko Maas, der zusammen mit Natalia Wörner im „Bermudadreieck“ der Altstadt der Rede von Karin Peter, in Mundart, versteht sich, lauschte.

Die Tische waren   dichter besetzt als sonst zur Eröffnung. Was sicher zuerst dem angenehmen Wetter zu danken war. Bei der Verleihung der Tonton-Würde brandete Applaus auf, als Bürgermeisterin Marion Jost dem erkrankten OB Roland Henz gute Besserung wünschte.

Karin Peter, Jahrgang 1942, ist geboren und aufgewachsen in Saarlouis. Sie trat 1964 in den Schuldienst ein. 43 Jahre lang war sie Lehrerin, zuletzt Rektorin der Grundschule St. Ludwig im Herzen der Stadt. Holger Zenner vom Altstadtförderverein freute sich, „dass meine alte Lehrerin jetzt Tonton wird.“ Im Publikum war hier und da zu hören: „Meine auch.“

Übersetz’ mal Heiko! Natalia Wörner und Bundesjustizminister Heiko Maas verfolgen die Mundart-Rede von Karin Peter. Foto: Thomas Seeber

Der Altsaarlouiser Mundart gehört Karin Peters  ganze Liebe. 1999 hat sie ein Saarlouiser Mundartbuch herausgebracht. Asterix, Struwwelpeter, die Weihnachtsgeschichte und Wilhelm Busch hat sie in die Saarlouiser Variante des Moselfränkischen übersetzt. Seit 2005 schreibt sie für die Mundartkolumne der Saarbrücker Zeitung.  Karin Peter lebt in Wadgassen. Ihr Bruder, der frühere Politiker Dieter Gruschke, gehört auch in die Tonton-Ahnenreihe. Mit „Hallen auch all courage“ verabschiedete Karin Peter sich.