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Im Sommer an der Bar fing alles an

Im Sommer an der Bar fing alles an

Saarlouis. Leo Vivona (Foto: SZ) sitzt im Clubhaus der Saarlouis Hornets. Er tippt etwas in seinen Laptop, dann macht er eine Pause. "Eure Zeitung erscheint nur in Deutsch, oder?", fragt der Australier und lacht: "Na gut, dann muss ich mir jemanden suchen, der mir das übersetzt." Mit dem Deutsch hapert es noch bei dem 37-Jährigen aus Melbourne

Saarlouis. Leo Vivona (Foto: SZ) sitzt im Clubhaus der Saarlouis Hornets. Er tippt etwas in seinen Laptop, dann macht er eine Pause. "Eure Zeitung erscheint nur in Deutsch, oder?", fragt der Australier und lacht: "Na gut, dann muss ich mir jemanden suchen, der mir das übersetzt." Mit dem Deutsch hapert es noch bei dem 37-Jährigen aus Melbourne. Acht Wochen trainiert er den Saarlouiser Baseball-Bundesligisten - und hat es keine Sekunde bereut. Obwohl er lukrativere Angebote hätte annehmen können. Schließlich hat er trotz seines für einen Trainer jungen Alters viel Erfahrung. Unter anderem trainierte er in der tschechischen Liga und war Assistenz-Trainer der tschechischen Nationalmannschaft. In den USA reiste Vivona ein Jahr mit der Profi-Mannschaft der Minnesota Twins umher und wurde von dortigen Trainern ausgebildet. "Da habe ich unheimlich viel gelernt", sagt Vivona, der danach in Europa Erfahrungen sammelte. "Da ich italienischer Abstammung bin, habe ich auch einen italienischen Pass - das erleichtert hier alles ungemein", sagt er. Aber warum nun gerade Saarlouis? "Das war eine lustige Geschichte", erzählt Vivona: "Ales Keprta spielt seit vergangenem Jahr hier, ich kannte ihn schon und wir trafen uns im Sommer zufällig in einer Bar, tranken dort ein Bier. Er erzählte mir, welche Probleme es hier mit dem Trainer gab und fragte mich - mehr im Spaß, denke ich -, ob ich nicht im kommenden Jahr dort arbeiten wolle." Im Oktober kam dann Christian Teusch, der sportliche Leiter der Hornets, nach Prag, um mit Vivona zu reden. "Wir redeten vier, fünf Stunden. Und was er da sagte, das imponierte mir. Ich habe erkannt, dass hier Leute mit Leidenschaft dabei sind. Und die Leute hier wollen lernen, sich entwickeln. Ich denke, dass ich hier etwas bewegen kann, also habe ich für zwei Jahre unterschrieben", berichtet der Australier, der Tom Gapp ablöste. Der wiederum hatte in der vergangenen Saison Frederick Beitler als Hornets-Trainer abgelöst. Gapp ist nun Vivonas Assistent. Vivona will mit den Hornets "auf die nächste Stufe", das heißt, sich unter den Topclubs der Bundesliga etablieren: "Da ist noch eine kleine Lücke, und die wollen wir schließen. Es gibt immer Dinge zu verbessern, und an der Spitze sind es die kleinen Dinge, die über Sieg und Niederlage entscheiden." Aber er hat nicht nur die erste Mannschaft im Fokus. Der Horizont reicht von der Bundesliga bis zu den Jüngsten im Verein. "Insgesamt soll eine gemeinsame Linie erkennbar sein. Nur so kommt der ganze Verein voran", sagt der Trainer. Wobei die erste Mannschaft natürlich die größte Außenwirkung habe: "Wenn wir gut spielen und uns gut präsentieren, haben wir die Chance, mehr Menschen für Baseball zu begeistern. Und da haben wir zum Saisonstart schon etwas geleistet." Gegen Vize-Meister Mannheim Tornados gab es eine Niederlage - und einen Sieg. An diesem Wochenende müssen die Hornets zu Hause zwei Mal ran: Am Ostersamstag, 12 Uhr, gegen Meister Legionäre Regensburg, am Ostermontag, 12 Uhr, gegen die Gauting Indians aus München. "Wenn wir Regensburg überraschen könnten, wäre das ein weiterer Schritt nach vorne für uns und Baseball in Saarlouis", ist sich der neue Trainer sicher.