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Naherholung
Im Stadtgarten soll ein Spielplatz entstehen

Der Saarlouiser Stadtgarten soll durch mehrere Maßnahmen weiter aufgewertet werden.
Der Saarlouiser Stadtgarten soll durch mehrere Maßnahmen weiter aufgewertet werden. FOTO: Thomas Seeber /
Saarlouis. Der Ausschuss für Stadtplanung hat in seiner jüngsten Sitzung über die Ergebnisse des Gutachtens „Saaraltarm 4.0“ diskutiert. Von Johannes Werres

Der Stadtgarten, das Gelände am Saaraltarm in Saarlouis, ist ein wunderbares Beispiel für die Redensart „aus der Not eine Tugend machen“. Im Ausschuss für Stadtplanung wurde am Mittwochabend ein Gutachten mit dem Titel „Saaraltarm 4.0“ diskutiert. „Saaraltarm 4.0“ ließ nichts Gutes ahnen. Soll jetzt etwa aus der grünen Fläche zwischen Wasser und Festungsmauern eine „Eventfläche“ werden? Halligalli statt Ruhe, wie das FWG-Ratsmitglied Altomaro Locurcio mutmaßte?


Peter Wendl, Mitarbeiter des Büros agl in Saarbrücken, stellte eine fleißig und sorgfältig erarbeitete Studie vor, für die maximal 15 000 Euro bereit standen. Ob es dieses Gutachten aber gebraucht hätte, um die Kosten für ein halbes Dutzend Vorschläge zu ermitteln, die von CDU und Grünen als „Saaraltarm 4.0“ gemacht und von der SPD unter Verweis auf ähnliche, frühere Ideen mitgetragen worden waren?

Am Ende stimmte der Ausschuss (mit einer Neinstimme) Maßnahmen zu, die, wie CDU-Fraktionschef Raphael Schäfer es ausdrückte, „mit Bordmitteln“ umgesetzt werden sollen. Also weitgehend mit Geld, das ohnehin im Haushalt steht. Das hieß: Zuerst wird ein Spielplatz im Stadtgarten gebaut. Kosten laut Wendl ab 100 000 Euro aufwärts. Platziert eventuell an einem Ende der großen Wiese. Schäfer unterstrich, dass der Platz auch mehr kosten dürfe, denn er solle Strahlkraft entwickeln. Denkbar wäre, sagte Wendl, in der Nähe „Streetfood“ anzubieten, das ist, was man mal Imbisswagen nannte. Aber nicht mit Pommes, sondern zum Beispiel mit Vegetarischem.



Wenn der Platz fertig ist, so ist nun die Beschlusslage, wird weiter nachgedacht. Zur Wahl stehen: der Ausbau der Joggingstrecke rund um den Altarm. Der könnte über die ganzen drei Kilometer beleuchtet werden (ein Kilometer ist bereits beleuchtet). Außerdem eine 1,25 Kilometer lange Finnenbahn. Diese Bahn besteht unter anderem aus Rindenmulch. Sie ermöglicht gelenkschonendes Laufen, geeignet auch für Schulen, wie Wendl darlegte. Weiter könnte es einen Fitness-Parcours geben, einen kleinen Trimm-dich-Pfad mit modernen Geräten.

Abgeraten hat Wendl davon, auch eine Hundeauslauffläche im Stadtgarten auszuweisen. Dafür seien die Flächen nicht geeignet. Der Rat lässt das dennoch weiter prüfen. SPD-Ratsmitglied Sabina Hartnack bestand mit Blick auf den Leinenzwang im Stadtgarten darauf. Insgesamt also setzt die Kassenlage enge Grenzen (Not), an Halligalli ist nicht zu denken (Tugend).

Die weitere Debatte zeigte, wie wichtig dem Rat der Stadtgarten ist. Grünen-Fraktionschef Gabriel Mahren forderte ebenfalls einen Spielplatz mit Anziehungskraft. Er bekräftigte wie viele Mitglieder des Beirates die Absicht, es beim Stadtpark insgesamt als Ruhezone für Mensch und Natur zu belassen. Beiratsmitglied Ulrich Leyhe begrüßte ebenfalls den Spielplatz, sah das übrige Konzept aus Sicht des Naturschutzes aber „skeptisch“. Beiratsmitglied Heiner Groß warnte vor den Gefahren einer Weg-Beleuchtung für die Vogelwelt.

Locurcio hatte mit seiner Mutmaßung der Eventfläche also nicht Recht. Hätte es aber gehabt, wenn frühere Pläne nicht abgebrochen worden wären. Auch aus Mangel, also Not, die zur Tugend wurde. Mangels Verkaufserfolg wurde zum Beispiel das Projekt „Contregarde Vauban“ beendet, der Bau von exklusiven Eigentumswohnungen der städtischen GBS auf dem früheren Schlachthof. Das war Not. Tugend wurde daraus, als die Stadtverwaltung genau dort ihr Herz für die Überschwemmungsfestung entdeckte. Nun (immer schon, natürlich) war das Ravelin V, die Festungreste unter dem Schlachthofgelände, die weitgehend abgerissen werden sollten, die neue Attraktion. Ein Magnet für den Tourismus. Und für Fördergelder: Mindestens sieben Millionen Euro wird die Umwandlung von der GBS-Baustelle in ein historisches Alleinstellungsmerkmal kosten, der allergrößte Teil davon aus Fördertöpfen der EU, des Bundes und des Landes. Der Stadtgarten selbst hat durch das Ravelin V an Attraktivität und Größe gewonnen. Ohne Halligalli.

Anders wäre es auch gekommen, wenn frühere Pläne vor allem von Stadtverwaltung und SPD vor grob zehn Jahren umgesetzt worden wären: Mal war es eine „Erlebnisinsel“ mit Naturbad, mal eine Marina mit Schifssanlegestelle und ein Tagungshotel. Wurde auch eingestellt. Vor allem mangels politischer Mehrheiten.