Klimaschutz: Jetzt fehlen nur noch die Lkw für den Wärme-Transport

Klimaschutz : Jetzt fehlen nur noch die Lkw für den Wärme-Transport

Ab diesem Winter soll der Wärmebedarf zweier Schulen in Saarlouis mobil gedeckt werden.

Das Modellprojekt, Schwachgas aus der Deponie auf dem Lisdorfer Berg in Wärme umzuwandeln und zu verfrachten, geht voran. Das bestätigte jetzt der Klimaschutzbeauftragte der Stadt Saarlouis, Horst Rupp.

Dieser Tage hat die Stadt den Transport der Energie ausgeschrieben. Sie sucht nun Unternehmen, deren Zugmaschinen die Wärme-Container vom Lisdorfer Berg an die Vogelsangschule und an die Bruchwiesenschule in Beaumarais bringen. In drei Monaten könnte alles bereit sein. Ab diesem Winter sollen ganzjährig 80 Prozent des gesamten Energiebedarfs der beiden Schulen durch mobile Wärme vom Lisdorfer Berg gedeckt werden.

Das Verfahren soll netto – also auch nach Abzug der Werte für den Lkw-Transport – 126 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr sparen.

Hintergrund ist eine gesetzliche Vorgabe, wonach Methangas nicht weiter aus alten Müll-Deponien entweichen darf. Etwa 800 solcher Deponien gibt es laut Rupp in Deutschland. Der Entsorgungsverband Saar (EVS), dem die Deponie gehört, hat deswegen eine Vorrichtung auf die Deponie gestellt, die das aufsteigende Methangas sammelt, um es abfackeln zu können. Beim Gedanken, Energie einfach abzufackeln, „sträubten sich mir als Klimaschutzmanager die Haare“. So bemühte sich die Stadt einerseits um eine Genehmigung des EVS, andererseits um Geld aus einem Modellprojekt des Bundes.

Künftig soll das abgefackelte Gas Wärme produzieren, die über einen Wärmetauscher in ein Speichermaterial in einem Container überführt wird. Dieses Material ist Natriumacetat-Trihydrat, „eigentlich nichts anderes als Pökelsalz“, sagt Rupp. Es schmilzt in der Wärme und hält so die Energie. Die Seecontainer werden dann zu den beiden Schulen gefahren, wo sie in der Regel innerhalb von zwei Tagen wieder über einen Wärmetauscher entladen werden. Die Wärme wird in die Heizsysteme (Fernwärme und Gas) eingespeist. Währenddessen wird ein dritter Container schon wieder neu geladen.

Ob das alles wie gewünscht funktioniert, wird sich zeigen. Darum handle es sich ja um ein Modellprojekt, unterstreicht Rupp. Das Energiemanagement sei die Herausforderung. So ändere sich das Verhalten von Schwachgasen in der Deponie schnell, selbst das Wetter übe einen Einfluss aus. „Wir wissen zum Beispiel jetzt noch nicht, wie der Sammler in der Deponie reagiert.“ Eine technisch sinnvolle Variante, nämlich die Wärme per Leitung direkt zu Unternehmen auf dem Lisdorfer Berg einzuspeisen, verbiete sich aus wettbewerbsrechtlichen Gründen, erklärte Rupp.

Der Bund zahlt mit rund 500 000 Euro rund 90 Prozent der Kosten des Modellprojektes. Für Saarlouis ist es ein Baustein des 2010 vom Stadtrat beschlossenen Ziels, bis 2050 emissionsfreie Stadt zu werden.