Mewa in Saarlouis: Jedes Kleidungsstück hat seinen Barcode

Mewa in Saarlouis : Jedes Kleidungsstück hat seinen Barcode

Unternehmen Mewa hat am neuen Standort Lisdorfer Berg 35 Millionen Euro in eine hochmoderne Reinigungsanlage investiert.

Waschtag ist bei Mewa die ganze Woche über. Pro Monat säubern die 255 Mitarbeiterinnen rund 240 000 Kleidungsstücke in einem hochmodernen Reinigungsprozess im Neubau auf dem Lisdorfer Berg. In den beiden gewaltigen Waschmaschinen fände jeweils locker ein Kleinwagen Platz. Rund elf Meter sind sie lang und etwa vier Meter hoch. Darin können pro Stunde rund eine Tonne Wäsche gewaschen werden, erklärte Ulrich Schmidt vom Vorstand Technik und Produktion. Am alten Standort auf dem Röderberg bei Roden war der Platz eng geworden. Seit 29. August 2016 läuft der Betrieb auf dem Lisdorfer Berg.

35 Millionen Euro ließ sich Mewa die hochmoderne Anlage kosten. „Was wir hier entwickelt haben“, sagte der technische Geschäftsführer, Jürgen Rudolph, „ist quasi einmalig.“

Dazu gehören auch Details wie höhenverstellbare Arbeitsplätze, die Mewa erstmals hier durchgehend realisiert hat. Und alle Arbeitsabläufe sind in Echtzeit auf Monitoren sichtbar. Dazu stehen auf einer Gesamtfläche von 60 000 Quadratmetern das 1500 Quadratmeter große Verwaltungsgebäude mit Callcenter, An- und Auslieferung mit eigenem Wagenpark sowie der 8000 Quadratmeter große Reinigungstrakt. Etwa 100 neue Mitarbeiter wurden eingestellt. Vielfach sind das Fachkräfte, beispielsweise in der Näherei, der Lagerlogistik und in technischen Bereichen. Dazu kommen 15 Auszubildende. Die arbeiten tagsüber in zwei Schichten und erwirtschafteten 2016 einen Umsatz von 36,5 Millionen Euro. 1999, zu Beginn von Mewa in Saarlouis, waren es fünf Millionen.

„Verkehrsgünstig und Platz für Erweiterung“, nannte Jürgen Rudolph als Gründe für den Lisdorfer Berg. Wenn jetzt noch der ÖPNV-Anschluss komme und eine brauchbare Handyverbindung, sei das prima.

Fahrer holen die Kleidung in gesonderten Wäschesäcken beim Kunden ab. Dann wird sie oben in dem zweistöckigen Gebäude erfasst. Von dort laufen die Kleidungsstücke an Bügeln über eine automatische Transportkette an der Decke. „Jedes hat einen Barcode“, zeigte Rudolph die eingenähten Etikette. „Damit können wir sie vom Abholen bis zur Auslieferung verfolgen.“ Da gehe trotz der riesigen Menge nichts verloren. Auch behalte man so die 13 000 unterschiedlichen Artikel im Blick. Jeder bekommt den passenden Ablauf, vom Waschgang über Trocknung und Bügeln bis zur Kontrolle auf schadhafte Stellen. Letzteres behebt eine eigene Näherei. Ist nichts mehr machbar, wird ausgetauscht. Dafür gibt es ein Lager mit rund 30 000 Teilen.

Mewa ist keine Wäscherei, in der man schnell mal seine schmutzigen Sachen abgibt. „Wir schließen Verträge mit Kunden“, sagte Rudolph. Die kommen unter anderen aus Industrie, Handel, Handwerk und Gastronomie. Das sei ein Rundumpaket, bei dem Mewa die Kleidung vermiete. Die wird auf die Erfordernisse des jeweiligen Betriebes abgestimmt, mit Mitarbeiternamen, Firmenlogo und Schriftzug, aber auch Besonderheiten wie Säureschutz und Reflektoren. Mal sei es Kleidung aus sensiblen Bereichen wie der Nahrungsmittelbranche, mal solche aus Autowerkstätten und Druckereien. Jedes bekomme die passende Temperatur und Waschmittel.

Ein gesonderter Bereich sind Putztücher. „Das hat Mewa 1908 entwickelt“, sagte Rudolph. Von Saarlouis aus gehen monatlich Millionen davon zu einer gesonderten Wäscherei. Auf der Basis von Putztüchern entstand das Unternehmen mit heute 44 Standorten europaweit. Dazu gehören insgesamt 5200 Mitarbeiter und 180 000 Kunden. Der Gesamtumsatz lag 2016 bei 638 Millionen Euro. Saarlouis betreut mehr als 8500 Kunden in Deutschland, Frankreich und Luxemburg. Das entspreche etwa 68 000 Menschen in den einzelnen Firmen und Betrieben.

Der Mewa-Neubau auf dem Lisdorfer Berg. Foto: Johannes A. Bodwing
Die Schwestern Barbara und Natascha Schmidt aus Saarlouis arbeiten seit vielen Jahren bei Mewa im Betrieb für die Pflege von Berufs- und Schutzkleidung. Foto: Johannes A. Bodwing

Die modernen Waschverfahren entlasten die Umwelt bis zu 85 Prozent durch computergesteuerte Dosierung der Mittel und weniger Wasserverbrauch. So können laut Mewa bis zu 50 Prozent Frischwasser eingespart werden. Abwasser werde so aufbereitet, dass ein Reinigungsgrad von 99,8 Prozent erreicht werde.

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