Immer eine neue Herausforderung

Herr Langenfeld, seit fast 40 Jahren stehen Sie dem Steinbacher Chor vor, seit zehn Jahren dem Rathauschor. Was haben beide Chöre gemeinsam oder wo liegen deren Stärken? Walter Langenfeld: Die beiden Chöre verbindet zunächst einmal die gemeinsame Liebe zur Chormusik, die Liebe zu ihrem Verein und, beim Steinbacher Chor, die Zugehörigkeit zur Dorfgemeinschaft

Herr Langenfeld, seit fast 40 Jahren stehen Sie dem Steinbacher Chor vor, seit zehn Jahren dem Rathauschor. Was haben beide Chöre gemeinsam oder wo liegen deren Stärken?

Walter Langenfeld: Die beiden Chöre verbindet zunächst einmal die gemeinsame Liebe zur Chormusik, die Liebe zu ihrem Verein und, beim Steinbacher Chor, die Zugehörigkeit zur Dorfgemeinschaft. Beim Rathauschor Saarlouis, der ja sozusagen ein Werkschor ist, sieht das ein bisschen anders aus, weil die Chormitglieder aus verschiedenen Dörfern in der Umgebung kommen, fehlt hier naturgemäß die dörfliche Gemeinschaft. Seit fast 40 Jahren leite ich den MGV Steinbach, Chor und Chorleiter sind in all den Jahren eine Gemeinschaft geworden, die sich gegenseitig schätzt und respektiert, wäre ich sonst fast 40 Jahre in Steinbach? Wir haben in den 40 Jahren musikalische Höhen und Tiefen erlebt, wir hatten auch in den letzten Jahren durch viele Sterbefälle einen natürlichen Aderlass, den andere Chöre auch haben. Beim Rathauschor Saarlouis sieht es ähnlich aus, nur dass die Bindung hier nach zehn Jahren noch nicht so sehr ausgeprägt ist wie nach 40 Jahren, aber auch in Saarlouis habe ich in den zehn Jahren musikalisch schon einiges realisieren können. Die Stärken der beiden Chöre liegen in dem guten Stimmenpotenzial der Sänger, deshalb können wir auch heute noch anspruchsvolle Werke der Chor- und Opernliteratur aufführen.

Nach Zar und Zimmermann 2005 und Zauberflöte 2007 nur in Saarlouis, nun wieder ein großes Projekt. Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Projekte aus?

Langenfeld: Die Werke müssen beim Sänger "ankommen" und dem Publikum gefallen. Das war in meiner ganzen Chorleiterlaufbahn meine Devise und ich war damit immer gut beraten. Die Oper "Der Waffenschmied" ist seit 1981 nicht mehr im Saarländischen Staatstheater gespielt worden, ich hoffe, somit auch das Saarbrücker Theaterpublikum zu erreichen.

Welche Anforderungen stellen Sie an Chor, Orchester und Solisten?

Langenfeld: Ich stelle bei einer solchen Aufführung sehr hohe Anforderungen, was auch zeigt, dass ich Profisolisten und Orchestermusiker des Saarländischen Staatstheaters engagiert habe, diesem Niveau muss sich auch der Laienchor anpassen können.

Zu Ihren größten Erfolgen zählen das Liverpool Oratorio von Paul McCartney, Zar und Zimmermann, Die Zauberflöte und Haydns Schöpfung. Gehen Sie routinemäßig an diese Projekte heran oder ist es immer wieder eine neue Herausforderung?

Langenfeld: Eine gewisse Routine und Erfahrung, besonders in der Arbeit mit Profimusikern, setzt ein solches Vorhaben natürlich voraus, aber es ist doch immer eine neue Herausforderung.

Wie motivieren Sie Ihre Chöre, wenn es mal nicht so klappt?

Langenfeld: Ich erinnere meine Sängerinnen und Sänger an unsere gemeinsame Verantwortung für den Chorgesang und seine Chöre.

Müssen Sie auch mal ein Machtwort sprechen?

Langenfeld: Eigentlich nicht, für ein neues Projekt oder neue Literatur versuche ich zu argumentieren, manchmal muss ich sehr viel und umfangreich argumentieren, aber im Großen und Ganzen versuchen wir gemeinsam, zum Ziel zu kommen.

Sie stehen mehreren Chören vor, Ihr Leben und das Ihrer Familie wird eigentlich von der Musik bestimmt. Gibt es da nicht schon mal Reibungspunkte?

Langenfeld: In meinem Leben fand die Musik neben meiner Familie einen großen Raum, mit 14 Jahren wurde ich Chorsänger in meinem Heimatort Roden, mit 18 Jahren Chorleiter beim Kirchenchor Saarfels, wurde also nebenamtlicher Kirchenmusiker, was ich auch heute im Grunde genommen immer noch bin. Im Kirchenchor Saarfels habe ich meine Frau kennengelernt. Ich war also schon Dirigent, bevor ich meine Familie gegründet habe. Meine Frau und meine Kinder, drei Töchter und ein Sohn, mussten immer etwas hinter der Musik zurückbleiben, sie haben es akzeptiert bis heute. Besonders stolz, ohne meine anderen Kinder damit zurückzusetzen, bin ich auf meinen Sohn Stephan, der in meine Fußstapfen als Kirchenmusiker und Dirigent getreten ist und in unserer Region auch schon ein gewisses Ansehen hat.

Und was wäre Ihr größter Wunsch?

Langenfeld: Ich habe in meinem Dirigentenleben, mit Hilfe meiner Chöre, sehr viel realisieren dürfen, wofür ich den Chören sehr dankbar bin. Ich bin auch dem lieben Gott dankbar, dass er mir die Fähigkeiten gegeben hat, die Musik den Menschen zu vermitteln. Mein größter Wunsch ist, dass ich lange gesund bleibe und durch meine Musik den Menschen noch viel Freude bereiten kann.