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Lebensberatung
„Ja zur eigenen Durchschnittlichkeit“

Benediktinerpater Anselm Grün (im Bild) kommt mit Liedermacher Clemens Bittlinger nach Lisdorf.
Benediktinerpater Anselm Grün (im Bild) kommt mit Liedermacher Clemens Bittlinger nach Lisdorf. FOTO: Grün / Anselm Grün
Pater Anselm Grün über Wege zum inneren Frieden. Der prominente Benediktiner kommt nach Lisdorf. Von Johannes Werres

Pater Anselm, „Wie wir Frieden finden“, lautet der Untertitel Ihres Buches „Herr, kehre ein in dieses Haus“. Was ist denn das, Frieden?


Pater Anselm Frieden meint: im Einklang sein mit sich selbst. Wer im Einklang ist mit sich selbst, der kann auch Frieden schaffen in seiner Umgebung. Frieden bedeutet auch zufrieden sein mit seinem Leben. Das ist keine Selbstzufriedenheit, sondern ein Jasagen zur Durchschnittlichkeit.

Und was ist das Gegenstück? Unfrieden, Rastlosigkeit, Hadern?

Pater Anselm Unzufriedene Menschen sind mit allem unzufrieden. Sie projizieren ihre Unzufriedenheit mit sich selbst auf die Umgebung. Daher geraten sie mit allen in Streit. Und sie sind nicht versöhnt mit ihrem Leben. Daher hadern sie mit ihrem Schicksal, mit Gott und mit den Menschen in ihrer Umgebung. Rastlose Menschen laufen vor sich selbst davon. Sie können sich nicht der eigenen Wahrheit stellen. Das deutsche Wort Hetze kommt von Hassen. Wer gehetzt ist, hasst sich selbst. Von ihm kann kein Frieden ausgehen.

Der Großteil der Menschen bis 50 ist ohne konkrete christliche Überzeugung aufgewachsen. Können Sie sich auch mit dieser Gruppe verständigen?



Pater Anselm Auch die, die ohne christliche Überzeugung aufgewachsen sind, sehnen sich nach den Werten. Sie sehnen sich auch nach Gott. Es kommt darauf an, eine Sprache zu finden, die ihre Herzen berührt. Es ist eine offene Sprache, die sie nicht festlegen will, aber die ihr Herz wärmt.

Die Kirchen suchen nach ihrem Kern, nach Spiritualität, nach der eisernen Ration in schwierigen Zeiten. Und Sie empfehlen uns – Engel. Gehören Engel zur Kernbotschaft der Kirchen?

Pater Anselm Engel sind nicht die zentrale Botschaft der Kirche. Die zentrale Botschaft ist Jesus Christus. Doch die Bibel spricht von Engeln. Und die Menschen sind offen für Engel. Jeder hat schon einmal den Schutzengel erfahren. Oder erlebt, dass ein anderer Mensch für ihn zum Engel geworden ist. Die Bibel spricht von Engeln als den Boten Gottes. Wenn die Engel uns behüten, dann ist das ein konkreter Ausdruck für den Schutz Gottes, der uns umarmt, so wie ein Engel uns umarmen kann.

Zurück zum Frieden: Was ist der wichtigste Schritt auf dem Weg zum Frieden mit sich selbst?

Pater Anselm Der wichtigste Schritt ist, sich seiner eigenen Wahrheit stellen und sich damit aussöhnen. Das gelingt aber nur, wenn ich mich bedingungslos von Gott angenommen weiß, wenn ich keine Angst habe vor dem, was in mir auftaucht. Dazu ist wichtig, inne zu halten und still zu werden. Viele haben Angst vor der Stille, weil sie Angst haben vor sich selbst. Die Stille auszuhalten, ist die erste Bedingung, mit sich in Frieden zu kommen.

Die Fragen stellte Johannes Werres

Sonntag, 18. März, 17 Uhr, in der Lisdorfer Pfarrkirche. „Herr kehre ein in dieses Haus. Wie wir Frieden finden“ heißt das multimediale Dialogkonzert von Anselm Grün und dem christlichen Liedermacher Clemens Bittlinger. Veranstalter sind die Halleluja-Singers aus Saarlouis. Grundlage des Konzerts und gleichnamigen Buches/Hörbuches ist das Abendgebet „Herr kehre ein in dieses Haus“. Der Chor wird einige Lieder begleiten und das Publikum wird immer wieder eingeladen mitzusingen.
Karten zur Veranstaltung: 15 Euro (VK) und 18 Euro (Abendkasse). Im Beaumaraiser Laden, Hauptstr. 179, Beaumarais; Boutique Jk-TENDENCE, Lisdorfer Str. 7, Saarlouis; Crispinus-Apotheke, Provinzialstr. 62 b , Lisdorf.